Dürre in den Niederlanden: Eine Million Häuser könnten absacken

Redakteur
Blick von oben auf Häuser in einer kleinen Siedlung in den Niederlanden.
Hunderttausende Häuser in den Niederlanden drohen erheblich Schäden durch absinkende Fundamente. (Symbolbild) © picture alliance / dpa-tmn
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Anhaltende Dürre und ausbleibende Regenfälle machen auch den Niederlanden zu schaffen. Der Grundwasserpegel sinkt drastisch ab, fast überall im Land mehr als 20 Zentimeter unter dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau. Dadurch droht bis zu eine Million Häusern die Gefahr zu versinken. Betroffen ist auch die Grenzregion zu Deutschland.

Seit Anfang August herrscht im westlichen Nachbarland Deutschlands offiziell Wassermangel. Die Regierung hat einen Wasser-Notfallplan in Gang gesetzt. Künftig soll ein zentrales Krisenteam die Wasservorräte verteilen. Dabei habe die Sicherheit der Deiche und Naturschutz Priorität, teilte das zuständige Ministerium Anfang des Monats mit. Wenn die Trockenheit weiter anhalte, würden einschneidende Maßnahmen ergriffen. Ausreichend Trinkwasser werde es aber geben, versicherte der Minister für Infrastruktur und Wasserwirtschaft, Mark Harbers.

Hausboote liegen in einem fast ausgetrocknetem Flussbett eines Seitenkanals der Waal.
Hausboote liegen in einem fast ausgetrocknetem Flussbett eines Seitenkanals der Waal. © picture alliance/dpa/AP

Dafür zieht die Trockenheit nun ein anderes Problem nach sich, vor allem für Hausbesitzer. Zahlreiche Häuser könnten absinken mit in Folge starken Schäden am Gebäude. Betroffen sind vor allem die westlichen Regionen, wie beispielsweise Nordfriesland und Groningen. Gefahren drohen aber auch in der Grenzregion zu Deutschland wie in der Gemeinde Zevenaar oder in Großstädten wie Arnheim.

Am anfälligsten sind Häuser, die vor 1980 gebaut worden sind. Das liegt an der speziellen Bauweise, die an den landschaftlichen Gegebenheiten angepasst worden ist. So stehen die Bauten aus den betroffenen Regionen oft auf Holzpfählen oder auf Torf – und nicht auf Betonpfählen oder einem Betonfundament.

Absinkenden Häusern drohen erhebliche Schäden

Wenn diese älteren Holzpfähle unter Wasser stehen, gibt es kein Problem. „Aber wenn der Grundwasserspiegel wegen der Trockenheit sinkt, steigen die Pfähle über das Wasser und beginnen zu faulen“, erklärt Geohydrologe Maarten Kuiper dem öffentlich-rechtlichen Sender „NOS“. Die Torf- oder Lehmfundamente drohen bei sinkenden Grundwasserspiegeln abzusinken – und damit auch die Häuser.

Sinken die betroffenen Häuser ab – Kuiper rechnet mit Hunderttausenden, bis zu einer Million – drohen erhebliche Schäden. Es entstehen Risse an den Wänden und Decken, Kacheln fallen weg, die Häuser versinken teilweise mehrere Zentimeter im Boden. Im Sommer 2018 konnte man das Problem in den Niederlanden bereits beobachten.

Als eine Ursache für die derzeit stark gesunkenen Grundwasserspiegel nennt Geohydrologe Kuiper im Bericht des NOS die Landwirtschaft. Demnach würde im Winter von den Bauern zu viel Wasser abgepumpt werden. Wasser, das dann im Sommer fehlt. Dadurch würde das Land noch trockener, als es angesichts der aktuellen Klimaentwicklungen sowieso schon wäre.

Daher sei es wichtig Wasser zu sparen. „Viel Wasser wird jetzt als Trinkwasser, für die Landwirtschaft und für die Industrie verwendet. Wir müssen es sparsamer nutzen. Am Ende schöpfen wir alle aus dem gleichen Vorrat, der immer kleiner wird“, so Kuiper.

Bis zu 80.000 Euro könnten auf Hausbesitzer zukommen

Und was ist mit den Häusern, die bereits jetzt Schaden nehmen könnten? Auf Hausbesitzer in den betroffenen Gebieten dürften hohe Kosten zukommen. Um das Fundament zu ersetzen oder zu verstärken, können zwischen 50.000 und 80.000 Euro fällig werden.

Das Problem: Gegen Schäden im Fundament, die durch die Dürre entstehen, gibt es keine Versicherung. Nur gegen ein ungewisses Ereignis, wie Hochwasser oder Stürme, kann man sich versichern.

Ein Spalt ist in der Mauer eines Gebäudes zu sehen.
Groningen gehört zu den Regionen, die von den absinkenden Wasserständen am stärksten betroffen sind. © picture alliance/dpa/AP

Banken, niederländische Versicherungen und der Hauseigentümerverband haben daher nun die Politik zum Handeln aufgefordert, wie die Rheinische Post berichtet. „Rund eine Million Wohnungen könnten durch Trockenheit beschädigt werden. Die Kosten dafür könnten bis 2050 auf 60 Milliarden Euro steigen. Wir müssen diesen Schäden vorbeugen. Dazu bedarf es eines nationalen Ansatzes“, heißt es.

So lange bleiben die Hausbesitzer auf ihren Kosten sitzen. „Es ist doch schockierend, dass wir uns an niemanden wenden können“, sagt ein Betroffener der Tagesschau. „Denken Sie an das Hochwasser in Limburg. Da wurden Spendenkonten und Hilfsfonds eingerichtet, die Versicherungen sprangen ein.“ Aber, sagt er: „Bei einem Schaden durch Dürre kriegst du nichts. Keine Versicherung, keine Spenden, keine Hilfe, absolut nichts.“

Im politischen Den Haag tut sich bislang wenig, um das Problem anzugehen. Im Koalitionsvertrag der Regierung von Ministerpräsident Mark Rutte heißt es, man wolle sich dafür einsetzen, die Probleme mit absackenden Häusern zu lösen. Konkrete Maßnahmen sind bisher allerdings Fehlanzeige.