Viele Fragen zum Tierschutz und ein Fuchs

Leserhinweis

Wer nicht weiß, wo sie sich befindet, wird sie kaum entdecken: Im Hessinghooker Wald liegt eine so genannte Schliefenanlage, wo Hunde auf die Fuchsjagd trainiert werden. Maria Bancken aus Oeding machte dort Beobachtungen, die sie alarmierten. Sie informierte die Münsterland Zeitung. Jetzt interessiert sich das Kreisveterinäramt für die Anlage: "Da muss einiges geändert werden."

OEDING

, 02.10.2015, 18:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Gelände wirkt verlassen, die Läden an der Blockhütte sind verrammelt, im Glaskasten am Eingang hängt eine Liste mit Terminen aus 2010. Dazu ein vergilbtes Foto eines Rotfuchses und ein Zettel mit dem Namen des Vereins, der die Anlage im Hessinghook betreibt: "Foxterriergruppe Oeding - Westfalen-West e. V.". Dies ist offenbar ein Trainingsgelände für Jagdhunde.

Wer sich am mannshohen Zaun entlang durchs Dickicht schlägt, findet an der Rückseite Leben: In einem eingezäunten Verschlag liegt ein Fuchs. Das Tier wirkt lethargisch, hebt kaum den Kopf, sieht aber unversehrt aus. Ein Auge ist entzündet. Maria Bancken bückt sich. Als sie sich wieder aufrichtet, hält sie einen Schädelknochen in den Händen. Einen von mehreren, die hier längs des Zaunes zu finden sind.

Anlage unbekannt

Bancken und ihre Enkel sind gern im Wald unterwegs. Als sie den Fuchs entdeckten, waren sie erschrocken. Er sei verletzt gewesen, berichtet die Oedingerin. Sie glaubt: "Der wird von den Hunden gebissen. Dann wird er in den Stall gesperrt, und die lassen den sterben." Sie fürchtet, dass der von ihrer Familie beobachtete Fuchs bereits tot ist. "Der wird der nächste." Sie deutet auf das eingesperrte Tier. Gleich neben dem Fuchs im etwa zwei mal zwei Meter großen Verschlag liegen Kadaverreste von Federvieh. Unklar, um welche Tiere es sich handelt, aber das alles liegt offenbar schon länger da, und die Knochenreste scheinen über den Zaun hinweg entsorgt worden zu sein.

Beim Kreisveterinäramt ist die Anlage zunächst unbekannt. Auch, dass der Vorsitzende des Vereins, der die Anlage betreibt, ein Amtskollege des Kreisveterinärs ist, stellt sich erst nach einigem Hin-und-Her heraus: Roland Schulte, Fachbereichsleiter Natur und Umwelt bei der Kreisverwaltung.

Tierschutzgesetz kontra Jagdgesetz

Laut Tierschutzgesetz ist es verboten, "ein Tier an einem anderen lebenden Tier auf Schärfe abzurichten oder zu prüfen" oder "ein Tier auf ein anderes Tier zu hetzen, soweit dies nicht die Grundsätze weidgerechter Jagdausübung erfordern". Kreisveterinär Dr. Manfred Ulrich erklärt, dass hier die Krux liegt. "Wenn das Jagdgesetz sagt, das ist weidgerecht, kann ich nichts tun." Er sei nicht für eine Untersagung der Anlage nach Jagdgesetz zuständig. Und wie das neue Jagdgesetz diesbezüglich zu verstehen ist, wird auch in Gesprächen mit anderen Stellen beim Kreis nicht klar.

Klar sind indes die Vorgaben des Tierschutzgesetzes, wie Ulrich ausführt: "Bei Einzelhaltung muss der Fuchs 20 Quadratmeter zur Verfügung haben", erklärt er. "Dazu gehören Schlafboxen und ein Schutzraum." Auch ein Säugetiergutachten müsse vorliegen. Und: "Die müssen ein Schliefenbuch führen."

Füchse anschauen

Noch am gleichen Tag besucht eine Mitarbeiterin des Kreisveterinäramts die Anlage. "Da muss einiges geändert werden", fasst Ulrich das Ergebnis des Besuchs zusammen, "von der Größe bis zur Gehegestrukturierung." Auch der Fuchs müsse "genau angeguckt" werden. "Wir müssen prüfen, ob der gegen Tollwut geimpft ist."

Eine Genehmigungspflicht für die Anlage gebe es indes nicht.

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