Bochums Kapitän Patrick Fabian "wie auf Entzug"

Nach langer Verletzungspause

Die Leidensgeschichte von Patrick Fabian, Kapitän des Fußball-Zweitligisten VfL Bochum, ist lang. Im April zog sich der 29-Jährige bereits zum vierten Mal in seiner Karriere einen Kreuzbandriss zu. Jetzt steht Fabian wieder auf dem Fußballplatz, trainiert mit der Mannschaft. Patrick Schröer sprach mit ihm über seine lange Pause, seine freie Zeit und sein Comeback.

BOCHUM

, 23.12.2016, 09:40 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bochums Kapitän Patrick Fabian "wie auf Entzug"

Patrick Fabian steht mittlerweile wieder auf dem Platz.

16. April, Auswärtsspiel beim FC St. Pauli, Nachspielzeit – Sie zogen sich den vierten Kreuzbandriss Ihrer Karriere zu. Was ging da in Ihnen vor?

Ich wusste schnell, dass mein Knie wieder kaputt ist. Dieses Gefühl, wenn das Kreuzband reißt, kenne ich zur Genüge. Als der Schmerz nachgelassen hat, war ich natürlich brutal enttäuscht und traurig. Im ersten Moment ist das aber noch nicht so greifbar. Du hast das Spiel 0:2 verloren und bist davon noch genervt. Die Enttäuschung kam erst nach ein paar Tagen.

Waren Sie auch wütend, fassungslos?

Nein, das nicht. Ich denke, dass es auf dieser Welt immer noch Schlimmeres gibt, als diese Verletzung. Natürlich ist eine gewisse Tragik dabei, wenn es zum vierten Mal passiert. Aber das Gefühl, das am meisten vorhanden war, war Enttäuschung, weil ich gerade in diesem Jahr mit der Mannschaft viel vor hatte.

 

Wie lange waren Sie zuvor verletzungsfrei?

Ich habe drei Jahre durchgespielt, habe über 100 Pflichtspiele gemacht. Das wäre die dritte Saison in Folge ohne Verletzung gewesen.

 

Drei Mal haben Sie sich im rechten Knie das Kreuzband gerissen, dieses Mal im linken Knie. Was wäre gewesen, wenn das rechte Knie erneut betroffen gewesen wäre?

Hätte, wäre, wenn sind Konjunktive. Ich weiß nicht, ob das für mich schwerwiegender gewesen wäre. Aus meiner Sicht ist es zum Glück das linke Knie gewesen, weil es einfacher in der Handhabung in der Rehabilitation war und ich dadurch den Glauben behalten habe, dass die Technik die im rechten Knie funktioniert hat, auch links funktioniert.

Die Verletzung liegt acht Monate zurück. Haben Sie in dieser Zeit mal über ein Karriereende nachgedacht?

Nein, gar nicht. Von Anfang an stand für mich fest, dass ich zurückkomme. In welcher Form und in welcher Stärke weiß ich auch noch nicht. Aber ich bin zurück und stehe jetzt wieder im Mannschaftstraining, daran hatte ich auch von Anfang an keinen Zweifel. Dazu macht mir das hier alles viel zu viel Spaß und ich bin zu jung, um sagen zu können: ‚Das war´s jetzt.‘

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Woraus ziehen Sie die Kraft, weiterzumachen?

Man muss das immer mit sich selber ausmachen. Man braucht aber auch ein Umfeld, das einen bestärkt und unterstützt – gerade im familiären oder freundschaftlichen Kreis. Da habe ich gute Leute um mich herum. Was mir hilft, ist eine differenzierte Sichtweise, zu schauen, wo ich mit meiner Verletzung sozusagen im Vergleich zu den Problemen der Menschheit stehe. Da ist mir klar geworden, dass es zwar nicht einfach wird, aber auch nicht so schwerwiegend ist, dass man zum Beispiel nie wieder seine Beine benutzen kann.

Wie hat die Mannschaft Sie in der Zeit unterstützt?

Unmittelbar nachdem das passiert ist, gab es eine T-Shirt-Aktion mit einer Botschaft der Mannschaft. Viele haben mich nach meiner Operation auch im Krankenhaus besucht. Da war volle Unterstützung da. Das hat mich schon berührt, weil man da auch gesehen hat, dass man menschlich nicht soviel falsch gemacht hat.

 

Was haben Sie in den acht Monaten fernab der Reha eigentlich gemacht?

Ich habe viel gemacht. Ich nutze solche Zeiten immer, um über den Tellerrand zu schauen. Wenn man als Leistungssportler auf einmal nicht mehr seiner Leidenschaft nachgehen kann, dann ist das so, als würde man jemandem die Drogen wegnehmen. Du fühlst dich wie auf Entzug, bist hibbelig und wirst unzufrieden. Man muss sich andere Aufgaben suchen.

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Welche sind das?

Ich habe mich viel mit mir selbst beschäftigt, mit meinem Körper – in diesem Fall jetzt vor allem mit Ernährung. Ich habe aber auch mein Wirtschaftsstudium abgeschlossen, und habe nebenbei noch einen Tierschutzverein gegründet.

Erzählen Sie.

Ich bin durch ein Crowdfunding-Projekt in Rumänien an Tierschützer gekommen, mit denen ich in Kontakt geblieben bin. Wir haben uns schon Anfang des Jahres dazu entschlossen, einen Verein zu gründen. Jetzt haben wir die Gründung mit einer Handvoll von Leuten durchgesetzt.

Was haben Sie mit dem Verein vor?

Der Verein dient dem allgemeinen Tierschutz. Wir wollen im In- und Ausland operieren, das Leben und die Rechte von Tieren fördern und gegen jegliche Form von Misshandlungen vorgehen.

 

Zurück zum Fußball: Am Samstag standen Sie beim FC St. Pauli erstmalig wieder im Kader - der Ort, an dem Sie sich die schwere Verletzung zugezogen haben. Was ging in Ihnen vor?

Bei der Erstellung des Spielplanes glaubt man schon, dass da höhere Kräfte am Werk waren, weil ich auf den Tag genau acht Monate und einen Tag an den Ort zurückkehre, an dem mein Kreuzband zum vierten Mal gerissen ist. Es war sehr emotional für mich - die Fahrt zum Stadion und das Einlaufen waren sehr bewegend, weil ich klar realisiert habe, was das für ein langer Weg war und was ich insgesamt geschafft habe, auch einen vierten Kreuzbandriss zu überstehen.

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In der Liga steht der VfL im Tabellenmittelfeld. Wie beurteilen Sie die Lage?

Unsere Konstante ist bislang die Inkonstanz. Das müssen wir versuchen, zu ändern. Letzten Endes haben wir eine arg gebeutelte Mannschaft, dadurch haben wir viele Rotationen in der Startelf. Wir haben aber oft gezeigt, wozu wir im Stande sind. Ich bin überzeugt, dass wir jederzeit Siege einfahren können und uns tabellarisch nach oben arbeiten. 

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