Der Titanic-Untergang vor 110 Jahren: Die Nacht, in der alles schief ging

ARCHIV - Am 14. April 1912, nur vier Tage nach dem die «Titanic» in See gestochen war, kollidierte das Schiff mit einem Eisberg und sank. Foto: EPA/dpa © EPA/dpa
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Die Nacht ist sternenklar. Mit nahezu Volldampf fährt die Titanic durch den Nordatlantik. Plötzlich kommt direkt voraus ein riesiger Eisberg in Sicht! „Hart Steuerbord“, lautet noch das Kommando von der Brücke. Doch zum Abdrehen ist es zu spät. Das Schiff kann nicht mehr ausweichen und knallt mit dem Eisberg zusammen.

„Die meisten Passagiere haben von der Kollision gar nichts mitbekommen. Es gab keinen gewaltigen Rumms, so wie man sich das vielleicht vorstellt. Nur ein leichtes Vibrieren“, erzählt Malte Fiebing-Petersen. Er ist Chef des Deutschen Titanic-Vereins und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Unglück.

Die Passagiere fühlen sich also sicher. Doch den Verantwortlichen wird schnell klar: Das Schiff ist schwer beschädigt und wird untergehen. Riesige Mengen Wasser dringen ein und ziehen die Titanic in die Tiefe. Etwa drei Stunden nach dem Zusammenstoß ist das größte und modernste Passagierschiff seiner Zeit gesunken.

Tennisplatz, Schwimmbecken und prächtiger Speisesaal

Für die Titanic war es die erste Fahrt. Von Großbritannien aus sollte es über den Atlantischen Ozean gehen. Das Ziel: der Hafen von New York, in den Vereinigten Staaten von Amerika.

In der ersten Klasse tummeln sich die reichen Leute. Für sie gibt es einen prächtigen Speisesaal, eine Art Tennisplatz, sogar ein beheiztes Schwimmbecken. In den unteren Decks sind viele arme Auswanderer untergebracht. Sie hoffen auf ein besseres Leben in Amerika.

Bis heute rätseln Fachleute, ob man den Untergang hätte verhindern können. Denn die Titanic war vor Eisbergen gewarnt worden. Tatsächlich änderte das Schiff mehrmals seinen Kurs Richtung Süden. „So hoffte man, den Eisbergen auszuweichen“, erklärt der Fachmann.

„Man dachte, wenn man schnell fährt….“

Andere Schiffe hielten in dieser Nacht jedoch lieber an und warteten ab. Der Kapitän der Titanic ließ das Schiff mit Volldampf weiterfahren. Was damals aber wohl gar nicht so ungewöhnlich war, meint Malte Fiebing-Petersen: „Man dachte, wenn man schnell fährt, kommt man auch schnell aus dem Gefahrenbereich. Das würde man heute natürlich nicht mehr so machen.“

Etwa 1500 Menschen kamen beim Untergang der Titanic ums Leben. Das lag vor allem auch daran, dass zu wenig Rettungsboote an Bord waren. Vorgeschrieben waren damals für so große Schiffe nur 16 Stück. Die Titanic hatte sogar vier Boote mehr. Aber die reichten trotzdem nicht für alle Leute. Nur etwa 700 Menschen überlebten.

Aus dem Unglück gelernt

Daher gehört dieses Unglück auch zu den schlimmsten Schiffskatastrophen der Geschichte. Doch man hat daraus gelernt und die Sicherheit auf Schiffen erhöht. Heute gibt es für alle Menschen an Bord zum Beispiel Schwimmwesten und einen Platz im Rettungsboot.

dpa