Unser Autor flog alleine in den Urlaub - und lernte dabei wichtige Lektionen. © David Döring
Reisen

Alleine in den Urlaub: Tag zwei war furchtbar und ließ mich fast zurückfliegen

Kein Freund hat Zeit, niemand kann spontan mit. Was macht man dann? Einfach alleine in den Urlaub fahren. Da tat unser Autor und machte eine aufregende Erfahrung, die ihn viel Überwindung kostete.

Am Ende des Tages saß ich da. Auf einem kleinen Vorsprung, das Wellenrauschen im Ohr, eine warme Luftbrise, die durch mein Shirt zwirbelte. Statt Entspannung und aufregenden Urlaubsgefühlen fühlte ich nur Einsamkeit und Heimweh in diesen Momenten.

„Kann ich wohl eher zurück nach Hause fahren?“, fragte ich mich. Warum erlebe ich gerade keine Glücksgefühle? Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich mir diese Fragen beantworten konnte.

Kein Glück in der WG

Einen Tag zuvor kam ich mittags in Bari an. Ganz tief in Süditalien, direkt am Meer. Wenig Touristen aus anderen Ländern, sondern vor allem italienische Touristen, die sich hier tummelten. Ich reiste alleine nach Italien, buchte lediglich Hin- und Rückflug und die erste Unterkunft in der Metropole mit historischem Charme für drei Tage. Eine Wohngemeinschaft mit zwei Mitbewohnern.

In der Hoffnung, dort würde ich jemanden kennenlernen, um mal was zu unternehmen. Leider hatte ich dort kein Glück, die Reisenden dort hatten bereits andere Pläne. Ich selbst machte mich an Tag eins voller Überzeugung auf den Weg nach meiner Ankunft. Lediglich mit einem Rucksack ausgestattet: ganz viel Neues kennenlernen, Kultur sehen, Menschen treffen.

Mehr hatte der Autor nicht dabei: Mein Reiserucksack und ich im wunderschönen Alberobello, welches bekannt ist für seine Zipfelmützen-Häuser. Fotografiert von einer Touristin.
Mehr hatte der Autor nicht dabei: Mein Reiserucksack und ich im wunderschönen Alberobello, welches bekannt ist für seine Zipfelmützen-Häuser. Fotografiert von einer Touristin. © David Döring © David Döring

Warum alleine? Niemand anders hatte Zeit. Meine Freundin stecke in einer Klausurenphase, im direkten Freundeskreis waren viele bereits verreist oder hatten erst später Urlaub. Meine Lösung? Einfach alleine losziehen. Vier Monate arbeitete ich davor am Stück, Urlaub hatte ich ganz dringend nötig und mein präferiertes Ziel war Italien. Weil ich dort noch nie war und ich das Land entdecken und die Sonne genießen wollte. Der Sommer neigt sich in Deutschland ja so langsam dem Ende entgegen.

Und nun saß ich da. Am zweiten Tag meiner Reise wäre ich am liebsten schon wieder zurückgefahren. Ich habe anderthalb Tage lang Bari erkundet. Durch die Altstadt geschlendert, Kathedralen besichtigt, in Bars leckeren Aperol Spritz getrunken sowie fantastische Paste und Focaccia gegessen. Doch in dieser Zeit habe ich kaum mit jemanden gesprochen, lediglich bei Bestellungen mit Gastronomie-Personal.

Englisch sprachen die wenigsten, ich kein Italienisch. Eine bittere Kombination. Und nun saß ich da am zweiten Tag und wäre am liebsten schon wieder gefahren. Ich sehnte mich vor allem nach Gesprächen, nach etwas Austausch und gemeinsamen Erlebnissen.

Es blieben mir zwei Optionen: Einen früheren Rückflug heraussuchen oder aus meinem Privileg, 1400 Kilometer entfernt in der Sonne zu sein, das Beste zu machen.

Eine Reise wie im Rausch

Ich entschied mich glücklicherweise für die zweite Option und überdachte meine vorher getroffenen Entscheidungen. Eigentlich sollte alles immer spontan erfolgen. Einfach schauen, wo man hinreist, einfach mal schauen, was man unternimmt und wen man trifft. Es kann schon sein, dass es Leute gibt, die so gut zurechtkommen, für mich war das nichts.

Die nächsten Tage plante ich etwas akribischer. Ich suchte mir Hostels und Übernachtungsmöglichkeiten, wo ich mit Menschen mehr in Kontakt kam. Ich nahm Hobbys in meinen Reise-Alltag mit auf, hörte unterwegs Podcasts (zuvor hatte ich mir keine heruntergeladen, ein großer Fehler!), beschäftigte mich mit Fotografie und hab mir Bücher gekauft, die ich auf dem Smartphone lesen konnte, weil keins in meinem Reiserucksack passte.

Anderthalb Wochen vergingen danach wie im Rausch. Ich lernte Leute aus Italien, den USA, Spanien, Slowenien, Frankreich, der Schweiz, Österreich und Deutschland kennen, machte den einen Tag eine Boots-Tour mit, den anderen mietete ich einen Roller und erkundete die Umgebung. Dabei erlebte ich sogar eine illegal organisierte Party von spanischen Austauschstudenten auf einem Parkplatz-Dach.

Meine Reise ging durch neun Städte, bis zum beinah südlichsten Punkt Italiens in Otranto. Etwas Italienisch konnte ich nebenbei auch lernen, um im Alltag etwas besser klarzukommen. Im Nachhinein blicke ich mit einem Lachen auf den Abend am zweiten Tag zurück. Ohne diesen hätte ich all das nicht erlebt und die Einsamkeit, diese mentale Herausforderung nicht überwunden.

Der nächste Solo-Urlaub, sollte es wieder zu so einer Situation kommen, wird auf jeden Fall in Angriff genommen. Nur eins wird dann anders sein: Etwas mehr Planung gehört zum alleine Reisen dazu, damit es solch einen Abend nicht noch mal gibt.

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Über den Autor
Seit 2017 im Einsatz für Lensing Media. Immer auf der Suche nach Hintergründen, spannenden Themen und Geschichten von Menschen.
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David Nicolas Döring