Werner-von-Siemens-Gesamtschule und Geschwister-Scholl-Gymnasium nehmen das Problem sehr ernst. Auf die manipulierten Fahrräder weisen Schilder an den verschiedenen Abstellplätzen hin. © Hornung
Schulen in Unna

Viel kriminelle Energie: Mädchen stürzt nach Fahrradmanipulation in Auto

Gelockerte Lenker, Räder, Pedale, Sättel: Das Manipulieren von Fahrrädern an Werner-von-Siemens-Gesamtschule und Geschwister-Scholl-Gymnasium in Unna ist kein Kavaliersdelikt.

Laminierte Warnschilder an allen Fahrradstellplätzen weisen die Kinder und Jugendlichen im Schulzentrum in Unna darauf hin, vorsichtig zu sein. Der Fahrradkeller von Werner-von-Siemens-Gesamtschule und Geschwister-Scholl-Gymnasium ist nur noch geöffnet, wenn Unterricht beginnt oder endet. Fahrraddiebstähle hat es hier schon immer gegeben. Jüngst wurden aber auch etliche Räder manipuliert. Eine Schülerin verletzte sich nach einem Sturz schwer.

Ihre Eltern möchten weder ihren eigenen Namen, noch den ihres Kindes nennen. Zu groß ist die Angst, dass noch einmal etwas passieren könnte. Denn ob es sich um gefährliche Streiche von Schülern oder die Taten von Verbrechern handelt, weiß bisher niemand. „Da ist auf jeden Fall sehr viel kriminelle Energie im Spiel“, sagen der Leiter der Gesamtschule, Ludger Kloer und die Leiterin des Gymnasiums, Stephanie Friske. Für die Manipulationen an Pedalen, Lenkern und Rädern würde teils Werkzeug benötigt, was eigentlich gegen Schülerstreiche spreche.

Die Schülerin, die von ihrem letzten Unfall nun lockere Zähne und eine Narbe an der Lippe davongetragen hat, ist seit Herbst des vergangenen Jahres wohlmöglich dreimal Opfer der Fahrradmanipulation geworden. Im Herbst des vergangenen Jahres fiel sie seitlich in ein Auto. „Da war das Lenkrad lose“, sagt ihr Vater. Im Frühjahr war dann die Pedale am Rad des Mädchens locker. Die Eltern hatten zu diesem Zeitpunkt noch nicht daran gedacht, dass jemand die Teile des Fahrrads vielleicht absichtlich gelockert hatte.

Eltern lassen Fahrrad von einem Sachverständigen prüfen

Erst, als das Mädchen wenig später auch mit einem neuen, gerade erst vom Händler kontrollierten Fahrrad stürzte, schalteten die Eltern einen Sachverständigen ein. Mit dem Ergebnis: Das Hinterrad wurde gelockert. Und auf einer gemeinsamen Radtour mit den Eltern löste es sich dann vollständig. So fiel die Schülerin ungebremst in ein Auto und verletzte sich im Gesicht.

In diesem Zusammenhang kam die Familie erstmals mit anderen Eltern ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass ihre Tochter nicht die einzige Geschädigte ist. Der jüngste Vorfall mit einer anderen Schülerin ist erst wenige Tage alt.

An vielen Schulen in Unna, auch hier an der Peter-Weiß-Gesamtschule, stehen die Räder der Kinder und Jugendlichen mal mehr, mal weniger gut einsehbar im Freien. © Neumann © Neumann

Ihre Tochter bringen sie jetzt nur noch mit dem Auto zur Schule, sagen die ratlosen Eltern. Nach einer Anzeige bei der Polizei wurde das Verfahren als „schwerer Eingriff in den Straßenverkehr“ an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Das bestätigt auch Polizeisprecher Christian Stein. Wie die Schreiben der Staatsanwaltschaft eindeutig belegen, ist das Verfahren allerdings nach drei Tagen eingestellt worden. Die Begründung: Es konnte kein Täter ermittelt werden.

Verfahren wurde während der Ferien bearbeitet

„Da waren Schulferien, was haben die denn da ermittelt“, sagt der aufgebrachte Vater. In der Tat wissen aber alle Beteiligten, wie schwer es ist, der Sache Herr zu werden: Auf dem weitläufigen Gelände der beiden Schulen gibt es verschiedene Stellplätze. Einige sind gut, andere nur schlecht einsehbar. Eine Zeit lang sei die Polizei vermehrt Streife gefahren, auch Lehrer hätten nach den Stellplätzen geschaut. Alle den gesamten Tag über zu bewachen, sei allerdings kaum möglich.

Für Mitte Oktober soll nun die Stadt Unna eine Aufsichtsperson über den zweiten Arbeitsmarkt an die Schule holen. Aber auch die könne nicht alle Stellplätze gleichzeitig im Blick behalten. Die Installation von Kameras wäre kostenintensiv und datenschutzrechtlich problematisch. Das gesamte Schulgelände dürfte auf keinen Fall überwacht werden. Einzelne Winkel nur mit triftigem Grund.

„Und dann haben sie vielleicht jemanden mit Kapuzenpulli auf dem Bild“, weist Schulleiter Kloer darauf hin, dass auch Aufnahmen nicht in jedem Fall helfen.

Die Schulleitungen und Eltern hoffen nun auf viel soziale Kontrolle durch die inzwischen sensibilisierten Schüler, Eltern und Lehrer.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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Dagmar Hornung