Hausbau und Immobilien

Wie sich Lecks in der Gebäudehülle rechtzeitig aufspüren lassen

Schon kleinere Baumängel wie Lecks in der Gebäudehülle können gefährlich und teuer sein. Mithilfe technischer Verfahren lässt sich Schlimmeres frühzeitig verhindern.
Lecks aufspüren und abdichten: Mit dem Blower-Door-Test, der Differenzdruckmessung, wird die Luftdichtheit eines Gebäudes ermittelt. © Dekra

Sei es ein schlecht verarbeiteter Anschluss zwischen Wand und Decke, ein Spalt in der Fensterdichtung oder ein Riss in der Dampfsperre: Schon kleine Baumängel können zu schweren Schäden führen. „Wenn dauerhaft Feuchtigkeit in die Konstruktion eindringt, kann sich Schimmel oder Holzfäule bilden“, warnt Bernd Kohl, Experte beim Bundesverband Deutscher Energiemakler und Energieberater. Außerdem kann über längere Zeit Wärme verloren gehen. Dann nützt die beste Dämmung wenig, und die Heizkosten steigen.

Blower-Door-Test: Messung vor dem Trockenbau durchführen

Doch es gibt einige technische Verfahren, um Undichtigkeiten in der Gebäudehülle sowie Wärmebrücken aufzuspüren: Dazu gehört an erster Stelle der Blower-Door-Test. Der Markenname wird gemeinhin für den physikalischen Begriff Differenzdruckmessung verwendet. Das Verfahren kommt immer dann zum Einsatz, wenn bei Neubauten oder Sanierungen bestimmte Grenzwerte eingehalten werden müssen. Wird zum Beispiel eine kontrollierte Wohnraumlüftung eingebaut, ist die Messung Pflicht. Auch einige öffentliche Fördermittel werden in der Regel erst nach einem erfolgreich verlaufenden Blower-Door-Test vergeben.

Der beste Zeitpunkt für die Messung sei, bevor der Trockenbau starte und viele Bauteile noch zugänglich seien, erläutert Kohl. Zunächst sollten mögliche Lecks gefunden werden. Dafür werden in einzelnen Räumen alle Öffnungen geschlossen. Anschließend wird in ein Fenster oder eine Tür eine luftdichte Plane eingezogen, die einen oder mehrere Ventilatoren umschließt. Damit werde sowohl ein Unter-, als auch ein Überdruck erzeugt, erläutert Mike Verhoven vom Fachbereich Bau und Immobilien der Dekra Automobil GmbH. Mit Messgeräten wird dann die Luftbewegung beziehungsweise der Luftaustausch in einer bestimmten Zeit ermittelt. Unter anderem Theaternebel macht Strömungen und undichte Stellen sichtbar.

Aufwendiges und kostspieliges Messverfahren – aber hohe Folgekosten werden vermieden

Nach Beseitigung der Lecks kann die sogenannte Luftwechselrate ermittelt werden. Dafür müssen alle Innentüren offenstehen. Bei Häusern mit Fensterlüftung zum Beispiel darf die Luft im gesamten Gebäude bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal höchstens dreimal in der Stunde ausgetauscht werden. Wurden Lüftungsanlagen eingebaut, darf der Luftaustausch maximal das Anderthalbfache betragen. Um exakte Werte zu ermitteln, ist eine Reihe von Messungen bei verschiedenen Druckdifferenzen erforderlich.

Das Messverfahren ist aufwendig und hat seinen Preis. Kohl geht von Kosten in Höhe von mindestens 1000 Euro aus. Allerdings können hohe Folgekosten vermieden werden, wenn Baumängel frühzeitig gefunden werden. In der Regel sollten die Baufirmen den Test selbstständig in die Wege leiten, die Ausgaben können sie den Kunden in Rechnung stellen. Bauherren sollten auf jeden Fall auf eine Untersuchung bestehen, betont der Verband Privater Bauherren (VPB). Am besten werde diese von einem unabhängigen und qualifizierten Experten durchgeführt.

Thermografie: Kamerabilder machen sichtbar, wo Wärme austritt

Ergänzend zum Blower-Door-Test wird oft ein weiteres Verfahren angewandt – vor allem in Bestandsgebäuden. „Die Thermografie kommt in der Regel dann zum Einsatz, um Leckagen in der thermischen Gebäudehülle oder auch Wärmebrücken zu orten, die nicht sichtbar sind“, erklärt Verhoeven. Aussagekräftige Messungen sind allerdings nur an kalten Tagen möglich, wenn ein großes Gefälle zwischen Außen- und Innentemperatur besteht. Werden mit der Thermografiekamera auch Außenaufnahmen gemacht, muss es zudem trocken und dunkel sein, weil Feuchtigkeit und Sonnenlicht die Ergebnisse verfälschen.

Die Kamerabilder machen sichtbar, wo Wärme austritt, beziehungsweise sich kühle Flächen befinden, an denen feuchtwarme Luft kondensieren kann. Kritische Stellen erscheinen bei Innenaufnahmen blau-grün und bei Außenaufnahmen rot-orange-gelb. Schon bei der Erstellung der Bilder können viele Fehler gemacht werden, erklärt Kohl. Wichtig sei es zudem, dass sie fachkundig ausgewertet werden. Deshalb sollten nur ausgebildete und qualifizierte Sachverständige engagiert werden, ergänzt Verhoeven. Die Kosten für eine Thermografie belaufen sich auf 500 bis 700 Euro, bei deutlich günstigeren Angeboten ist Misstrauen angebracht.

Wenn Undichtigkeiten festgestellt werden, sollten sie schnellstmöglich behoben werden, um weitere Folgeschäden zu vermeiden. Ein Bauteil zu ersetzen oder zu reparieren reiche in der Regel nicht aus, sagt Verhoeven: „Ist die Ursache nicht behoben, wird das Problem nicht verschwinden. Daher ist es wichtig, nicht nur zu erkennen, wo eine Leckage oder Wärmebrücke entstanden ist, sondern auch – was viel wichtiger ist – wie.“

Weitere Mess-Methoden

Um Bauschäden und Energielecks zu finden, kommen auch andere technische Verfahren zum Einsatz. So gibt es mehrere Messungen mit deren Hilfe der Eintritt von Feuchtigkeit festgestellt werden kann – zum Beispiel mittels Mikrowellen, Neutronensonden, Elektro-Akustik-Verfahren oder Rasterfeuchtemessungen. Leckagen können außerdem durch Vakuum-, Rauchgas-, Formiergas-, Endoskopie- oder Flutungsverfahren festgestellt werden. Manchmal genügt aber auch schon eine Kerze, um unerwünschte Luftströme sichtbar zu machen.


RND

Der Artikel "Wie sich Lecks in der Gebäudehülle rechtzeitig aufspüren lassen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland