VfL Bochum steckt in der Krise - Bayern München kommt zur Unzeit

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Vor dem Duell gegen Bayern München steckt der VfL Bochum in einer tiefen Krise. Vorfreude auf das Heimspiel im DFB-Pokal ist kaum zu spüren.

Bochum

, 28.10.2019, 17:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich ist es das Highlight-Spiel der Saison. Zum Verkaufsstart im September waren die Tickets für das Aufeinandertreffen zwischen dem VfL Bochum und dem FC Bayern München schon nach kurzer Zeit vergriffen. Doch nach einem katastrophalen Saisonstart mit nur einem Sieg aus elf Ligaspielen sind viele treue Fans nur noch genervt, wenn sie an das Heimspiel im DFB-Pokal an diesem Dienstag (20 Uhr / Sport1 & Sky) denken. An eine Sensation mag derzeit kaum jemand glauben. Der einhellige Tenor in den sozialen Netzwerken: "Das verlieren wir zweistellig."

VfL-Trainer glaubt an minimale Chance

So pessimistisch sind die Verantwortlichen naturgemäß nicht. Obwohl es VfL-Trainer Thomas Reis wohl lieber wäre, wenn er sich in dieser Woche nicht damit befassen müsste, wie seine verunsicherte Zweitliga-Elf gegen das Starensemble um den Ex-Bochumer Leon Goretzka bestehen kann oder zumindest nicht untergeht. "Natürlich genießt die Liga Priorität. Aber gegen Bayern München muss jeder brennen, jeder Spieler Vollgas geben. Wer nicht an die minimale Chance glaubt, wird auch nicht spielen", sagte er in der Pressekonferenz am Montag. Reis will die Partie "so lange wie möglich offen halten."

Er hofft darauf, dass die Zuschauer unabhängig vom Spielausgang "mit einem guten Gefühl nach Hause fahren." Dass der Titelverteidiger aus München nicht in absoluter Bestform ist und Bayern-Coach Niko Kovac eine kleine Personalrotation angekündigt hat, könnte den Gastgebern vielleicht in die Karten spielen.

Reis will Lewandowski stoppen

Doch Reis, der die Mannschaft Anfang September übernommen hat, aber noch nicht wieder auf Kurs gebracht hat, muss vor allem auf die eigenen Probleme schauen. Während es offensiv zuletzt ganz gut lief, ist die Defensive die größte Baustelle im Bochumer Kader. Im Schnitt kassiert der VfL mehr als zwei Gegentreffer pro Partie. Bochums Trainer formuliert an dieser Stelle ein interessantes Ziel: "Wir brauchen mehr Kompaktheit und wollen das erste Team in dieser Saison sein, das von Robert Lewandowski kein Gegentor kassiert." Bislang war der Top-Stürmer des FC Bayern in allen 13 Pflichtspielen erfolgreich, wenn man den Supercup gegen Borussia Dortmund noch nicht berücksichtigt.

Maximaler Einsatz auf Bochumer Seite ist dafür eine Grundvoraussetzung. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, war in dieser Saison schon häufiger zu beobachten – speziell am vergangenen Freitag bei der 1:2-Niederlage in Kiel. Nach einer erschreckend schwachen Leistung kippte die Stimmung im Umfeld endgültig. "Es liegt an uns, das Vertrauen der Anhänger zurückzugewinnen", weiß auch Sebastian Schindzielorz. Nicht nur deshalb sprach der Geschäftsführer Sport des VfL am Sonntag in einer internen Sitzung zur Mannschaft und forderte Selbstverständlichkeiten ein.

Beim VfL Bochum wird viel geredet

Das ist insofern erstaunlich, weil es nur fünf Tage zuvor schon eine Aussprache zwischen Trainer Thomas Reis und den Spielern gab. Schon dabei ging es um Verhaltensweisen und eine Verbesserung der Einstellung. Zuletzt sind einige von ihnen immer wieder negativ aufgefallen, auf und neben dem Platz. Sie haben Professionalität, eine Bindung zum Verein und eine Siegermentalität vermissen lassen. Doch die Maßnahme von Reis, seinen Spielern ins Gewissen zu reden, scheint wirkungslos verpufft zu sein.

Also sah sich Bochums Sportchef am Wochenende dazu gezwungen, persönlich das Wort zu ergreifen. "Wir befinden uns im Existenzkampf und haben in Kiel alles vermissen lassen, was es braucht, um in so einem Spiel zu bestehen. Ich wollte das nicht so stehen lassen. Also gibt es jetzt noch klarere Forderungen an die Mannschaft", erklärte Schindzielorz am Montag der Öffentlichkeit. Auch seine Vorfreude auf das Pokalspiel scheint Grenzen zu kennen. Und doch fand er noch einen positiven Aspekt: "Es ist nicht mehr normal und alltäglich, gegen die Bayern zu spielen. Wir sollten dieses Spiel also irgendwie genießen." So schwer es in der momentanen Lage auch fällt.

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