Entführung und Mord

Entführer des Heineken-Chefs: „Die Nase“ bleibt lebenslang in Haft

Er entführte einst den Heineken-Chef und ließ Konkurrenten ermorden: der Bekanntester Gangster Hollands Willem Holleeder. Überführt hatten ihn seine Schwestern. Jetzt wurde sein Urteil bestätigt.
Die Staatsanwälte Sabine Tammes und Lars Stempher (2.v.l) sowie der Vorsitzende Frank Wieland (2.v.r) des Gerichts sitzen vor dem Urteil im Strafverfahren gegen Holleeder im Verhandlungsraum.
Der bekannte Verbrecher Willem Holleeder bleibt lebenslang in Haft. © picture alliance/dpa/ANP

Einer der berüchtigtsten Verbrecher der Niederlande ist erneut zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Berufungsgericht verhängte am Freitag in Amsterdam die Höchststrafe gegen den einstigen Entführer von Bierbrauer Heineken, Willem Holleeder (64). Bereits 2019 war er in erster Instanz zu lebenslanger Haft verurteilt worden für fünf Auftragsmorde und einen Fall von Totschlag von 2003 bis 2006.

Der Amsterdamer hatte Konkurrenten der Unterwelt ermorden lassen und war von Zeugen schwer belastet worden, vor allem von seinen beiden Schwestern Astrid und Sonja. Sie hatten Jahre lang Gespräche mit ihm heimlich aufgezeichnet und die Bänder der Staatsanwaltschaft übergeben. Astrid Holleeder hatte darüber internationale Bestseller geschrieben.

Herrschende Figur im organisierten Verbrechen

Die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert und darauf verwiesen, dass es keine direkten Beweise gebe. Doch für die Richter war die Beweislage klar. Holleeder habe „gewissenlos über Leben und Tod entschieden“ aus Geld- und Machtgier.

Mehr als 35 Jahre lang war Holleeder die herrschende Figur im organisierten Verbrechen. 1983 hatte er den Biermagnaten Freddy Heineken entführt, darüber waren sogar Hollywood-Filme gedreht worden. Nach der verbüßten Haftstrafe wegen der Heineken-Entführung baute er sich mit einem Teil des Lösegeldes ein Imperium auf: Erpressung, Prostitution, Glücksspiel.

Berühmten Reporter Peter R. de Vries bedroht

Holleeder war zuvor auch wegen der Bedrohung des Kriminal-Reporters Peter R. de Vries verurteilt worden. Dieser war im vergangenen Jahr vermutlich im Auftrag einer Drogenbande erschossen worden.

Der Mann, der wegen seines großen Riechorgans auch „die Nase“ genannt wird, kann nun noch das höchste Gericht anrufen und Revision beantragen. Eine lebenslange Haftstrafe dauert in den Niederlanden mindestens 25 Jahre.

RND/dpa

Der Artikel "Entführer des Heineken-Chefs: „Die Nase“ bleibt lebenslang in Haft" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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