Viel Herzblut in die Trachten gesteckt

Tanzgruppe wird 25

Die Brauchtumstanzgruppe blickt auf ihr 25-jähriges Bestehen. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Aber die Mitglieder plagen Nachwuchssorgen.

OEDING

von von Susanne Menzel

, 02.10.2017, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es wäre schade um all die schönen Kleider und Hauben, wenn sie im Schrank verstauben würden: „In der Anfertigung steckt so viel Herzblut drin,“ sagt Elly Benning mit Blick auf die fließenden, seidig-glänzenden und liebevoll bestickten Stoffe, die vor ihr ausgebreitet liegen. Allesamt haben die Frauen – 14 waren es bei der Gründung, 15 sind es heute – die Trachten nach historischen Vorlagen selbst angefertigt. „Das waren viele, viele Stunden Arbeit“, erinnert sich Agnes Westhoff. 1992 sind die Gruppenmitglieder dafür eigens zum Hamaland-Museum gefahren, um die Muster entsprechend in Augenschein zu nehmen.

„Es war eine schöne Zeit“

„Die Hauben wollten wir uns ursprünglich anfertigen lassen. Der Kostenvoranschlag belief sich damals auf 1500 D-Mark. Das Stück. Das war uns zu teuer“, bekräftigt Elly Benning. So griffen die Oedingerinnen selbst zu Nadel und Faden. „Jede hat ihr Werk für sich alleine fertiggestellt, einmal in der Woche haben wir uns dann alle getroffen“, erzählt Agnes Westhoff. Und gegenseitig die kreativen Entwürfe bewundert. Die Schürzenstoffe wurden extra in Bayern bestellt, die restlichen Accessoires in der Umgebung eingekauft.

Gründerin war Mechthild Schulten

Zehn Jahre lang war die Gruppe dann mit der Gründerin Mechthild Schulten aktiv. In der Zeit wurden mit Anne Nienhaus von der Ahauser VHS die ersten Tänze aus den verschiedensten Regionen Deutschlands einstudiert. Zu Geburtstagen und Hochzeiten, aber auch bei Heimatfesten oder in Seniorenheimen traten die Brauchtumstänzerinnen auf. „Selbst grenzüberschreitend waren wir unterwegs. Das war eine schöne Zeit“, schwelgen Elly Benning und Agnes Westhoff in Erinnerungen. Sie haben die Gruppenleitung im Jahr 2000 übernommen - und sie gerne und mit viel Herzblut engagiert ausgeübt. „Wir haben uns lange bemüht, Nachwuchs anzusprechen, der den Brauchtumstanz fortsetzt“, sagen die Frauen. „Doch irgendwie sind wir auf wenig Gegenliebe dabei gestoßen. Das ist eigentlich bedauerlich. Die schönen Kleidungsstücke, die sollten doch auf jeden Fall neue Trägerinnen finden“, haben sie die Hoffnung allerdings noch nicht ganz aufgegeben.

Beim NRW-Tag in Bonn

Am deutlichsten in Erinnerung aus diesen zweieinhalb Jahrzehnten sind Elly Benning und Agnes Westhoff ein Fernsehauftritt 1994 sowie die Teilnahme am NRW-Tag in Bonn mit einem festlichen Umzug in 2011. Inzwischen sind die Tanzeinlagen kaum mehr möglich: „Aus Altersgründen“, wie die Frauen bedauern. „Einige der Mitglieder sind schon über 80 Jahre, da geht das dann alles nicht mehr so flott.“ Nur gelegentlich werden die Trachten noch einmal aus dem Schrank geholt, aufgebügelt und übergestreift: „Wenn eine der Frauen Geburtstag hat und sich unser Erscheinen in voller Montur wünscht. Das ist dann ein Highlight.“

Zu den Gründungsmitgliedern zählen Elly Benning, Josefa Gräwer, Mia Harmeling (verst.), Elfriede Hud-stedde-Rensing (verst.), Hedi Kürpick, Thea Robert, Maria Schmitz, Elsbeth Schötteler, Thekla Terhart, Klara Thesing, Agnes Valtwies, Mathilde Weddeling (verst.) und Agnes Westhoff. 

Elly Benning und Agnes Westhoff würden den Staffelstab der Gruppenleitung gerne an Jüngere weiter geben. „Es mangelt leider an Nachwuchs. Unsere Mitglieder sind zwischen über 60 und Mitte 80 Jahren“, so die Frauen. Treffen ist jeden Montagnachmittag um 14.30 Uhr im Pfarrheim St. Jakobus.

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