Während Bellino über einen Holzbalken balanciert und versucht, in den Trümmern jemanden zu wittern, wird er von Hundeführerin Steffi Kollmer (links) und Anke Plattner beobachtet. © THW Unna Schwerte
Neuer Lehrgang

Beim THW Unna-Schwerte geht es gemeinsam mit dem Hund ins Ehrenamt

Für alle, die eine sinnvolle Beschäftigung für sich und ihren Vierbeiner suchen, wäre das THW Unna-Schwerte mit seiner Hunde-Ortungsgruppe eine Anlaufstelle. Dort beginnt grad die Ausbildung.

Hundehalter und ihre Vierbeiner sind oft ein echtes Team. Sie verbringen viel Zeit miteinander – und wer will, kann diese auch in den Dienst der Gesellschaft stellen. Beim THW-Ortsverband Unna-Schwerte sind in der Fachgruppe Ortung nämlich Hunde im Einsatz – und in dieser Woche startete in Unna ein neuer Grundlehrgang.

„Ein Einstieg ist noch immer möglich“, wirbt Golo Drees, Ortsbeauftragter des OV Unna-Schwerte, für eine Teilnahme. „Bei uns ist das wie beim Führerschein. Man nimmt an den Diensten teil, und wenn man fit ist, stellt man sich der Prüfung.“

Zunächst muss sich der Zweibeiner dieser stellen. Im Grundlehrgang für dieses besondere Ehrenamt lernt der Mensch in den nächsten Wochen alles über das THW, seine Strukturen und Einsatzmöglichkeiten. Erste Hilfe steht ebenso auf dem Lehrplan wie Material- und Gerätekunde. Die Praxis kommt ebenfalls nicht zu kurz, damit jeder seine persönliche Neigung finden kann.

Mensch und Hund sind hier ein echtes Team

Für Hundehalter dürfte dann die Ortungsgruppe besonderes interessant sein, die es im Ortsverband Unna-Schwerte gibt. Die erkundet Schadensgebiete und ortet verschüttete, eingeschlossene, vermisste und abgängige Personen nicht nur mittels technischer Ortungsgeräte, sondern auch durch den Einsatz ausgebildeter und geprüfter Rettungshunde.

Anke Plattner und Carla sind ein gespieltes Team: Während die Helferin Kommandos gibt, sucht der Hund in den Trümmern nach verschütteten. © THW Unna Schwerte © THW Unna Schwerte

Entscheidet sich der Mensch also für das Ehrenamt THW, dann kann der Helfer mit seinem Hund tätig werden. Nachwuchs ist in der Ortungsgruppe immer gefragt. Außer Grundgehorsam und Spieltrieb muss der Hund auch zunächst nichts mitbringen. „Am besten kommt man mit ihm einmal kurz vorbei und stellt sich vor“, öffnet Golo Drees die Türen weit. Die Ausbilderin vor Ort habe nach jahrelanger Erfahrung einen Blick dafür, ob ein Mensch-Hund-Gespann geeignet wäre.

Denn Hund und Mensch müssen als Team agieren. „Wenn rechts gesucht werden soll, dann muss der Hund auch rechts suchen. Und nicht meinen, dass es gerade links besser riecht“, beschreibt Drees lachend, wie es nicht sein sollte. Doch alles, was das THW brauche, bilde es auch selbst aus. Auch notwendige Tierarztkosten und Impfungen würden übernommen. „Wie es im Gesetz heißt, dürfen dem Helfer keine finanziellen Nachteile für sein Engagement entstehen.“

Keine allzu hohen Hürden für Eignung der Tiere

Wer also Interesse an der Arbeit im THW hat, kann gern mit seinem Vierbeiner am der Florianstraße vorbeikommen. „Es sollte nicht gerade ein Kampfhund sein und eine gewisse Größe muss das Tier auch haben, weil es über Trümmer laufen muss“, erklärt Drees, aber sonst gäbe es keine besonderen Anforderungen an das Tier. Freundlich sollte der Hund sein, zum Beispiel vermisste Kinder beim Finden besser nicht anknurren.

Nicht nur auf Trümmerfelder kommen die Hunde zum Einsatz, auch im offenen Gelände helfen sie bei der Suche nach Vermissten oder Abgängigen. © THW Unna Schwerte © THW Unna Schwerte

Kleinere Einschränkungen gibt es nur beim Alter: „14 Monate ist ein gutes Einstiegsalter“, weiß Drees – und weil der Hund spätestens mit sechs Jahren die Prüfungen abgelegt haben muss, sollte er zu Beginn der Ausbildung auch nicht älter als fünfeinhalb Jahre alt sein. „Den Leistungsstandard zu halten ist dann kein Problem“, beruhigt Drees alle Hundebesitzer mit schon etwas älteren Tieren, die jetzt starten wollen würden.

Für den Hund ist alles ein großes Spiel

Für den Hund sei die Arbeit beim THW dann ein großes Vergnügen. „Die suchen ja jemanden und wenn sie die Person finden, gibt es eine Belohnung. Bei uns kommen Beißwürste zum Einsatz“, verrät Drees. Für den Hundeführer ist lediglich das zeitliche Engagement etwas ausgeprägter als bei anderen Helfern. „Eine Kettensäge kann man theoretisch mal ein halbes Jahr in der Ecke liegen lassen, aber mit dem Hund muss man regelmäßig trainieren“, betont Drees.

Anke Plattner mit Carla (links) und Steffi Kollmer mit Bellino gehören zum Ortungsteam der THW-Ortsgruppe Unna-Schwerte. © THW UnnaSchwerte © THW UnnaSchwerte

Wöchentlich, am besten sogar zweimal, kommen Zwei- und Vierbeiner daher in der Regel zum THW. Dienstags ist grundsätzlich von 18 bis 22 Uhr Treffen der gesamten Ortsgruppe an der Florianstraße. Die Ortungsgruppe hat dann flexibel und auf Zuruf weitere Treffen. „Mal geht es samstags für acht Stunden auf ein Übungsgelände in Osnabrück. Aber dann kann mal donnerstags auf dem Schutthaufen eines Abrisshauses die Trümmersuche trainiert werden. Das ist immer unterschiedlich“, sagt Drees. Lediglich der Dienstags-Dienst sei gesetzt.

Einstieg in die Ausbildung ist jetzt möglich

Aktuell gibt es vier vollständig ausgebildete und geprüfte Hunde in der Ortsgruppe, ein knappes Dutzend befindet sich derzeit in der Ausbildung. Vier Stufen der Prüfung durchlaufen die Vierbeiner dabei. Neben der Trümmersuche gibt es da unter anderem auch die Flächensuche, wenn beispielsweise Vermisste in einem Wald aufgespürt werden müssen.

Doch zunächst hat nun die Ausbildung der Zweibeiner begonnen. „Danach steigen wir dann in die Rettungshundearbeit ein“, sagt Drees. Denn sonst würde das zeitlich für die Helfer nicht zu stemmen sein. Denn bei aller Begeisterung für: Die Arbeit beim THW ist ein Ehrenamt.

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