Gertjan Verbeek steht für attraktiven Fußball

Neururer-Nachfolger

Die einen halten Gertjan Verbeek für einen harten Hund, die anderen sagen, er habe eine klare Linie. VfL-Sportvorstand Christian Hochstätter, der niederländische Trainer und deren offensiv ausgerichtete Spielweise schätzt, formuliert es folgendermaßen: "Wir haben einen Trainer gesucht, der sagt, wie es geht."

BOCHUM

von Ralf Rudzynski

, 22.12.2014, 22:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Den 1. FC Nürnberg hat Gertjan Verbeek damit in der Vorsaison zunächst aus dem Kellergeschoss der 1. Bundesliga geführt, wurde sechs Monate später aber beurlaubt. Der attraktive Fußball hatte Hochstätter dennoch imponiert. Nun hat er seinen Wunschtrainer nach Bochum lotsen können. Ab sofort steht Verbeek für eineinhalb Jahre beim VfL unter Vertrag, am 5. Januar startet er mit seiner neuen Mannschaft in die Vorbereitung auf die weitere Zweiliga-Spielzeit.

Der Verpflichtung Verbeeks folgte Hochstätters Unterschrift. Er hat seinen ohnehin noch bis zum 30. Juni 2015 laufenden Kontrakt vorzeitig um zwei Jahre bis 2017 verlängert. Hans-Peter Villis, der Aufsichtsrats-Vorsitzende des VfL, sieht in beiden Signaturen ein Signal für die Zukunft: "Wir wollen unseren Weg der sportlichen und finanziellen Konsolidierung fortführen." Die Verantwortlichen an der Castroper Straße haben die 1. Bundesliga im Auge. "Lange hat der Verein dort gespielt. Bochum ist ein Traditionsverein", weiß Verbeek, der in regelmäßigem Kontakt mit dem früheren Bochumer Abwehrspieler Rob Reekers steht, den VfL aber auch selbst seit einiger Zeit im Blick hat.

So misst er den schwachen Auftritten aus den letzten beiden Heimspielen gegen Aue (1:1) und St. Pauli (3:3), die er live im Stadion verfolgte, keinen zu hohen Stellenwert bei. "Ich glaube nicht, dass die letzten Spiele ein Maßstab sind", lässt sich der 52-Jährige nicht beeindrucken, sondern weiß, wie sehr Erfolge und Misserfolge eine Elf beeinflussen können."Die Mannschaft ist auch gegen Aue gut gestartet, hat aber eine Chance nicht genutzt. In der zweiten Halbzeit hat sie gekämpft und einige Spieler sind aufgestanden. Die Mannschaft ist physisch gut drauf", attestiert Verbeek und zeigt auf, wo die Hebel anzusetzen sind: "Was fehlt, sind die letzten 15 bis 20 Prozent mentaler Qualität. Selbstvertrauen bekommt man nur mit guten Ergebnissen. Davon hat es in den letzten Wochen nicht viele gegeben, aber in den ersten sechs, sieben Saisonpartien hat die Mannschaft gut gespielt."

Zu offensivem, erfolgreichem Fußball will er den VfL Bochum wieder führen: "Fußball macht nur Spaß, wenn man den Ball hat. Wenn wir den Ball verlieren, müssen alle daran arbeiten, den Ball schnell wieder zurückzuholen. Diese Zusammenarbeit muss gut und die Ausrichtung muss nach vorne sein. Wir wollen einen neuen Anfang machen, und dann werden wir sehen, was möglich ist." Mit Ausnahme des ab Januar spielberechtigten Felix Bastian geht der VfL ohne personelle Veränderungen in die restliche Spielzeit. "Wir müssen sehen, was wir aus der Mannschaft holen können. Es ist ein Prozess, dass sich die Spieler und eine Mannschaft weiterentwickeln", sagt Gertjan Verbeek, der von den Akteuren mehr Kommunikation auf dem Platz einfordert.

Seine Herausforderung sieht der neue Trainer darin, die Mannschaft "attraktiven Fußball spielen zu lassen und mehr Punkte zu holen". Insgesamt elf Remis und nur ein Heimsieg sind nicht das, was man sich vorstellt. "Mit elf Unentschieden kommt man nicht von der Stelle. Das Stadion muss eine Festung werden. Wenn die Gegner hierhin kommen, müssen sie Angst haben. Es muss dünn aus der Hose laufen."

Verbeek geht ambitioniert an seine Aufgabe heran und teilt den Bochumer Kurs. "Wir wollen so schnell wie möglich in der 1. Liga spielen", gibt er sich zielorientiert. Der neue Coach packt an. Dabei hat nicht nur Verbeeks Fußball-Philosophie den VfL-Vorstand beeindruckt, wie Christian Hochstätter verrät: "Nach der Beurlaubung von Peter Neururer haben wir uns zweimal getroffen; das erste Mal bei ihm Zuhause in der Nähe von Zwolle. Dort hat er mit seinen eigenen Händen in einem Wald ein Haus gebaut. Das hat mich überzeugt, dass so jemand beim VfL Bochum auch eine Mannschaft aufbauen kann.“

Gertjan Verbeek hat in Raymond Libregts einen eigenen Co-Trainer mitgebracht. Dadurch ist die Zukunft des zuletzt als Interimstrainer tätigen Frank Heinemann offen. Nicht zuletzt durch seine gute Arbeit während der Übergangsphase von Neururer zu Verbeek hat Heinemann die Verantwortlichen überzeugt. Das Bochumer Urgestein hat sich allerdings Bedenkzeit erbeten, ob bzw. in welcher Funktion er sich eine weitere Verbindung vorstellen kann. "Ich hoffe, dass wir zeitnah zu einer Lösung kommen", betont Christian Hochstätter.

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