Sportvorstand Todt über verpasste und neue Ziele

Das Interview

Satte 21 Punkte hinter Tabellenführer Fortuna Düsseldorf, fünf Heimniederlagen in neun Partien, nur Platz zehn zum Ende der Hinrunde für den ambitionierten Zweitligisten VfL Bochum – der Aufstiegstraum ist jäh geplatzt. Jens Todt hat als Sportvorstand des Klubs ein erstes halbes Jahr an der Castroper Straße hinter sich, das mehr Tiefen als Höhen bot.

BOCHUM

von Von Sascha Klaverkamp und Uli Kienel

, 08.12.2011, 23:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Stellt sich den Medienvertretern: Jens Todt.

Stellt sich den Medienvertretern: Jens Todt.

Wir sind in der Hinrunde hinter den Erwartungen zurückgeblieben, keine Frage. Wir hatten andere Saisonziele. Aber wir haben die Kurve gekriegt. Wir sind auf dem Weg, hier etwas zu entwickeln.

Einerseits an der Dramaturgie. Ich glaube, dass es für Mannschaften, die ein Ziel in einer Saison knapp verpasst haben, schwierig ist. Unser im Vorjahr knapp verpasster Aufstieg gab eine kleine psychologische Delle. Andererseits haben wir uns von der Rückrunde der Vorsaison etwas blenden lassen. Diese Siegesserie war außergewöhnlich, schwer zu wiederholen. Dazu kam noch Verletzungspech, wir sind in eine Negativspirale gekommen, die Verunsicherung ist gewachsen über Wochen. Umso zufriedener bin ich, dass wir wieder auf dem richtigen Weg sind. Das ist nicht immer am Ergebnis ablesbar. Aber so, wie die Mannschaft aufgetreten ist, sehe ich eine positive Entwicklung.

Über den Aufstieg müssen wir in dieser Saison nicht mehr reden. Wir müssen erstmal das sichere Fahrwasser erreichen, das hat jetzt Priorität. Den Umbruch, in dem wir uns befinden, sollten wir nicht unterschätzen. Das ist ein Prozess.

Es gibt kein Naturgesetz, dass Bochum sofort wieder aufsteigt. Der Gedanke ist aber stark in den Köpfen drin. Klappt es nicht mit dem Aufstieg, ist alles Grütze. So einfach ist es aber nicht. Unsere Mannschaft geht jetzt besser damit um, hatte aber vorher große Schwierigkeiten damit, den eigenen und den Erwartungen der Fans gerecht zu werden. Sie ist auf dem Platz merklich verkrampft aufgetreten.

Ich wünsche mir natürlich, dass hier jede Woche die Hütte brennt. Aber wir haben den Weg erst halb beschritten. Beispiele anderer Vereine wie Düsseldorf zeigen: Wenn sie durch zwei, drei harte Jahre gehen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit immens, dass sie Erfolg haben. Fußballerisch und in punkto Zuschauerinteresse.

Vor allem müssen wir Alternativen auf den Außenbahnen haben. Wir tun unseren jungen Spielern Björn Kopplin und Matthias Ostrzolek dort keinen Gefallen, wenn sie durchspielen müssen. Es ist klar, dass junge Spieler auch mal durch ein Tief gehen, dann tut eine Pause gut.

Wir können jetzt schon absehen, dass es finanziell nicht leichter wird. Unser Etat wird schrumpfen. Angesichts von zehn auslaufenden Profi-Verträgen in unserem Kader wird es sicherlich Veränderung geben. Auf der einen Seite ist eine Blutauffrischung, nötig, auf der anderen Seite hat jeder in der Rückrunde die Chance, sich durch gute Leistungen für eine Vertragsverlängerung zu empfehlen. In erster Linie wollen wir die im Schnitt junge Mannschaft weiterentwickeln.

Er hat nicht so viel getroffen zuletzt, aber er arbeitet richtig gut für die Mannschaft, fühlt sich wohl. Wir werden noch vor Weihnachten ein Vertragsgespräch mit ihm und seinem Berater führen. Ich fände es gut, wenn er bei uns bliebe.

Wir haben auch andere Profis , die viel Qualität besitzen. Jedoch geben wir keine Spieler auf den Markt. Aber es stimmt: Erst, wenn uns jemand im Winter verlassen sollte, werden wir Spieler verpflichten.

Pokaleinnahmen sind schon wichtig für uns. Aber selbst, wenn wir die Runde überstehen würden, wären nicht plötzlich Riesenmöglichkeiten da, Transfers zu tätigen.

Völlig unabhängig vom Ausgang der Partie ist das Jahr nicht verloren. Mir geht es um die grundsätzliche Entwicklung des VfL Bochum. Und die sehe ich positiv – ohne jeden Zweifel.