Die Gründe für das Verbeek-Aus in Bochum

Viele Eskapaden

Fußball-Zweitligist VfL Bochum hat rund zweieinhalb Wochen vor dem Saisonstart die Reißleine gezogen. Die Blauweißen haben sich kurz nach der Hälfte der Sommer-Vorbereitung von Trainer Gertjan Verbeek getrennt, obwohl dessen Vertrag erst am 30. Juni 2018 ausläuft. Für den plötzlichen Schritt gibt es aber triftige Gründe.

BOCHUM

, 11.07.2017, 10:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Gründe für das Verbeek-Aus in Bochum

Gertjan Verbeek sorgte mit vielen Eskapaden für ein angespanntes Verhältnis zwischen Trainer, Mannschaft und Vereinsführung.

Verbeek hatte den VfL Ende 2014 übernommen. Vor zwei Jahren machte seine Mannschaft Furore, als sie mit fünf Siegen in die Saison 15/16 startete. Zwar verpasste Bochum dennoch den Aufstieg, doch der ist seitdem Thema an der Castroper Straße. Ebenso wie die vielen Eskapaden, die sich der eigenwillige 54-Jährige geleistet hatte.

"Arschloch"

Manch Journalisten titulierte Verbeek als „Arschloch“, anderen warf er vor, beim Training für kommende Gegner „zu spionieren“. In Testspielen kritisierte er gegnerische Trainer für deren Wechsel, pfefferte auch schon mal einen Stuhl durch die Gegend und stapfte eingeschnappt vor Spielschluss in den Mannschaftsbus.

Regelmäßig nahmen die Vereinsverantwortlichen den Trainer und dessen Ausraster in Schutz, fanden diese sogar authentisch und bisweilen positiv. Damit duldete der VfL eine anhaltend katastrophale Außendarstellung von Verbeek. Als dieser den aktuellen Trainingsauftakt am 19. Juni kurzerhand um eine Stunde vorverlegte, nahmen andere Beteiligte die Schuld auf sich.

Luthe gewährte Einblicke

Doch auch intern verhielt er sich mitunter nicht anders. Ein erstes Zeichen war schon im November 2015 ein Facebook-Post, bei dem Ex-Keeper Andreas Luthe nach dessen Entmachtung einen Eindruck vom Klima in der Bochumer Kabine gewährte. Anfang 2017 setzte Verbeek Felix Bastians überraschend als Kapitän ab. Eigentlich als Leistungsträger verpflichtete Spieler wie Marco Stiepermann schafften es nicht, unter Verbeek ihr Potenzial abzurufen.

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Mehrfach hatten sich Teile der Mannschaft über die rigiden Umgangsformen des Trainers beschwert. Endgültig kippte die Stimmung innerhalb des Klubs, als sich Verbeek während des kürzlichen Trainingslagers in den Niederlanden erneut einem Medienvertreter gegenüber in seiner Allmacht überschätzte. Zudem fassten auch einige Spieler den Mut, sich gegenüber der Vereinsführung in Bezug auf Verbeeks Verhalten zu öffnen.

Remis-Könige

Das brachte das Fass zum Überlaufen. Nach zwei trainingsfreien Tagen zog der VfL die Konsequenzen. Denn in der kommenden Spielzeit soll es endlich klappen mit dem Aufstieg. Da Verbeek sich als Fußballlehrer verstand, nicht aber als Motivator, fehlten in wichtigen Partien häufig die Prozente zum Sieg, die ein Team entscheidend pushen. Von 88 Spielen als Bochumer Trainer endete alleine 30 unentschieden, nur 31 wurden gewonnen.

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