Kita-Kids und Corona

Das sind die Sehnsüchte der Kleinen: Generation Corona im Interview

Wenn die Kleinen die Großen wieder lachen sehen wollen – drei Kita-Kinder aus Hemmerde erzählen ihre Gedanken zu Corona. Auf dem Spielplatz getobt haben sie aber trotz aller Ernsthaftigkeit.
Sofia hat das Näschen ziemlich voll von dem ganzen Corona-Kram. Die Sechsjährige kommt im August zur Schule und „freut sich“ sichtlich über den Maskenzwang im Unterricht... © Martin Krehl

Dieser Artikel wird sehr einseitig, es kommt nur eine Meinung vor. Die der Kita-Kinder nämlich. Ein Hemmerder Junge und zwei Mädchen haben uns erzählt, wie es ihnen bisher unter Corona so ergangen ist. Pia, Sofia und Tom sind fröhlich geblieben, aber geprägt haben sie die Lockdowns sichtlich.

Angst vor der Schule hat Sofia (6) nicht, von innen gesehen hat sie sie aber auch noch nicht.
Angst vor der Schule hat Sofia (6) nicht, von innen gesehen hat sie sie aber auch noch nicht. © Martin Krehl © Martin Krehl

Tom weiß Bescheid: „Wenn du Corona kriegst, bist du angesteckt und du steckst welche an. Und davon können welche sterben.“ Das will der Sechsjährige auf keinen Fall und trägt deshalb eine Maske, wie die Großen. Was muss, das muss.

Sehr ernsthaft werden Pia, Sofia und auch Tom, wenn es um die Pandemie und ihre Auswirkungen auf sie geht. Natürlich umfassen die Kinder das ganze Geschehen noch gar nicht, aber dass ihnen etwas entgeht, dass sie anders aufwachsen als Gleichaltrige zu anderen Zeiten, dass die Großen manchmal ratlos sind – das spüren sie.

Es soll aufhören, dass so viele krank werden

Tom geht es ziemlich auf die Nerven, sagt er wörtlich, „dass so viele krank sind und noch so viele krank werden.“ Das soll als erstes aufhören, wenn Corona mal vorbei ist. Kein Wort von Freunde treffen, Party feiern, mit allen Fußball spielen, mit Oma und Opa schmusen. Nein. Dass andere krank sind und sterben können, welcher Sechsjährige mag sich darum früher einen Kopf gemacht haben?

Tom (6) sagt im Geschäft, er sei erst fünf, wenn er die Maske vergessen hat:
Tom (6) sagt im Geschäft, er sei erst fünf, wenn er die Maske vergessen hat: „Guter Trick, was?“ © Martin Krehl © Martin Krehl

Pia hat im ersten Lockdown, also vor inzwischen langer Zeit, immer einen großen Bogen um die Nachbarskinder gemacht. Sie sagt, sie ist auch nicht einmal einfach hingerannt, zum Toben. „Ging ja nicht“, zuckt Pia die Schultern. Das führt jetzt dazu, dass Pia genau wahrnimmt, wen sie so alles trifft und mit wem sie spielt: „Jetzt sehe ich ja wieder alle. Auch Tom. Aber so wie früher ist es irgendwie nicht.“

Pia musste viele Wochen mit dem großen Bruder vorlieb nehmen, der ist aber schon 14:
Pia musste viele Wochen mit dem großen Bruder vorlieb nehmen, der ist aber schon 14: „Das ging schon…“

Als es zuhause nicht mehr ging und Pia doch in die Notbetreuung der Kita gehen musste, durfte sie auf einmal nicht mehr zu Oma und Opa und zu ihren Cousins. Das Mädchen hat sehr wohl verstanden, dass das eine mit dem anderen zu tun hatte. Die Verwandten hatten Angst davor, dass Pia den Virus aus der Kita mitbrachte: „Das konnte ich verstehen, aber das war doof!“ Pia wollte natürlich Kita und die Großeltern. Alles auf einmal ging nicht. „Blöd!“

Es bleibt hängen, was nicht erlaubt gewesen ist

Sofia mag sich noch nicht damit befassen, dass sie in der Schule den ganzen Tag diese Maske tragen muss. Sie ist wie Tom im Geschäft auch schon gemahnt worden, Maske zu tragen. Lästig. Sofia kann locker alles aufzählen, was nicht sein durfte in der letzten Zeit: „Wir haben gar keine Ausflüge gemacht mit der Kita, dabei wollten wir zur Polizei und in die Bäckerei. Und wir haben nicht in der Kita geschlafen.“ Ihre Maxi-Mappe, die Bildungsdokumentation, ist deutlich dünner als bei Kindern aus früheren Jahrgängen. Und die neue Schule drinnen anschauen ging auch nicht.

Aber auf ihre Erzieherinnen lassen Tom, Pia und Sofia nichts kommen. Offenbar ist es denen gelungen, den Kids eine schöne Atmosphäre zu schaffen: „Und am Ende sind wir rausgeworfen worden, so richtig im hohen Bogen aus der Tür. Da lag aber eine Matratze…“, erzählt Sofia. Sofia meint, sie durfte ungefähr so lange nicht in die Kita, wie sie die Uroma nicht gesehen hat. Sofias Kita-Pause war fünf Monate – die Uroma hat sie zwei Jahre nicht mehr gesehen. Beides kann sie nicht vergessen.

Für das Hemmerder Kita-Trio ist es keine Frage, dass man sich testen muss, ob man den Virus schon in der Nase hat. Natürlich machen alle drei mit.

Die Hemmerder Kita-Kinder haben aus den zwei Lockdowns das Beste gemacht. Pia und Tom haben sich ihre Grundfröhlichkeit erhalten.
Die Hemmerder Kita-Kinder haben aus den zwei Lockdowns das Beste gemacht. Pia und Tom haben sich ihre Grundfröhlichkeit erhalten.

„Das ist eklig mit dem Pinn in der Nase.“ Sofia schüttelt sich. „In der Schule machen wir Lolli-Tests, das ist einfacher.“ Sonst schaltet sie ab, wenn es um Corona geht. „Immer und immer reden alle davon, auch im Fernsehen, das mag ich nicht mehr hören.“ Was wünscht sich Sofia, wenn Corona vorbei ist? Auch keine Party, kein Freundinnen-Kuscheln, nein. Ganz ernst sagt sie: „Die Großen sollen keine Maske mehr tragen, damit man sieht, dass sie lachen.“