Schwenken: Zu hohe Ansprüche

Ursachenforschung

BOCHUM Neben einem neuen Trainer sucht der VfL Bochum nach seinem sechsten Abstieg in die Zweitklassigkeit auch weiter nach Ursachen für das angespannte Verhältnis zwischen Fans und Verein.

von Von Uli Kienel

, 10.05.2010, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
VfL-Vorstand Ansgar Schwenken.

VfL-Vorstand Ansgar Schwenken.

Ansgar Schwenken, Finanzvorstand des VfL, vermutet in der Anhängerschaft eine Erwartungshaltung und ein Anspruchsdenken, das keine realistischen Züge mehr trägt. In der Beziehung zwischen Fans und VfL sei es wichtig, so Schwenken, "dass wir realistisch bleiben. Wir spielen zwar im Herzen von Fußballdeutschland, werden uns hier im Revier aber nie aus der Umklammerung der beiden großen Nachbarn lösen können. Das ist einfach ein Fakt."

Für den VfL Bochum müsse es als Erfolg gewertet werden, "wenn er sich in der ersten Liga halten kann und zu den Besten im letzten Drittel der Tabelle gehört", betont der Finanzvorstand. Das sei unter Trainer Marcel Koller immer erreicht worden, trotzdem habe ihm das Publikum keine Sympathien entgegen gebracht. "Ich weiß nicht, wie man erwarten kann, dass der VfL, nachdem er vier Jahre das Klassenziel erreicht hat, plötzlich mit aller Macht unter die ersten Zehn der Bundesliga kommen soll", erklärte Schwenken. "Das ist kaum möglich und wird auch in Zukunft nicht machbar sein. In Bochum sollte man sich freuen können, wenn man an dem einen oder anderen Spieltag spektakuläre Siege erzielt und am Ende einer Saison den Klassenerhalt feiern kann."22-Millionen-Etat

In diesem Jahr ist das nicht gelungen. Trotzdem kann Schwenken, der den Verein in den vergangenen Erstliga-Jahren finanziell auf solide Beine gestellt hat, die kommende Zweitliga-Spielzeit mit einem 22-Millionen-Etat bestreiten und damit zumindest im wirtschaftlichen Bereich Voraussetzungen anbieten, die einen direkten Wiederaufstieg möglich erscheinen lassen. Szenarien, wie sie sich aktuell bei den ehemaligen Erstligisten Arminia Bielefeld oder Alemannia Aachen abspielen, sind deshalb in Bochum vorerst nicht zu befürchten.Kein Spieler unverkäuflich

Wobei Spielertransfers zur Verbesserung der wirtschaftlichen und damit letztendlich auch sportlichen Situation grundsätzlich nicht ausgeschlossen sind. "Kein Spieler beim VfL Bochum ist unverkäuflich", sagt Schwenken deshalb. "Außerdem werden wir genau sondieren, wer die klare Überzeugung hat, den Bockmist, den er über eine ganze Saison angerichtet hat, auch wieder auszubügeln."

Offenbar nicht mehr bereit dazu ist Mittelfeldspieler Mimoun Azaouagh, der gegenüber dem "Kicker" erklärte, dass er den Verein verlassen wolle, weil er in Bochum keinen Rückhalt spürt. Azaouagh besitzt beim VfL aber noch einen Vertrag bis 2012. Demnach muss der VfL-Profi einen Verein bringen, der bereit ist, eine entsprechende Transferentschädigung zu zahlen. Da sie mit ihren Leistungen in der vergangenen Saison jedoch keine Werbung in eigener Sache betrieben haben, deuten sich zähe Verhandlungsrunden an.

Zügig handeln muss der VfL unterdessen bei der Verpflichtung eines neuen Trainers. Letztendlich hängt in besonderem Maß von dieser Personalie die Gestaltung des Spielerkaders für die neue Saison ab.