US-Amerikaner Timothy Sodmann hat von Südlohn aus gewählt

Vor der Wahlnacht

Die ganze Welt schaut in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auf die Präsidentenwahl in den USA. Doch nicht nur jenseits des Atlantiks werden die Kreuzchen für Hillary Clinton oder Donald Trump gemacht. Der Südlohner Timothy Sodmann ist Amerikaner und darf auch wählen. Redakteur Stefan Grothues sprach mit dem 73-Jährigen über die Qual der Wahl.

SÜDLOHN

, 07.11.2016, 15:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
US-Amerikaner Timothy Sodmann hat von Südlohn aus gewählt

Timoty Sodmann hat seine Stimme für die US-Präsidentenwahl bereits abgegeben. Egal wer siegt, ob Hillary Clinton oder Donald Trump, eine Flasche Sekt will er in der Wahlnacht nicht aufmachen.

Hallo Herr Sodmann, ich würde gerne mit Ihnen als Amerikaner über die amerikanische Präsidentenwahl sprechen…

Oh, oh, was soll ich dazu nur sagen …

Sie könnten mir erklären, was "Qual der Wahl" auf amerikanisch heißt.

Da muss ich mal kurz überlegen… "Jump from frying pan into the fire" trifft es vielleicht: Der Sprung aus der heißen Pfanne ins Feuer. Schmerzhaft ist es in jedem Fall. In Deutschland spricht man ja auch von der Wahl zwischen Pest und Cholera. Sollte man soweit gehen? Naja, auf jeden Fall zeigen Trump und Clinton im menschlichen Bereich Schwächen - der eine mehr, der andere weniger.

Dürfen Sie eigentlich den Präsidenten mitwählen?

Ja, ich bin ja noch Amerikaner. (lacht) Und ich wähle auch immer. Bei den letzten beiden Wahlen habe ich auch den Gewinner gezogen.

Und werden Sie auch dieses Mal wählen?

Ja selbstverständlich! Das ist doch eine große Ehre, als Bürger eines freien Landes wählen zu dürfen. Da wäre es doch ziemlich dumm, es nicht zu tun. Ich finde es traurig, dass die Wahlbeteiligung oft so niedrig ist. Anderswo sterben Menschen für ihr Recht, wählen zu dürfen.

Müssen Sie zur Wahl ins Konsulat oder in die Botschaft?

Nein. Weil ich ja immer wähle, bekomme ich frühzeitig per Post die Wahlunterlagen zugeschickt, mit vielen Zetteln, Unterlagen und Umschlägen. Da kann ich ganz einfach per Briefwahl wählen.

Das heißt, sie haben schon gewählt?

Ja, habe ich…

Verraten Sie uns wen?

(lacht) Nein. Es ist ja eine geheime Wahl. Ich kann aber verraten, dass mein Wunschkandidat schon bei den Vorwahlen ausgeschieden ist.

Diskutieren Sie mit anderen Amerikaner über Trump und Clinton?

Hier im Münsterland bin ich als Amerikaner ja einsam auf weiter Flur. Aber in der Familien sprechen wir viel darüber.

Gibt es denn in der Familie große Kontroversen?

Nein, gar nicht! Da gibt es ein ziemlich einheitliches Bild. Ich lebe ja schon über 50 Jahre in Europa. Im tiefsten Kern bleibe ich natürlich Amerikaner. Aber ich schätze die liberalen Anschauungen in Europa, die große politisches Bandbreite, das liberale Klima.

Was passiert, wenn Trump gewinnt?

Die Frage könnte auch heißen: Was passiert, wenn Trump nicht gewinnt? Er hat ja angedeutet, eine Niederlage nicht akzeptieren zu wollen. Was machen dann seine Anhänger? Das wird eine Herausforderung für die Demokratie. Und wenn Donald Trump gewinnt - oh Gott ja - dann muss die Partei ihm Fesseln anlegen. So wie er sich bislang gegeben hat, dürfte er als Präsident nicht weitermachen. Bei Barack Obama ist das ja unter anderen Vorzeichen leider auch gelungen. Im Falle eines Trump-Sieges könnte man sich ja zurücklehnen und das ganze wie ein Schauspiel betrachten, wie Shakespeares Macbeth oder König Lear zum Beispiel. Das ginge aber nur wenn die USA eine Bananenrepublik wären. Noch sind wir aber eine Supermacht. Die Wahl hat weltweit politische Bedeutung.

Aber Donald Trump wird doch nicht gewinnen, oder?

Es gehen ja viele nicht wählen: Weil sie keine Frauen mögen, weil sie keine Reichen mögen, weil sie keine Weißen mögen … Da kann man nichts ausschließen. Das ist unkalkulierbar. Es könnte eine historische Stunde im negativen Sinne werden.

Werden Sie nachts die Hochrechnungen verfolgen?

Ja, solange ich kann. Ob meine Familie wachbleiben wird, weiß ich nicht. Sonst schaue ich mit den Hunden allein Fernsehen. Aber eines weiß ich schon: Ein Flasche Sekt werde ich nicht aufmachen - egal wer gewinnt.

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