Kühler Kopf und volle Leistung

3 effektive Strategien gegen Hitze im Büro

Bei Hitze lässt die Leistungsfähigkeit merklich nach, genauso wie die Konzentration. Mit diesen Strategien bewahren Sie während der Arbeit auch an heißen Sommertagen einen kühlen Kopf.
Eine Frau sitzt im Büro und wedelt sich mit einem Fächer Luft zu
Die Leistungsfähigkeit kann bei hohen Temperaturen leiden. © picture alliance/dpa/dpa-tmn

Nicht jeder leidet gleichermaßen unter warmen Temperaturen. Doch so richtig durchpowern fällt den meisten bei Hitze schwer. Insbesondere, wenn es über Tage heiß ist.

Warme Temperaturen sind für den Körper belastend. Die Blutgefäße weiten sich, dadurch kann der Blutdruck sinken. Das wirkt sich auf den Kreislauf aus, aber auch auf das Gehirn – es bekommt womöglich weniger Sauerstoff.

„Das macht uns müde und dadurch lassen Leistung und Konzentration nach“, erklärt Utz Niklas Walter, Leiter des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG).

Damit Sie im Büro auch bei Hitze leistungsfähig und erfolgreich bleiben, sollten Sie diese drei Strategien kennen – und Ihre rechtliche Lage als Arbeitnehmer.

Strategie 1: Pausen machen – das Gehirn tut das auch

Regelmäßige Pausen sind für die Konzentration wichtig. „Ein wenig moderate Bewegung an der frischen Luft im Schatten kann gut tun“, sagt Walter.

Oder Sie wählen die umgekehrte Variante, den Power Nap, ein kurzes Schläfchen von rund 15 Minuten. „Das funktioniert allerdings nur in einem kühleren Raum“, erklärt Walter.

Bei mittleren Temperaturen schlafen wir besser als bei hohen. Eine Zimmertemperatur von 16 bis 18 Grad Celsius ist hier der Maßstab – sofern sich der Raum so kühl halten lässt.

Zwei Frauen sitzen im Sommer an einem Brunnen
Wichtig für die Konzentration: kleine Pausen an kühlen Orten. © picture alliance/dpa

Übrigens: Seit der Pandemie haben viele Unternehmen auf mobiles Arbeiten umgestellt. Flexible Arbeitszeiten wie zum Beispiel Gleitzeit sind verbreiteter.

Das Gute daran: Viele Menschen können ihren Arbeitstag zu Hause freier gestalten und sich Pausen freier einteilen. Ein kurzer Power Nap ist am heimischen Arbeitsplatz leichter möglich als im Büro.

Strategie 2: Die Kleiderordnung lockern

Gilt im Büro eine strenge Kleiderordnung, kann das Arbeiten im Sommer zur Herausforderung werden. Unter Sakko, Schlips und Kragen oder Nylonstrümpfen staut sich oft die Wärme.

Erleichterung bringt lockere, luftige Kleidung, da diese den Effekt der Verdunstungskälte begünstigt, der durchs Schwitzen entsteht.

Wer nicht im Homeoffice arbeitet, in dem heiße Sommertage meistens entspannter zu ertragen sind, sondern ins Büro muss, sollte seine Vorgesetzten um eine Lockerung der Kleiderordnung bitten.

Jörg Feldmann von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) rät: Vor dem offenen Hemd ein offenes Wort. Meist treffen Mitarbeiter damit heutzutage auf ein offenes Ohr.

Ob eine kurze Hose erlaubt ist, sollten Arbeitnehmer am besten vorher erfragen – auch wenn sie zu Hause arbeiten. Viele denken zwar, in Videokonferenzen sei bloß der Oberkörper sichtbar. Doch es können sich spontan Situationen ergeben, in denen Mitarbeiter während eines Meetings aufstehen müssen. Dann sieht man auch die Beine.

Strategie 3: Für Abkühlung sorgen

In vielen Büros surren an warmen Tagen die Ventilatoren. Darüber hinaus gibt es noch weitere Dinge, die Ihnen einen heißen Sommertag am Schreibtisch erträglicher machen:

Wasser marsch: Liegen feuchte Tücher oder ein Wasserzerstäuber griffbereit, können Sie damit zwischendurch Arme und Gesicht benetzen. Das bringt zusätzliche Verdunstungskälte.

Tipp für Zuhause: Die BAUA empfiehlt Fußbäder als Kühlungsmethode, allerdings nicht mit eiskaltem, sondern kühlem bis lauwarmem Wasser. Das kurbelt die Durchblutung an, wodurch Wärme in die Füße schießt.

Tipp für unterwegs: Wem ein Fußbad zu aufwendig ist, lässt sich hin und wieder kaltes Wasser über die Handgelenke laufen. Dafür reicht kaltes Wasser, wie es aus dem Hahn kommt. Eiskalt muss nicht sein.

Lüften: Was zu Hause gilt, ist im Büro nicht anders. Lüften Sie am besten am frühen Morgen oder späteren Abend, wenn es draußen kühl ist. Das empfiehlt auch Utz Niklas Walter vom IFBG. Tagsüber sollten Sie die Wärme nach Möglichkeit nicht in die Räume lassen.

Allerdings: Sitzen mehrere Menschen in einem Raum, kann die Luft bis zum Mittag verbraucht sein. Dann fehlt oft der Sauerstoff – und Sauerstoffmangel wiederum mindert die Produktivität.

Klimaanlagen: Auch mobile Klimaanlagen sind bei der Arbeit hilfreich. Wichtig dabei: „Die Differenz zwischen der Außen- und der Innentemperatur darf nicht zu groß sein, sonst kann es zu einem Hitzeschock kommen, wenn die Leute nach draußen gehen. Wir empfehlen einen Unterschied von nicht mehr als sechs Grad“, sagt Jörg Feldmann. Dann muss auch keiner im Büro frieren.

Wärmequellen reduzieren: Manchmal stehen im Umfeld des Arbeitsplatzes elektronische Geräte, die viel Wärme produzieren – beispielsweise Drucker oder Kopierer. Dann ist es ratsam, die Geräte möglichst kurz zu nutzen und sie sonst auszuschalten. So können Sie zusätzliche Wärme vermeiden. Das gilt für das heimische Arbeitszimmer genauso wie für das Büro.

Angemessen essen und trinken: Es ist hilfreich, genügend zu trinken und die Flüssigkeitszufuhr über die Nahrung zusätzlich zu steigern, etwa mit Obst und Salat. Deftiges Essen belastet den Körper, darauf also besser verzichten.

Vorsicht: Zu schnelles Trinken, zu viel Flüssigkeit auf einmal oder zu kalte Getränke können zu Beschwerden im Magen-Darm-Trakt führen, erklärt die Verbraucherzentrale Bremen.

Eine Frau sitzt mit nackten Füßen im Büro an einem Schreibtisch
An heißen Tagen muss man es sich im Büro erträglich machen. © Christin Klose/dpa-tmn

Damit Sie regelmäßig über den Tag verteilt genug trinken, können ein Trinkplan oder kostenlose Trink-Apps helfen. Eine exemplarische Vorlage für einen Trinkplan bietet die Verbraucherzentrale Bremen.

Hitze im Büro: Was darf ein Arbeitnehmer fordern?

Arbeit unter erschwerten Hitzebedingungen ist gesetzlich geregelt – und zwar im Arbeitsschutzgesetz und in der Arbeitsstättenverordnung, die durch die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) konkretisiert werden.

So gibt es zwar konkrete Vorgaben zur Raumtemperatur, wenn das Außenthermometer auf über 26 Grad Celsius klettert. Steigt trotz Sonnenschutz auch die Raumtemperatur über 26 Grad, sollte der Arbeitgeber klären, ob er Maßnahmen ergreifen muss – beispielsweise weil körperlich schwer gearbeitet wird oder Jugendliche oder schutzbedürftige Personengruppen etwa Schwangere betroffen sind. Ab 30 Grad Raumtemperatur muss der Arbeitgeber reagieren.

Dazu hat die ASR einige Vorschläge:

Getränke anbieten

Arbeitszeiten verlegen

für Verschattung sorgen

direkte Sonneneinstrahlung durch Rollos mindern

Ventilatoren zur Verfügung stellen

Obwohl die ASR besagt, dass ein Arbeitsraum bei Temperaturen von mehr als 35 Grad nicht mehr geeignet ist, dürfen Arbeitnehmer nicht einfach nach Hause gehen. Sie riskieren sonst eine Abmahnung.

„Einen Anspruch auf „hitzefrei“ wie in der Schule gibt es am Arbeitsplatz nicht“, erklärt Feldmann. Der Arbeitgeber kann etwa Abkühlungspausen oder technische Maßnahmen anbieten.

Allerdings gilt: Laut der Industrie- und Handelskammer München besteht für den Arbeitgeber generell keine Verpflichtung, Klimaanlagen zu installieren. Auch sonst sei es Sache des Arbeitgebers, wie er mit Temperaturen ab 30 Grad umgehe.

Gut zu wissen: Es lohnt sich, das Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen. „Es ist die Frage, ob gewisse Dinge und Abläufe gegebenenfalls anders organisiert werden können, ob es vielleicht besser ist, von zu Hause aus zu arbeiten, weil es dort kühler ist – am Ende ist alles eine Frage des Aushandelns“, sagt Jörg Feldmann.

Fazit: Arbeitgeber und Beschäftigte müssten im gegenseitigen Einvernehmen geeignete Maßnahmen festlegen, um gemeinsam möglichst gut durch die heißen Sommertage zu kommen. Dem stimmt auch Fachanwalt Bredereck zu: „Einvernehmlich geht alles.“

dpa

urn:newsml:dpa.com:20090101:211116-99-16366/43

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