Vor 110 Jahren wurde Pater Elpidius Markötter in Südlohn geboren. Ein Gedenkstein an der Elpidiusstraße erinnert heute an das Schicksal des Franziskanerpaters.
Franziskanerpater

Vor 110 Jahren geboren: Pater Elpidius Markötter starb im KZ Dachau

Am 8. Oktober 1911 wurde Pater Elpidius Markötter in Südlohn geboren, 1942 starb er im KZ Dachau. Neffe Hermann Schmitz beeindruckt dessen Mut, an einer Haltung gegen Widerstände festzuhalten.

„Sein Lebens- und Glaubenszeugnis ist und war auch für mein Leben sehr prägend und beispielgebend.“ Hermann Schmitz, wohnhaft heute in Bocholt, hat sich intensiv mit dem Leben und Wirken seines Onkels auseinandergesetzt und darüber auch berichtet. Pater Elpidius Markötter starb am 28. Juni 1942 im Konzentrationslager (KZ) Dachau. Am 8. Oktober 1911, exakt heute vor 110 Jahren, wurde der Franziskanerpater als Josef Markötter in Südlohn geboren.

An der Doornte wurde ein Stolperstein verlegt.
An der Doornte wurde ein Stolperstein verlegt. © Markus Gehring © Markus Gehring

Sein Vermächtnis verwaltet nach seinem Tode Neffe Hermann Schmitz. Zusammengetragen und archiviert hat er viele Dokumente auch aus dem Besitz der Familie, die auch heute noch mit Südlohn eng verwurzelt ist. „Pater Elpidius war Priester mit Leib und Seele, ein tief frommer Mensch.“ So charakterisiert der Bocholter seinen Onkel in Grundzügen – prägend sei vor allem seine Überzeugung und Haltung gewesen.

Zur Erinnerung: Nach der Priesterweihe am 26. März 1939 in Paderborn war Pater Elpidius Mitte Januar 1940 zur Ausbildung der Novizen in das Kloster Warendorf versetzt worden. Am 26. Mai 1940 hält er dort in der Klosterkirche die Frühmesse. In seiner Kurzpredigt spricht er über das allumfassende Liebesgebot. „In dieser Predigt hatte er in das Gebot der Nächstenliebe auch Kriegsgegner und Juden eingeschlossen“, merkt Hermann Schmitz an.

Predigt führt Pater ins Konzentrationslager

Eine Jugendliche meldet dies. Daraufhin wird der Pater am 4. Juni 1940 verhaftet, kurz darauf dem Amtsrichter vorgeführt. Angeklagt wird er wegen des Verstoßes gegen das Heimtückegesetz. Er wird nach Münster verlegt.

Am 1. November 1940 tagt in Warendorf das Sondergericht in Sachen Elpidius Markötter. Immer wieder stellt er in dieser Verhandlung seine christliche, moralische Verantwortung in den Vordergrund.

Neffe Hermann Schmitz hat sich intensiv mit dem Leben und Wirken seines Onkels beschäftigt, der für ihn bis heute Vorbild gebend ist.
Neffe Hermann Schmitz hat sich intensiv mit dem Leben und Wirken seines Onkels beschäftigt, der für ihn bis heute Vorbild gebend ist. © privat © privat

„Er verabscheute die Ungerechtigkeit des NS-Regimes und wollte mit seiner Predigt, die ihn dann ins Konzentrationslager geführt hat, die Forderungen des Christentums deutlich machen“, berichtet Hermann Schmitz.

Pater Elpidius wird zwar als freier Mann entlassen, er wird aber wieder von der Gestapo verhaftet. Am 13. Januar 1941 bringt man ihn mit einem Gefangenentransport nach Sachsenhausen bei Oranienburg.

Im September 1941 wird er weiter nach Dachau überstellt. Anfang 1942 erkrankt er schwer. Trotz starker körperlicher Schwächung wird er weiter zum Arbeitsdienst eingeteilt, dabei erleidet er schwere Verletzungen. Am Abend des 28. Juni 1942 stirbt Pater Elpidius Markötter an den Folgen.

„Er hatte eine unbeugsame Haltung und ein großes Gottvertrauen“

Letztlich ist Pater Elpidius die starke und feste Haltung und Überzeugung zum Verhängnis geworden. „Bis zu seinem Tod im KZ Dachau hielt er an seiner Meinung fest und sagte immer wieder, dass er es so gemeint habe, wie er es gesagt hatte“, fasst es Hermann Schmitz in Worte. Wohl wissend um mögliche Konsequenzen.

Grundsätzlich sei Pater Elpidius „ein einfacher und unscheinbarer Mensch“ gewesen, der sehr an seiner Familie hing: „Er hatte eine ganz klare unbeugsame Haltung und ein unendlich großes Gottvertrauen.“

In seinem letzten Brief aus dem Konzentrationslager an seine Eltern drückt Pater Elpidius noch einmal aus, dass er sich nicht entmutigen ließ.
In seinem letzten Brief aus dem Konzentrationslager an seine Eltern drückt Pater Elpidius noch einmal aus, dass er sich nicht entmutigen ließ. © privat © privat

Der Südlohner sei damit auch bis heute ein Vorbild. „Sein Mut ist für mich beispielhaft und lehrt uns, auch gegen Widerstände an dem festzuhalten, wovon man überzeugt ist und was man erreichen möchte“, erklärt Hermann Schmitz. Dass sich Pater Elpidius nicht entmutigen, sondern ermutigen ließ, davon zeuge auch sein letzter Brief, den er aus dem Konzentrationslager kurz vor seinem Tod an seine Eltern gerichtet habe:

Der letzte Brief an seine Eltern

„Liebe Eltern und Geschwister! Mutters lieben Brief vom 4. Juni sowie eure Geldsendung vom 5. dieses Monats habe ich erhalten. Für beides recht herzlichen Dank. Oft und oft lese ich die Zeilen aus der Heimat. Jedes Wort ist wie ein neuer Gruß. Ich bin froh, dass es Euch allen daheim und an der Front bis jetzt gut geht. (…) Man freut sich, dass man sich somit ein Bild vom lieben alten Südlohn machen kann. Hoffentlich sehe ich es bald wieder.

Eine Straße ist nach dem Franziskanerpater aus Südlohn benannt, an dieser ist auch der Gedenkstein aufgestellt.
Eine Straße ist nach dem Franziskanerpater aus Südlohn benannt, an dieser ist auch der Gedenkstein aufgestellt. © Markus Gehring © Markus Gehring

(…) Gottdank bin ich noch gesund und munter, mutvoll trotz allem. Bereits das dritte Jahr der Haft hat begonnen. Doch Gott gibt im täglichen Opfer und täglicher Kommunion erneut Stärke und Kraft zum weiteren Tragen. Mit dankbarem Sohnes- und Brudergruß, Euer Josef.“

Der Leichnam von Pater Elpidius wurde im Dachauer Krematorium eingeäschert, das Grab befindet sich in der Klosteranlage in Warendorf. Neben einem Gedenkstein durch die Nachbarschaft Doornte an der nach ihm benannten Elpidiusstraße in der Nähe seines Elternhauses und einem Stolperstein an der Doornte erinnern auch Dokumente in der St.-Vitus-Kirche an ihn. Dort war Josef Markötter drei Tage nach seiner Geburt getauft worden.

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