Als Single mit Vergebenen befreundet zu sein, kann anstrengend sein. Neben einigen Nachteilen gibt es aber auch viele Vorteile am Single-Dasein. © Wayhome Studio - stock.adobe.com
Kolumne

Zwischen Kletten und Sparpreisen: Vor- und Nachteile am Single-Dasein

Wenn der Taxifahrer als einziger Gesprächspartner in Frage kommt, grenzt der Single-Status an Verzweiflung. Welche Nachteile man als Single hat, aber auch welche Vorteile, berichtet Carina Sichtermann.

Wer länger Single ist, hadert oft mit der Frage: Genieße ich es eigentlich, Single zu sein, oder hasse ich es? Aber auch frischgebackene Singles fragen sich: Ohje, wird das jetzt eine gute Zeit oder bin ich nicht zum Single-Dasein gemacht? Im Laufe meiner Singlezeit habe ich einige Vor- und Nachteile am Single-Dasein entdeckt.

Nachteile am Single-Dasein

Du bist alleine. Besonders bei Events fühlt sich das oft doof an. Du kommst ohne Begleitung zum Geburtstag oder zur Hochzeit. Besonders wenn die Party öde ist oder man keinen Anschluss an die anderen Gäste findet, die ja oft in Pärchen-Rudeln zusammen sitzen, kann der Partner fehlen. Auch ein anschließender Austausch auf dem Heimweg über den Gossip der Party fällt bei Singles flach. Den Taxifahrer interessiert es jedenfalls nicht. Wo wir auch schon beim nächsten Punkt wären: Geld.

Als Single ist vieles teurer. Keiner da, mit dem du dir das Gastgeschenk und das Taxigeld teilst. Niemand, mit dem man sich die Wohnungskosten teilen kann oder auch die Anschaffung von Möbeln. Aber auch viele Angebote sind nur auf Paare ausgelegt. Doppelzimmer sind günstiger als Einzelzimmer, alleine kommt man schwer über Mindestbestellwerte und Sparangebote wie „Spart als Paar 70%“ sehe ich oft zu Hauf und ärgere mich darüber.

Oft anstrengend und deprimierend

Als Single unter Paaren zu sein, kann echt anstrengend und deprimierend sein. Entweder die Freunde haben keine Zeit, weil sie ihr Wochenende wieder mit dem Partner verplant haben oder wenn sie mal Zeit haben, muss man sich ewig lang das Gequatsche über den Partner anhören. Dann gibt es auch noch die Kletten unter den Pärchen: Wenn sie getrennt voneinander sind, klingelt ständig das Handy oder deine Freundin schreibt ununterbrochen Nachrichten, während du ihr gerade das Herz ausschüttest. Finde ich nicht so nett, zumal ich ihr ja auch gerade erst noch brav eine halbe Stunde bei ihren Schwärmereien über ihren Partner zugehört habe. Wenn die Kletten gemeinsam auftreten und regelrecht aneinander kleben, wird es noch unerträglicher. Ständiges Geknutsche oder dieses ätzende Geräusch, wenn sie sich gegenseitig ununterbrochen über den Rücken streicheln: als Single schwer ertragbar.

Ein weiterer Nachteil: Dir wird deine „Situation“ ständig bewusst gemacht. Vergebene Freunde werden plötzlich zu Experten und wollen dir einen Partner „klarmachen“ oder haben regelrecht Mitleid. Hallo? Vielleicht bin ich auch ganz gerne Single? Bei Familienfeiern schlägst du schon wieder allein auf und merkst die bemitleidenden Blicke der Verwandten: Die Arme, so ein hoffnungsloser Fall. Was auch immer ganz nett ist: Neue Bekanntschaften gehen per se davon aus, dass man vergeben ist und wenn sich das Gegenteil herausstellt, kommt ein „oh“.

Vorteile am Single-Dasein

Ganz klar: Die Freiheit und Unabhängigkeit ist ein Vorteil am Single-Dasein. Als Single muss man sich mit niemanden absprechen. Du kannst essen, was du willst, du kannst kaufen, was du willst und du kannst machen, was du willst. Spontan über das Wochenende wegfahren? Klar! Mit den Mädels die Nacht durchtanzen oder mit den Jungs von Bar zu Bar ziehen? Kein Problem! Aber nicht nur die zeitliche Unabhängigkeit, sondern auch die finanzielle Unabhängigkeit hat Vorteile. Du bist Herr über dein eigenes Geld und musst es nicht teilen. Du lernst für dich allein zu sorgen und wie du mit deinem Budget haushaltest. Wenn die nächste Beziehung auch wieder zu Bruch gehen sollte, brauchst du dir keine Sorgen um das Geld machen, weil du gelernt hast, ohne Partner genug Geld zu haben. Obendrein fördert Unabhängigkeit dein Selbstbewusstsein.

Du kannst dich benehmen, wie du möchtest. Ein Spruch unter der Gürtellinie oder ein, zwei Drinks zu viel: Kein Partner, dem dein Benehmen peinlich ist und kein vorprogrammierter Streit. Es gibt doch nichts traurigeres als Personen, die sich für ihren Partner verstellen und nicht sie selbst sind. Als Single kann dir das nicht passieren: Du bist, wer du bist und stolz drauf. Auch ständige Eifersucht bleibt dir als Single erspart.

In dieser Kolumne schreibt Carina Sichtermann über ihre Meinung zu verschiedenen Single-Themen.
In dieser Kolumne schreibt Carina Sichtermann über ihre Meinung zu verschiedenen Single-Themen. © Yvonne Blaschke © Yvonne Blaschke

Du musst dich nicht zurücknehmen und kannst mögen was du möchtest. Du möchtest stundenlang deine Serie schauen oder zocken? Als Single wird dich niemand daran hindern. Du möchtest ein Haustier aufnehmen? Als Single brauchst du auf keine potenziellen Allergien oder Abneigungen achten. Auch in Sachen Einrichtung, Kleidungsstil, Urlaubsziel oder Essensvorlieben kannst du machen und kaufen, was du möchtest. Eine Absprache oder überhaupt der Gedanke „oh, könnte ihm oder ihr das auch gefallen?“ sind gar nicht nötig. Nervige Marotten des Partners bleiben dir ebenfalls erspart.

Dein Leben ist nicht langweilig. Du kannst flirten, wann und wo du möchtest. Jede Begegnung kann dein Leben verändern. Ungebundenheit bedeutet, für alle Zufälle des Lebens bereit zu sein. Während andere nach der Arbeit schnell nach Hause zu ihrem Partner flitzen, mit dem sie dann den Rest des Abends auf der Couch verbringen, stehen dir als Single noch alle Möglichkeiten offen.

Ob die Nachteile oder Vorteile überwiegen, ändert sich je nach aktueller Einstellung zum Single-Dasein. Für mich halten sich die Nachteile und Vorteile in Waage, wobei ich mich eher auf die Vorteile konzentriere, um mit meinem Single-Status gut zurechtzukommen.