Zu wenig Punkte für eine Reha

Krebs-Patientin

lsbeth Doods sollte zur Reha, wollte zur Reha und fuhr auch zur Reha – um am nächsten Tag wieder nach Hause geschickt zu werden. Sei sei „nicht rehafähig“, hieß es.

SÜDLOHN

, 16.09.2014, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Elsbeth Doods ist trotz ihrer Behinderung und selbst nach einer Krebserkrankung ein vitaler Mensch.

Elsbeth Doods ist trotz ihrer Behinderung und selbst nach einer Krebserkrankung ein vitaler Mensch.

1965 entwickelten Florence Mahoney und Dorothea Barthel in Baltimore den Barthel-Index, der mittels eines Punktekatalogs die Pflegebedürftigkeit, bzw. die Selbstständigkeit eines Patienten systematisch erfassen soll.
Die Skala reicht von null Punkte (absolute Pflegebedürftigkeit) bis 100 Punkte (vollkommene Selbstständigkeit) bei Aktivitäten des täglichen Lebens.
Treppensteigen bringt zum Beispiel zehn Punkte, wird dabei Hilfe oder Überwachung benötigt, nur fünf Punkte. Ähnliche Kategorien sind Essen, An- und Auskleiden, Waschen, Baden, Urin- oder Stuhlkontrolle.

Aber der Kostenträger, der für diese Maßnahme aufkommen sollte, die „Arge“ (Arbeitsgemeinschaft für Krebsbekämpfung), die von den gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherungen getragen wird, vermittelt nur Maßnahmen für Patienten mit einem Barthel-Index von mindestens 70 Punkten. Elsbeth Doods bringt das auf die Palme. „Ich fühle mich diskriminiert“, sagt sie. „Ich habe Krebs, ich habe Bestrahlungen bekommen, mir steht eine Anschlussheilbehandlung zu.“ Und die Angebote in der Klinik hätte sie durchaus wahrnehmen können, meint sie. „Nur Schwimmen kann ich nicht.“

Udo Hogrebe, stellvertretender Geschäftsführer der Arge, kann sich nicht erinnern, in 20 Jahren Dienstzeit schon einmal einen solchen Fall erlebt zu haben. Dass da etwas schief gelaufen sein muss, sieht er ein, einen Schuldigen benennen will er indes nicht. Die Kliniken, mit denen die Arge einen Vertrag habe, seien schlicht nicht die richtigen für Patienten wie Frau Doods. „Es gibt auch Kliniken, die entsprechend ausgestattet sind“, sagt er. „Aber das fällt nicht in unser Aufgabengebiet.“ Üblicherweise trete das Akut-Krankenhaus, in dem die Erstbehandlung erfolgt, mit der Vertragsklinik in Kontakt. „Die Mitarbeiter sind geschult“, um abzuklären, ob die versicherungstechnischen Voraussetzungen geklärt sind.“ Im Fall von Frau Doods sei offenbar erst vor Ort vom Chefarzt der Reha-Klinik festgestellt worden, dass das in diesem Fall nicht so war.

Bei der Reha-Klinik Bad Oexen beruft sich man sich auf die „Vorgaben seitens der Kostenträger“. Verwaltungsleiter Michael Grosskurth: „Wir verlassen uns auf die Informationen, die uns vorab vom Akut-Haus oder der Strahlentherapie übermittelt werden“, erklärt er. Über den Einzelfall will er sich nicht äußern. Aber: „Wir behandeln über 5000 Patienten pro Jahr. Mit solch einer Fragestellung haben wir ganz selten Probleme.“ Er glaube, dass es damit zu tun habe, dass die Krankenhäuser generell die Patienten „so schnell wie möglich wieder entlassen“ sagt er mit Hinweis auf „verkürzte Fallpauschalen“.

Aber es nütze ja nichts, „wenn der Patient in einem kaum besseren Zustand wieder entlassen wird als er angereist ist.“ In der Zwischenzeit hat sich Elsbeth Doods Krankenkasse des Falls annehmen müssen. Nach dem Ausfall der Arge ist sie nun als Kostenträger gefragt. „Wir sind schon auf der Suche nach einer entsprechenden Klinik“, erklärte IKK-Pressesprecherin Stefanie Weier. Der hauseigene medizinische Dienst habe die Maßnahme befürwortet, „aber eine geriatrische, keine onkologische“. Wo der Fehler passiert sei, darüber will sie ebenfalls nicht spekulieren. Aber, so Weier: „Wenn die Klinik wusste, dass der Barthel-Index bei 30 liegt, hätte sie sie nicht aufnehmen dürfen.“

Ende gut, und vielleicht doch alles gut: Heute soll Elsbeth Doods ihre Reha-Maßnahme antreten – in einer Nachbarklinik der Klinik Bad Oexen. Ein Stück Skepsis und auch Ärger bleibt indes, denn „die wussten auch nicht, dass ich im Rollstuhl anreise“, erzählt sie kurz vor ihrer Abreise. „Jetzt bin ich gespannt, ob ich das richtige Zimmer bekomme.“ In jedem Fall aber finde sie es „immer noch unmöglich, dass die Arge für mich nicht zahlt.“

1965 entwickelten Florence Mahoney und Dorothea Barthel in Baltimore den Barthel-Index, der mittels eines Punktekatalogs die Pflegebedürftigkeit, bzw. die Selbstständigkeit eines Patienten systematisch erfassen soll.
Die Skala reicht von null Punkte (absolute Pflegebedürftigkeit) bis 100 Punkte (vollkommene Selbstständigkeit) bei Aktivitäten des täglichen Lebens.
Treppensteigen bringt zum Beispiel zehn Punkte, wird dabei Hilfe oder Überwachung benötigt, nur fünf Punkte. Ähnliche Kategorien sind Essen, An- und Auskleiden, Waschen, Baden, Urin- oder Stuhlkontrolle.

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