Unsichtbarer Feind

Südlohn Häufiger als sonst streift Landwirt Bernd Schulze Wehninck zurzeit über seine Kartoffelfelder, nimmt die Blätter der Knollen ganz genau unter die Lupe. Denn ein unsichtbarer Feind namens Phytophthora infestans bedroht seine Pflanzen.

12.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst die lange Trockenphase während der Pflanzzeit im April. Dann Anfang Mai die starken Niederschläge und die schwüle Witterung. Jetzt der dauernde Regen. "Ein Nährboden für die Kraut- und Knollenfäule - ein Riesenproblem für uns Landwirte", sagt der Vorsitzende des Ortsvereins Südlohn-Oeding.

Moderiger Geruch

Erst werden Blätter und Stängel braun, verströmen einen moderigen Geruch. Dann dringt der Pilz in die Knolle vor. Schnell breiten sich die Sporen weiter aus. Zunächst sind nur wenige Nester zu sehen, dann ist schnell die ganze Ernte bedroht. Einen Schutz vor Ansteckung hingegen gibt es kaum. Denn die Sporen werden von einem Feld zum anderen durch die Luft übertragen.

Auch Schulze-Wehnincks Erdfrüchte, die er auf insgesamt 20 Hektar anbaut, hatten schon unter dem Pilz zu leiden - wie die der meisten anderen Landwirte vor Ort. "In den letzten 30 Jahren war es nicht so extrem wie jetzt", meint der 40-Jährige.

Mit etwas Glück kann er die Ausbreitung stoppen, in dem er so genannte Fungiziden auf die Knollen sprüht. "Viele Laien verstehen nicht, dass wir spritzen müssen. Täten wir es nicht, hätten wir keine Kartoffeln mehr." Auch vorbeugend bringt der Landwirt die Wirkstoffe auf die Felder auf. Doch zurzeit hilft selbst das nicht mehr. "Bei dieser Witterung bekommt man das einfach nicht in den Griff." Erschwerend kommt hinzu: Der Pilz wird immer aggressiver.

Die Folgen liegen auf der Hand: Höhere Ausgaben für Fungizide, mehr Arbeit beim Pflanzenschutz und weniger Ertrag. "Das große Problem kommt erst noch im Herbst auf uns zu. Dann müssen wir sehen, welche Qualität die Ernte hat. Denn die belasteten Knollen erkennt man zunächst nicht", erklärt Schulze Wehninck. Doch Phytophthora ist nicht das einzige Problem, mit dem Kartoffeln zu kämpfen haben. Auch das Bakterium Erwinia zählt zu ihren Feinden. Sind die Knollen von der so genannten Nassfäule befallen, halten sie sich nicht mehr und sind innerhalb weniger Tage ungenießbar.

Felder nicht befahrbar

Der Blick zum Himmel zeigt: Bernd Schulze Wehninck hat zurzeit noch Glück im Unglück. Denn seine Knollen, aus denen Pommes und Chips hergestellt werden, bleiben zurzeit noch in der Erde. Schwieriger ist es für die Landwirte, die jetzt ihre Speisekartoffeln ernten müssen. Denn die Felder sind aufgrund der extremen Nässe nicht befahrbar. Die Hoffnung aufgegeben hat der Südlohner noch nicht. Die Ernte aller retten kann jetzt nur noch besseres Wetter. kh

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