Coronavirus

Die Boosterimpfung: Darf die dritte Dosis ein anderer Corona-Impfstoff sein?

Die Stiko hat eine Empfehlung zu Impf-Auffrischungen veröffentlicht. Wer sollte eine dritte Dosis erhalten? Welcher Impfstoff kann verabreicht werden? Fünf Fragen und Antworten zur Boosterimpfung.
Eine Boosterimpfung kann den Immunschutz gegen Covid-19 erhöhen. © picture alliance/dpa

Frühestens sechs Monate nach vollständiger Erstimpfung gegen Covid-19 ist eine Impfauffrischung möglich. Das empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko). Und zwar „unabhängig davon, welcher Impfstoff zuvor verwendet wurde“. Ob nun mit Astrazeneca, Biontech, Moderna, Johnson & Johnson: Die dritte Dosis soll dann ein bereits zugelassener mRNA-Impfstoff sein. Nur: Ist es ausreichend wirksam und sicher, einen anderen Impfstoff als bei der Grundimmunisierung zu bekommen? Und wem wird inzwischen überhaupt ein Impf-Booster empfohlen – und wem eben nicht? Ein Überblick.

1. Wieso braucht es eine Impf-Auffrischung?

Als die Impfstoffe gegen Covid-19 vor rund zehn Monaten zugelassen wurden, galten sie als hochwirksam, effektiv und sicher. Das stimmt auch heute noch. Die Impfung ist die beste Prophylaxe, um schweres Covid-19 zu verhindern. Aber Forschende wissen inzwischen auch, dass die das Ursprungsvirus verdrängt habende Delta-Variante den eigentlich erwarteten Schutz vor Infektion mindert. Die Immunantwort fällt auch bei manchen Menschen wegen Immunschwäche geringer aus. Und die Zahl neutralisierender Antikörper kann mit der Zeit abnehmen – und damit womöglich auch der Schutz vor Krankheit.

Das Gute: Es gibt eine Lösung für diese Probleme – die dritte Impfdosis. Sie regt die Immunantwort erneut an und garantiert einen noch besseren Schutz, ohne dass sie krank macht wie eine Infektion mit Sars-CoV-2. Das ist vor allem für diejenigen wichtig, die trotz Impfung anfällig bleiben für einen schwereren Covid-19-Verlauf. Weltweit haben Länder bereits mit den Auffrischungen begonnen. Allerdings auf unterschiedliche Weise: Während Israel beispielsweise grundsätzlich allen ab 12 Jahren eine Auffrischung rät, nimmt Frankreich vorerst nur ältere Menschen mit Risikofaktoren in den Blick.

2. Wem wird die dritte Dosis empfohlen?

Auch die Ständige Impfkommission in Deutschland nimmt vorerst besonders Gefährdete in den Blick. Sie empfiehlt folgenden Gruppen seit Anfang Oktober eine Auffrischung:

  • über 70-Jährigen
  • Menschen mit Immundefizienz, also einer Abwehrschwäche, und deren engen Kontaktpersonen. Mit einer relevanten Einschränkung der Immunantwort gehen beispielsweise Immundefekte, Organ- und Stammzelltransplantationen, Krebs und HIV einher.
  • Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen
  • Personal von Pflege- und medizinischen Einrichtungen

Für das weitere Vorgehen sollte man Kontakt mit dem Hausarzt oder der Hausärztin aufnehmen. Wer zu dieser Gruppe gehört, aber sich vor oder nach der Impfung mit Corona infiziert hat, also labordiagnostisch gesichert auch als Genesener gilt, benötigt laut Stiko hingegen keine Auffrischimpfung. Eine Reihe von Studien hat inzwischen gezeigt, dass gleichzeitig Genesene und Geimpfte im Besonderen in der Lage sind, Varianten von Sars-CoV-2 effizient zu neutralisieren. Es sei aber nicht notwendig, vor der dritten Dosis eine akut asymptomatische oder unerkannt durchgemachte Infektion labordiagnostisch auszuschließen.

3. Kann mit einem anderem Impfstoff als bei der Grundimmunisierung aufgefrischt werden?

Die Stiko sagt: Für die Auffrischimpfung soll möglichst der mRNA-Impfstoff benutzt werden, der bei der Grundimmunisierung zur Anwendung gekommen ist. Das nennen Fachleute homologes Impfschema. Ist das Vakzin aber nicht verfügbar, kann auch der jeweils andere mRNA-Impfstoff eingesetzt werden. Wer mit Biontech vollständig geimpft wurde, kann also auch mit Moderna eine Auffrischung erhalten. Ähnlich sieht es bei den Vektorimpfstoffen aus: Wer vollständig mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft ist, erhält als Auffrischung trotzdem einen mRNA-Impfstoff. Fachleute nennen diesen Mix dann heterologe Immunisierung: wenn also Impfstoffe mit verschiedenen dahinter liegenden Technologien verabreicht werden.

Erste Daten aus klinischen Studien zeigen, dass sowohl das homologe wie das heterologe Impfschema auch bei der Auffrischung sicher, verträglich und wirksam ist. Zu diesem Ergebnis kam jüngst auch das National Institute of Health (NIH) in den USA. In seinem Mitte Oktober auf dem Preprint-Server „medrxiv“ veröffentlichten Report fassen die Autorinnen und Autoren zusammen, dass bei 458 untersuchten Personen mit ganz unterschiedlichem Impfschema bei der dritten Dosis ähnliche und erwartbare Impfreaktionen auftraten: also beispielsweise Schmerzen an der Einstichstelle, Unwohlsein, Kopfschmerzen. Auch die Antikörpertiter konnten bei allen Kombinationen erhöht werden – bei einem heterologen Boost sogar etwas mehr als beim homologen.

4. Wird allen mit Johnson & Johnson Geimpften eine zweite Dosis empfohlen?

Beim Vakzin von Johnson & Johnson gilt eine einmalige Dosis als ausreichend, um als vollständig geimpfte Person zu gelten – und beispielsweise von der Testpflicht ausgenommen zu werden. Trotzdem empfiehlt die Stiko, dass sich alle Menschen, die den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten haben, ein weiteres Mal impfen lassen sollten. So lasse sich der Impfschutz optimieren. Denn unter den mit diesem Vakzin Geimpften sind verhältnismäßig viele Impf­durchbrüche aufgetreten, es schützt weniger gut als die Mittel von Biontech, Moderna und Astrazenca.

Die Auffrischung kann auch schon vier Wochen nach der Grund­immunisierung passieren – ebenfalls mit einer Dosis von Biontech oder Moderna. Dass sich die Stiko nicht für eine zweite Dosis mit dem Mittel von Johnson & Johnson ausspricht, begründet sie damit, dass noch keine publizierten Originalarbeiten zu diesem Impfschema vorliegen.

Lägen die Daten vor und würden vom Gremium positiv bewertet, könne so ein homologes Impfschema acht Wochen nach Erstimpfung erfolgen. Wer sich nach der Impfung nachgewiesenermaßen infiziert hat, braucht keine zweite Dosis.

5. Wann kommen die Impfstoffe der nächsten Generation?

Da Corona bleiben wird und sich in Form von Varianten weiter verändert, tüfteln die größeren Pharmaunternehmen wie Biontech, Moderna und Astrazeneca insbesondere daran, mit Impfstoffen der zweiten Generation einen guten und möglichst langfristigen Schutz vor Mutationen zu bieten. Kleinere Unternehmen und Forschungsgruppen entwickeln zudem spezifische Ansätze. Etwa, um immungeschwächten Menschen zu helfen, die keinen soliden Immunschutz mit den bisherigen Vakzinen aufbauen können. Oder auch, um neben dem Schutz vor Erkrankung auch die Infektion an sich im Körper per Impfung restlos zu verhindern.

Zugelassen ist bislang aber noch kein solches Vakzin. Die Hersteller und Forschenden arbeiten daran noch im Labor, manche auch in klinischen Studien. Die Ergebnisse müssen also vorerst noch abgewartet – und von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) begutachtet werden.

RND

Der Artikel "Die Boosterimpfung: Darf die dritte Dosis ein anderer Corona-Impfstoff sein?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland