Peter Neururer über Balance im Klub und im Revier

Das Interview

Peter Neururer (58) hat im April und Mai in einem Kraftakt den VfL Bochum noch zum Klassenerhalt in der 2. Liga geführt. Im Interview mit Dirk Krampe spricht der Trainer über das Verhältnis zu den Nachbarn Schalke und Dortmund, eine neue Aufbruchsstimmung in Bochum und die Rückkehr in die Bundesliga.

SAN PEDRO DEL PINATAR

, 16.01.2014, 10:01 Uhr / Lesedauer: 4 min
Peter Neururer will mit dem VfL Bochum mittelfristig in die erste Liga.

Peter Neururer will mit dem VfL Bochum mittelfristig in die erste Liga.

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Wir haben 16 Spieler abgegeben, nachdem wir die Klasse gesichert hatten. Das war ein notwendiger, aber eben auch ein riesengroßer Schnitt.  Ich weiß, dass der ein oder andere immer noch träumt. Das ist auch okay. Wir aber müssen realistisch bleiben.

Absolut. Auswärts sind wir mehr als im Plan. 

Wir haben bis auf das Heimspiel gegen Union Berlin gegen alle Teams, die über uns stehen, gut ausgesehen. Wir sind im Stande, hervorragend auf einen Gegner zu reagieren. Aber wir können noch nicht über eine längere Strecke Spiele selbst gestalten und sie in der Hand behalten. Daran arbeiten wir. 

Jede Niederlage tut weh. Berlin, das war ein Tag, der kann mal, darf aber auch nicht so oft passieren. Aalen und Ingolstadt waren Spiele, da haben wir ordentlich gespielt, da waren wir über weite Strecken überlegen. Das waren unglückliche Niederlagen. Auch solche Spiele gehören aber zur Entwicklung einer Mannschaft.

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Wir machen das nicht aus blindem Aktionismus. Wir haben das Glück, dass wir viele großartige Talente im Nachwuchsbereich haben.

Man braucht die gesunde Mischung. Es kann nicht sein, dass sämtliche Verantwortung nur auf den Schultern der Jungen liegt. 

Das ist schwer vorstellbar. Die Spieler müssen uns ja auch weiterhelfen. Bei allem Respekt: Wo ist der Unterschied zwischen der Schalker und der Bochumer U23? Ich sehe keinen. Wir sind auch darunter im Nachwuchsbereich, wenn alle U19- und U17-Spieler dort auch spielen, sicher auf Augenhöhe mit Schalke und dem BVB. Und die Jungs fühlen sich hier wohl, sie erkennen die Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Teams und die Chancen, die sich daraus für sie ergeben.

Das kann man offen sagen: Am Ende des Tages konnten wir nicht das bezahlen, was er in Ingolstadt verdienen konnte. Wir haben nun mal keine große Automarke auf der Brust.  

Schauen Sie mal in unsere U17. Schauen Sie mal, wie viele U-Nationalspieler wir im Nachwuchsbereich haben. Wir haben etliche gute Jungs bei uns.

Man muss zunächst sagen, dass dort einige aufgeführt sind, die bei der U23 spielen und sich dort entwickeln sollen. Aber es ist richtig, wenn wir Spieler abgeben könnten, würden wir darüber nachdenken. 

Das ist die Frage. Punkt eins ist, was wollen die Spieler? Die müssen sich zu uns bekennen. Momentan sieht es so aus, dass beide bleiben wollen, sie fühlen sich jedenfalls wohl. Wir müssen dann abklopfen, ob das machbar ist. 

Im Gegenteil. Wir stehen im Moment wieder auf. Wir werden wieder wahrgenommen, wir sind in der Öffentlichkeit wieder ein Thema.

An allem. An der Stimmungslage im Klub, an der Stimmung im Stadion. Wir haben Zuschauerzuwachs, der VfL Bochum ist im Begriff, sich zu entwickeln. Das spüren die Leute. Auch zwischen Großklubs wie Dortmund und Schalke kann man sich entwickeln. Die Nische ist groß genug.

Da ist Platz genug, keine Angst. Wir haben ein gutes Stadion, fantastische Trainingsbedingungen, die schon erstklassig sind. Jetzt müssen wir die Mannschaft dahin entwickeln.

Nee, nee. Der Zeitpunkt ist vielleicht mit der Rückkehr meiner Person verknüpft. Es ist der Verein, der das aus sich heraus in Angriff nimmt. 

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Testspiel: BVB - VfL Bochum 2:1 (1:0)

Bilder des Testspiels zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Bochum.
14.01.2014
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Mirkan Aydin (l.) gegen Manuel Friedrich.© Foto: DeFodi
Roman Weidenfeller kratzt den Ball von der Linie.© Foto: DeFodi
Fabian Holthaus, Manuel Friedrich und Lukasz Piszczek (v.l.) im Luftduell.© Foto: DeFodi
Oliver Kirch (r.) spitzelt VfL-Torschütze Sven Kreyer den Ball vom Fuß.© Foto: DeFodi
Voller Einsatz: BVB-Kapitän Sebastian Kehl (r.).© Foto: DeFodi
Nach der Halbzeit eingewechselt: Julian Schieber (l.).© Foto: DeFodi
Henrikh Mkhitaryan (r.) im Duell mit Piotr Cwielong.© Foto: DeFodi
Nuri Sahin (l.) gewinnt das Luftduell gegen Danny Latza.© Foto: DeFodi
Manuel Friedrich (l.) springt höher als Mirkan Aydin.© Foto: DeFodi
Robert Lewandowski (r.) im Duell mit Florian Jungwirth.© Foto: DeFodi
Jakub Blaszczykowski (r.) kam in den zweiten 45 Minuten zum Einsatz.© Foto: DeFodi
Marco Reus (r.) setzt sich gegen Ken Ilsö durch.© Foto: DeFodi
Jonas Hofmann (M.) springt in dieser Szene am höchsten.© Foto: DeFodi
Fachgespräch zwischen Jürgen Klopp (l.) und Peter Neururer.© Foto: DeFodi
Henrikh Mkhitaryan (r.) behauptet den Ball gegen Richard Sukuta-Pasu.© Foto: DeFodi
Zweikampf zwischen Jonas Hofmann (l.) und Piotr Cwielong.© Foto: DeFodi

Nochmal, vielleicht hat sich das Wir-Gefühl in Verbindung mit mir entwickelt. Die Aktion „Wir bleiben drin! Aber nur mit Dir!“ zum Beispiel aber ist unabhängig von meiner Person entstanden. Die Fans haben eingesehen, dass es nur gemeinsam geht. Und wir hatten auch Glück, so ehrlich muss man sein. 

Die Arbeit ist für mich reines Vergnügen. Man muss authentisch bleiben, das ist richtig. Vielleicht schätzen das die Leute an mir. Mein Vater hat mir immer gesagt, Junge, spiel‘  nicht irgendwas vor, bleib, wie du bist. Und es stimmt, mit meinen Aussagen bekäme ich sicher keine Anstellung im diplomatischen Dienst (lacht).

Da sage ich mal das, was alle Vereinsvorstände gerne hören: offensiver, attraktiver Fußball. Aber dafür braucht man natürlich die richtigen Spieler. Und die richtige Balance. Die wiederum habe ich nur, wenn die Qualität auch da ist.

Die Frage ist, wie viel Zeit hat man? Ich hoffe, dass wir früh die Klasse halten. Dann machen wir einen Kassensturz. Ich möchte einen Großteil der Truppe halten. Stand jetzt sollen um die vier neuen Leute dazukommen. Dann müssten wir, wenn ich die Qualität der Liga sehe, den nächsten Schritt machen können. Sprich, oben mitspielen. Und wer oben mitspielen kann, der kann auch aufsteigen. Das muss unser mittelfristiges Ziel sein.

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