Von wegen Kreismitte

Bericht zur Lage Südlohns

Die Gemeinde Südlohn ist ein beliebter Veranstaltungsort für Treffen auf Kreisebene. Häufigste Begründung: Man trifft sich in der Mitte des Kreises. Ist das aber tatsächlich so? Unser Mitarbeiter Georg Beining hat sich auf die Suche nach der Kreismitte gemacht.

SÜDLOHN

, 07.08.2017, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nicht in Südlohn oder Oeding, sondern in der Stadtlohner Bauerschaft Hordt soll die Kreismitte liegen – geht es nach der Suchfunktion einer amerikanischen Internet-Seite.

Nicht in Südlohn oder Oeding, sondern in der Stadtlohner Bauerschaft Hordt soll die Kreismitte liegen – geht es nach der Suchfunktion einer amerikanischen Internet-Seite.

Egal ob bis vor ein paar Jahren die Versammlungen des landwirtschaftlichen Kreisverbandes im mittlerweile abgerissenen Haus der Vereine, Tierschauen in der Oedinger Jakobihalle oder bei den unterschiedlichsten Tagungen auf Kreisebene: In vielen Grußworten anlässlich solcher Events werden die Teilnehmer ausdrücklich „in der Mitte des Kreises Borken“ begrüßt.

Mehrere Messmethoden

Erste Adresse, um nachzufragen, ob die Gemeinde Südlohn tatsächlich die Mitte des Kreises ist: Das Bauamt der Gemeindeverwaltung. Dort gibt man sich überrascht. Ludger Butenweg gesteht rundheraus: „Dazu haben wir gar nichts.“ Gemeindearchivar Ulrich Söbbing kann auch nichts beisteuern. Der ist in Urlaub. Nächste Anlaufstelle: die Kreisverwaltung in Borken. Markus Wydera ist dort unter anderem zuständig für den Statistik-Atlas des Kreises. Er weiß als gelernter Landvermesser, dass es mehrere Methoden gibt, den Mittelpunkt einer definierten Region zu bestimmen: „Man kann rein zeichnerisch vorgehen und die Extrempunkte des Kreises verbinden – Nord mit Süd und Ost mit West. Und der Schnittpunkt der beiden Linien ist dann die Mitte.“ Dann gibt es noch ein Gravitations-Rechenmodell und die Ausrichtung nach Längen- und Breitengraden. Aber mit der eigenen Mitte habe man sich beim Kreis noch nicht so intensiv beschäftigt. Ob man auch keine neue Diskussion anstoßen möchte?

Selbstversuch

Wikipedia im Internet hilft auch nicht wirklich weiter. Dort steht unter anderem, dass sich fünf Kommunen in Thüringen und Niedersachsen streiten, welche von ihnen Deutschlands Mitte ist. Und dabei hängt es auch wieder von der Messmethode ab. Also hilft nur noch der Selbstversuch – mit allen Ergebnis-Risiken. Per Zufall wird im Internet eine US-Seite gefunden, die so etwas rechnerisch leistet: „Geographic midpoint calculator“. Auf der Seite sind die verschiedenen Messmethoden anwendbar. Es ist ganz einfach: Auf der Homepage erscheint zuerst eine USA-Karte – wovon man sich nicht irritieren lassen sollte. Man kann links daneben Orte eingeben. Orte, die möglichst an den äußersten Rändern des zu bestimmenden Gebiets liegen. Im Osten ist das Schöppingen – die Bauerschaft Tinge, im Norden die Ortsgrenze Gronau/Overdinkel, im Westen die Grenze von Anholt nach Gendringen und im Süden der Grenzweg in Raesfeld-Erle. Die vier kleinen roten Markierungsballons, die dann in der Kreiskarte auftauchen lassen sich per Computermaus sehr präzise nachplatzieren.

Verschiedene Alternativen

In der Mitte des Kreises taucht dann ein blauer Ballon auf. Welche Art von Mitte ist es? Es spielt letztlich keine Rolle: Der „Midpoint-calculator“ bietet drei Alternativen – und bei allen dreien steht es schlecht um die Gemeinde Südlohn als echte Kreismitte. Alternative eins und drei verortet den Mittelpunkt des Kreises nach Stadtlohn, in die Bauerschaft Hordt, etwa 400 Meter südwestlich der Boschstraße. Nummer zwei sieht ihn sogar östlich von Stadtlohn zwischen Almsick und Büren. Südlohn rehabilitieren Falls das stimmt, wird es aber hoffentlich nicht zugleich das Ende der Großveranstaltungs-Tradition in Südlohn und Oeding bedeuten. Und wer glaubt, optimistischere Resultate erzielen zu können, sollte selbst probieren, den Mittelpunkt des Kreises Borken zu ermitteln. Die Münsterland Zeitung ist dankbar für jedes Ergebnis, das Südlohn als Mittelpunkt rehabilitiert und wird es veröffentlichen.

Geodatenatlas

Und: Der Geodatenatlas des Kreises Borken (www.kreis-borken.de/de/kreisregion/geodatenatlas/) rückt die Gemeinde Südlohn auch nicht in die Kreismitte: Nutzt man die Zeichenfunktion in der Kreiskarte und verbindet die Extrempunkte, so schneiden sich die Linien gar erst zwischen Stadtlohn und Legden. Weiterhelfen könnte der Gemeinde Südlohn daher nur, das Kreisgebiet im Südwesten um die niederländische Nachbargemeinde Anholts, Gendringen zu erweitern. Das aber dürfte vermutlich noch weitaus schwieriger werden, als die genannten Lösungsansätze zu akzeptieren.  

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