Eurovision Song Contest

Favoriten, Paradiesvögel, Startreihenfolge: Das müssen Sie über den ESC wissen

Beim Eurovision Song Contest wetteifern 26 Nationen um die europäische Popkrone. Wer sind die Favoriten? Wo landet der deutsche Kandidat Jendrik? Hier ist die große Übersicht zum Finale 2021.
Der Auftritt der Band "Dadi og Gagnamagnid" (Island) wird mit dem Song "Ten Years" während des zweiten Halbfinales des Eurovision Song Contest (ESC) in der Ahoy Arena per Video eingespielt. Wegen eines positiven Corona-Tests kann die Band nicht live teilnehmen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Es ist Showtime, liebe Freundinnen und Freunde von Windmaschine, Trickkleid und finnischem Düsterrock aus den Tiefen des Waldes! Nach zwei Jahren Pause geht heute Abend in Rotterdam der 65. Eurovision Song Contest über die Bühne. Im vergangenen Jahr fiel das größte popmusikalische Geschmacksexpertiment der Welt noch der Corona-Pandemie zum Opfer. Nun aber wetteifern 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmer um die kontinentale Popkrone, darunter der deutsche Kandidat Jendrik Sigwart (26) mit seiner optimistisch durchgeknallten und ästhetisch riskanten Anti-Mobbing-Nummer „I Don‘t Feel Hate“.

Hier sind zehn Fragen und Antworten zum großen ESC-Finale um 21 Uhr:

Ein ESC trotz Corona: Wie geht das denn?

3500 Besucher dürfen den ESC live in der Ahoy Arena in Rotterdam verfolgen, in die sonst 16.000 Zuschauer passen – und das, obwohl die 100-Tage-Inzidenz in den Niederlanden um die 200 schwankt. Wie geht das? Die niederländische Regierung hat Ende April entschieden, dass der ESC zum Experimentierprojekt für sichere Massenevents trotz Corona wird. Das Publikum, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Künstlerinnen und Künstler sind getestet. Trotzdem wirkt die Kulisse mit all den jubelnden Menschen wie eine Doku aus vergangenen Tagen. 16 Corona-Fälle gab es bisher im Umfeld des ESC.

ESC 2021 und Corona: Geht alles planmäßig über die Bühne?

Nein. Der Liveauftritt des niederländischen ESC-Siegers von 2019, Duncan Laurence, fällt ins Wasser – er wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Auch das isländische Sextett Daði og Gagnamagnið bleibt im Hotelzimmer, weil der Test eines Bandmitglieds positiv ausfiel.

Stattdessen zeigt die Regie einen Probeauftritt ihres fröhlich-elektrischen Nerdpopstücks „10 Years“, das viele im ESC-Zirkus zu den Mitfavoriten zählen. Ein paar Mitleidspunkte kommen sicher obendrauf. Die australische Sängerin, die ein bisschen wirkte wie das Sams nach der Pubertät, blieb gleich ganz zu Hause und schickte ein Video.

Sie flog allerdings schon im Halbfinale raus. (Warum ist Australien noch mal dabei? Weil im Prinzip jedes Land der Welt Mitglied in der Europäischen Rundfunkunion EBU werden kann. Und weil‘s Spaß macht.)

Wie steht es um die deutschen Chancen beim ESC?

So ehrlich muss man sein: Deutschland war zuletzt das Schalke 04 des europäischen Popevents. Die Schreckensbilanz der letzten fünf Jahre: zweimal Letzter, zweimal Vorletzter (immerhin: einmal Vierter mit Michael Schulte 2018). Bei den Buchmachern steht Jendriks cartoonesk-schrille Ukulele-Performance „I Don‘t Feel Hate“ aktuell weit abgeschlagen auf dem 24. von 26 Plätzen. Es steht zu befürchten, dass sich der durchaus wertvolle Gedanke, man möge Hass nicht mit Hass bekämpfen, nicht überträgt. Jendrik singt auf Startplatz 15.

Man soll nicht vorher unken, aber denkbar ist auch, dass die aufwendige (Step-)Tanzperformance des 26-jährigen Hamburger Musicaldarstellers doch zu stark zu Lasten des Gesangs geht. Es ist eben ein Musikwettbewerb und nicht „Let‘s Dance“. Und so befindet sich Deutschland beim ESC elf Jahre nach dem Sieg von Lena Meyer-Landrut in Oslo weiter an jenem Ort, den Walter-Andreas Schwarz schon 1956 beim allerersten Grand Prix Eurovision de la Chanson (kurz: GPEDLC) sehnsuchtsvoll besang: im Wartesaal zum großen Glück.

Warum darf Deutschland beim ESC noch mal mitmachen?

Das liegt an einem Sonderrecht: Die fünf größten Geldgeber der EBU sind automatisch für das Finale qualifiziert – damit sie nicht die Lust verlieren, die Party auch im nächsten Jahr maßgeblich zu finanzieren. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien sparen sich also das Halbfinale. Hinzu kommt noch der jeweilige Gastgeber, in diesem Jahr die Niederlande.

Die „Big Five“-Regelung stammt aus dem Jahr 1996, als Deutschland seine bisher größte ESC-Schmach erlebte: Der Titel „Blauer Planet“ des Münchner Sängers Leon fiel bei der eurovisionsinternen Vorausscheidung durch. Die ARD verzichtete daraufhin erstmals – und bisher letztmalig – darauf, den Wettbewerb live zu übertragen. Er lief im Spätprogramm als Aufzeichnung. Die Konsequenz: Die EBU verteilte fünf Wildcards für alle Zeit. Ist das gerecht? Nein. Hat das deutschen Teilnehmern immer mal wieder den Hintern gerettet? Ganz sicher.

Und wer sind die Favoriten?

Keineswegs haben die „Big Five“ automatisch schlechtere Chancen als jene Länder, die sich schon ausführlich in den Halbfinals präsentieren konnten. Das zeigt ein Blick auf die Buchmacherstatistik 2021: Ganz vorne stehen da die italienischen Rocker von Måneskin („Zitti e buoni“), die mit Startplatz 24 das perfekte Los gezogen haben. Auf Platz zwei bei den Wetten liegt die emotionale, minimalistisch inszenierte Ballade „Voilà“ der französischen Sängerin Barbara Pravi, die über Startplatz 20 ebenfalls glücklich sein dürfte.

Drittbeste Chancen, den ESC zu gewinnen, hat den Wettbüros zufolge die maltesische Sängerin Destiny mit einer selbstbewussten Du-kannst-mir-gar-nichts-Frauenpowernummer („Je Me Casse“), gefolgt von der überdreht inszenierten, aber strengen Performance aus der Ukraine und dem wundervoll verrätselten, androgynen Sänger Gjon’s Tears („Tout l’univers“) aus der Schweiz. Er muss allerdings schon als Elfter an die Rampe. Direkt nach ihm folgen die coronageschwächten Isländer, die als „Dark Horse“ des Wettbewerbs gehandelt werden – als der Act also, der für eine Überraschung sorgen könnte, obwohl ihn kaum jemand als Sieger sieht.

Wie läuft die Punktevergabe beim Eurovision Song Contest?

Es bleibt höchst bedauerlich, dass die EBU die ebenso kultige wie endlose Punktevergabe im Jahr 2016 hart kastriert hat. Das paneuropäische Rechenschieberspielchen wurde maximal gestrafft: So geben die schlecht ausgeleuchteten Moderatorinnen und Moderatoren bei den TV-Schalten quer durch Europa nur noch die drei Topwertungen der nationalen Jurys durch. Die übrigen Jurypunkte „fliegen“ einfach kommentarlos in die Ländergrafik.

Erst wenn alle Jurypunkte vergeben sind, geht es zu den Punkten der Zuschauerinnen und Zuschauer. Diese werden aus allen abstimmenden Ländern zusammengerechnet und von den ESC-Moderatorinnen und -Moderatoren in Rotterdam bekannt gegeben. Sie beginnen mit dem Land, das am wenigsten Punkte für sich gewinnen konnte. Das ist zwar spannend inszeniert – aber hat viel von seinem ursprünglichen Charme verloren.

Und was gibt’s beim ESC 2021 zu lachen?

Es herrscht kein Mangel an Putzigkeiten im ESC-Portfolio des Jahres 2021. Von der kunstvollen Frisurenornamentik der israelischen Sängerin Eden bis zu den komplett überzuckerten drei Kim Kardashians aus Serbien, von den XL-Engelsflügeln des norwegischen Paradiesvogels Tix bis zu dem Sandberg, auf dem die bulgarische Sängerin Victoria in schweren Stiefeln die Familie besingt – lange war der ESC kein so massiver Angriff auf das Geschmacksempfinden mehr.

Freuen Sie sich auch auf das begehbare Kleid aus Russland. Schwer im Trend in diesem Jahr: Laserlichtgitter wie aus den Achtzigern, trockener Elektropop – und Stulpenstiefel. Dafür herrscht ein geradezu erschreckender Mangel an Geigen und Trommeln.

Eurovision Song Contest auf ARD: Guckt das überhaupt noch jemand?

Aber hallo! Die Quoten der beiden Halbfinals, die der ARD-Zwergsender One live zeigte, verraten eine gewisse Ausgehungertheit des Publikums nach Glitzer und Glamour. Rund 700.000 ESC-Fans verfolgten das erste Halbfinale am Dienstag – 400.000 mehr als 2019. Und sogar 720.000 verfolgten das zweite Halbfinale am Donnerstag. Der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen lag für One bei sensationellen 4,9 Prozent. Üblicherweise pendelt er um 0,6 Prozent.

Eruovision Song Contest: Wann geht’s los?

Um 20.15 Uhr meldet sich heute Abend in der ARD zunächst Barbara Schöneberger mit der Show „Countdown für Rotterdam“ live aus dem NDR-Studio in Hamburg. Mit dabei sind unter anderem Michael Schulte, Jan Delay, Sarah Connor und Newcomerin Zoe Wees („Control“). Auch eine Liveschalte nach Rotterdam zum deutschen Act Jendrik ist geplant. Das ESC-Finale in Rotterdam beginnt um 21 Uhr mit der Flaggenparade der 26 TeiInehmernationen.

In der Abstimmungspause treten als „Interval Act“ unter anderen DJ Afrojack, Glennis Grace und Wulf auf – gemeinsam mit einem Sinfonieorchester mit jungen Musikerinnen und Musikern. Sie präsentieren den eigens für den ESC geschaffenen Act „Music binds us“. Mit dabei sind auch bekannte Song-Contest-Stars wie Måns Zelmerlöw aus Schweden und die finnische Hardrockband Lordi. Der ESC-Sieger 2021 wird erst gegen ein Uhr nachts feststehen. Im Anschluss an das Finale blickt Schöneberger dann in der Sendung „Aftershow Party“ mit prominenten Gästen auf die Highlights der Show zurück – mit dabei sind erneut Jendrik und die „Stimme des ESC“: Kommentator Peter Urban.

ESC 2021: Wie ist die Startreihenfolge?

1 Zypern: Elena Tsagrinou („El Diablo“)

Konventioneller Lady-Gaga-Radiopop, der freilich in der Heimat eine kleine Kontroverse auslöste: Elena besingt den Kampf zwischen Gut und Böse – unter wörtlicher Erwähnung des Teufels („El Diablo“). Das erzürnte die christlich-orthodoxe Kirche, doch der Gewittersturm zog vorbei.

2 Albanien: Anxhela Peristeri („Karma“)

Typischer ESC-Balkanpop mit einem Schuss Folklore. Man achte auf die Kriegsbemalung: Sogar die Unterarme hat sich Anxhela mit Glitzerpuder eingestäubt. Warum sie im Finale landete, ist kaum anders zu erklären, als dass es jemandem gefallen haben muss, eine windumtoste Diva ohne jede natürliche Regung im Gesicht bei musikalischem Kampfsport zu beobachten.

3 Israel: Eden Alene („Set Me Free“)

Während in der Heimat der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern neu entflammt ist, singt Eden in Rotterdam eine stimmgewaltige Dancepopnummer über eine toxische Beziehung. Nett, aber zu harmlos.

4 Belgien: Hooverphonic („The Wrong Place“)

Im Stil von Patricia Kaas singt Belgiens Vertreterin eine anspruchsvolle Midtempo-Nummer über eine gefloppte Beziehung. Sie kann sich inhaltlich also mit Eden aus Israel zu einer Selbsthilfegruppe zusammenschließen. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.

5 Russland: Manizha („Russian Woman“)

Russland bringt eine technische Neuerung mit nach Rotterdam: Nach dem begehbaren Kleiderschrank präsentiert Sängerin Manizha das begehbare Kleid. Das erinnert entfernt an die Szene aus „Asterix als Legionär“, in der der spindeldürre Legionärsmitbewerber aus seinem dicken Pelzmantel einfach „aussteigt“. Der Song selbst ist eine Ode an die weibliche Selbstermächtigung – ein Trendthema des ESC-Jahrgangs 2021.

6 Malta: Destiny („Je me casse“)

Die 18-jährige Sängerin liefert eine musikalische Backpfeife an miese Machos mit ihren dummen Anmachsprüchen. Der Titel erinnert entfernt an Nettas „Toy“, den israelischen Siegerbeitrag von 2018. Destinys „Je me casse“ (etwa: Ich verziehe mich) hat gute Siegchancen.

7 Portugal: The Black Mamba („Love Is On My Side“)

Erstmals tritt Portugal mit einem englischsprachigen Lied an – und was für einem: Der komplexe Song ist ein angenehm altmodisch-melodischer Liebesreigen, der mit seinen spielerischen Soulelementen wie ein Lennon/McCartney-Titel von 1967 klingt.

8 Serbien: Hurricane („Loco Loco“)

Die drei überschminkten Grazien aus Serbien hauen dem Publikum einen konventionellen Sommerhit um die Ohren, bis die Windmaschine qualmt. Das serbische Motto 2021: Stumpf ist Trumpf.

9 Großbritannien: James Newman („Embers“)

Großbritannien gilt neben Deutschland als zweiter großer Unglücksrabe der letzten ESC-Jahre. Sänger James Newman soll‘s mithilfe von allerhand Bläsern richten – zwischen zwei überdimensionalen Trompeten auf einem Podest stehend. Das wird nicht klappen.

10 Griechenland: Stefania („Last Dance“)

Im lilafarbenen Glitzerbodysuit macht man als ESC-Standardelfe optisch schon mal nichts falsch. Der Finaleinzug von Stefania war eher eine Überraschung – aber es gilt eben doch: Sex sells. In ihrem Plastikpopsong geht‘s um all die Partys, die seit 2020 wegen Corona ausgefallen sind. Es ist offenbar der Versuch, sie alle in drei Minuten nachzuholen.

11 Schweiz: Gjon’s Tears („Tout l’univers“)

Ein verrätselt-androgyner Schweizer albanisch-kosovarischer Abstammung kommt mit einem der originellsten Beiträge 2021. Sein schwarzweiß inszeniertes Epos feiert die Liebe trotz aller Schmerzen. Mitfavorit.

12 Island: Daði og Gagnamagnið („10 Years“)

Island schickt ein Weihefest des gehobenen Nerdtums nach Rotterdam: Das Sextett ist ein hochsympathischer Haufen fröhlich-erratischer Spinner im besten Sinne. Sänger Daði Freyr Pétursson lebt seit 2014 in Berlin. Leider darf die Kombo wegen eines Corona-Falles in der Band mit ihrem Achtziger-Synthiepopsong nicht live auf die Bühne – stattdessen ist aber ein gelungener Probeauftritt vom 13. Mai als Einspielvideo zu sehen. Island dürfte in den Top 5 landen.

13 Spanien: Blas Cantó („Voy a quedarme“)

Spanien kommt in diesem Jahr die Ehre zuteil, bei den Buchmachern noch hinter Deutschland auf dem letzten Platz zu stehen. Schon wieder ein Knödelmann mit Schlafzimmerblick. Die Dauerschwermut der spanischen Beiträge und das miese Abschneiden der Vorjahre hat noch nicht zu der Erkenntnis geführt, dass Düsternis und iberisches Pathos möglicherweise keinen Erfolg beim ESC versprechen. In den vergangenen 15 Song Contests landete Spanien zehnmal unter den letzten fünf. Das muss man auch erst mal schaffen.

14 Moldau: Natalia Gordienko („Sugar“)

Zuckersüßer Bubble-Gum-Pop einer Sängerin, die schon 2006 beim ESC in Athen Platz 20 erreichte. Auch ihr Finaleinzug war eher eine Überraschung.

15 Deutschland: Jendrik („I Don’t Feel Hate“)

Der erfreuliche Vorsatz, sich musikalisch für mehr Nächstenliebe einzusetzen, scheint sich einfach nicht zu übertragen. Jendriks Ukulele-Partynummer wirkt samt Steptanz, Bratzgitarren-Intermezzo und tanzender Hand mit Victory-Zeichen (der ausgestreckte Mittelfinger war verboten) ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Es wird schwer.

16 Finnland: Blind Channel („Dark Side“)

Die Erben von Lordi liefern eine radiotaugliche Hardrocknummer im Linkin-Park-Stil. Anders als Lordi aber fehlt der Schuss Humor, der derlei Düsterrock für den durchschnittlich rabatzinteressierten Zeitgenossen und die Zeitgenossin etwas leichtgängiger macht.

17 Bulgarien: Victoria („Growing Up Is Getting Old“)

Im Stile von Billie Eilish besingt Victoria ihren Vater – auf einem Sandberg sitzend. Ob sich die zarte Stimme durchsetzt? Im Vorjahr, als der ESC wegen der Corona-Pandemie ausfiel, gehörte sie zu den Favoriten. 26 von 39 Nationen schickten 2021 die Acts von 2020 erneut ins Rennen – allerdings mit neuen Liedern.

18 Litauen: The Roop („Discoteque“)

Vor einem Jahr galten The Roop als sicherer Sieger des ESC 2020 – der nie stattfand. Ihr neues Lied ist Elektropop mit Botschaft: Tanzt, auch wenn euch nicht danach zumute ist. Eine Top-Ten-Platzierung dürfte drin sein.

19 Ukraine: Go_A („Shum“)

Die eisige Inszenierung mit Federkleid und strengem Lehrerinnenblick ist rätselhaft, der Song aber entwickelt eine eigenwillige Sogwirkung. Die Ukraine darf mit einer Top-5-Platzierung rechnen.

20 Frankreich: Barbara Pravi („Voilà“)

Spartanisch gestaltet, ohne jedes Schischi, singt Barbara Pravi in einem Meer aus Lichtsternen stehend im Stil ihrer Chansonkollegin Zaz eine dichte, intensive Ballade, deren Zauber sich schnell entfaltet. Mit Klavier, Gitarre und Cello hat der Song der Sängerin mit serbischen und iranischen Wurzeln die Zuschauer von der ersten Sekunde an im Griff. Es wäre eine große Überraschung, wenn Barbara Pravi nicht die Top 3 erreichen würde.

21 Aserbaidschan: Efendi („Mata Hari“)

Großes Kino aus Aserbaidschan. 2020 wollte Sängerin Efendi „Cleopatra“ feiern. 2021 entschied sie sich für eine andere Figur der Weltgeschichte, die Spionin Mata Hari. Optisch ist ihr Auftritt eine feuerreiche Drei-Minuten-Ausstattungsorgie, musikalisch eine orientalisch angehauchte Ruslana-Nummer.

22 Norwegen: Tix („Fallen Angel“)

Der Sänger und Komponist Andreas Andresen Haukeland hat das Tourette-Syndrom und bekam schon in der Schulzeit den Spitznamen „Tics“. Als Künstler Tix trat er die Flucht nach vorne an – und ist einer der Sympathieträger des Jahrgangs 2021. Als angeketteter Engel singt er ein Lied, das leider ein bisschen langweilig ist.

23 Niederlande: Jeangu Macrooy („Birth Of A New Age“)

Der Gastgeber, die Niederlande, hat den erfreulichen Startplatz 23 ergattert. Sänger Jeangu Macrooy wurde in Surinam geboren und lebt seit 2014 in Holland. Dass die Niederlande ihren ESC-Titel mit der souligen, chorreichen Nummer verteidigen können, ist aber unwahrscheinlich.

24 Italien: Måneskin („Zitti e buoni“)

Die Rockkombo, die nach dem dänischen Wort für „Mondschein“ benannt ist (die Bassistin ist Dänin), hat 2020 das ruhmreiche Festival von San Remo gewonnen. Die Gruppe begeistert die ESC-Gemeinde in Rotterdam mit klassischem Festivalrock ohne Schnörkel. Es ist ein Genre, das es traditionell eher schwer hat, aber Måneskin haben viel Charisma. Die Top 3 sind allemal drin.

25 Schweden: Tusse („Voices“)

Die traditionelle ESC-Hitmaschine Schweden liegt mit dem 19-jährigen Castingshowsieger Tusse, der im Kongo geboren wurde, bei den Buchmachern diesmal nur im Mittelfeld. Das könnte an seinem doch allzu schnell vergessenen Soulpoptitel liegen.

26 San Marino: Senhit feat. FloRida („Adrenalina“)

Der Zwergstaat in der Mitte der italienischen Halbinsel hat seit 2008 erst zweimal das Halbfinale überstanden und wollte diesmal ganz sicher gehen: Man kaufte sich als sinnfällige Ergänzung zu Sängerin Senhit, die italienisch-eritreischer Abstammung ist, den US-Rapper FloRida ein. Mit Erfolg: San Marino ist endlich mal wieder im Finale. Dabei weiß Deutschland aus leidvoller Erfahrung, dass US-Mietglamour nicht automatisch Erfolg verspricht. Wir erinnern uns an 2009, als das eigens eingeflogene Burlesque-It-Girl Dita Von Teese dekorativ das deutsche Duo Alex Swings Oscar Sings! umräkelte („Miss Kiss Kiss Bang“). Am Ende reichte es trotzdem nur zu Platz 20 von 25.

Der Artikel "Favoriten, Paradiesvögel, Startreihenfolge: Das müssen Sie über den ESC wissen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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