VfL Bochum will Profiabteilung ausgliedern

Abstimmung erfolgt im Herbst

Nach dem Vorbild anderer Klubs will demnächst auch Fußball-Zweitligist VfL Bochum seine Lizenzspielerabteilung ausgliedern und eine Kapitalgesellschaft (GmbH & Co. KGaA) gründen. Am Dienstag fand dazu die erste Informations-Veranstaltung für die Mitglieder statt. Von diesen waren rund 600 im Ruhrcongress neben dem Ruhrstadion erschienen.

BOCHUM

, 02.05.2017, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
VfL Bochum will Profiabteilung ausgliedern

Der VfL Bochum will seine Lizenzspielerabteilung ausgliedern und eine Kapitalgesellschaft auf Aktien (KGaA) gründen.

Durch die Ausgliederung will der VfL eine Anschubfinanzierung generieren, um damit bessere wirtschaftliche Voraussetzungen zu haben. Denn das Ziel ist die Rückkehr in die 1. Bundesliga. „Wir wollen den Aufstieg. So schnell wie möglich“, versicherte VfL-Finanzvorstand Wilken Engelbracht.

TV-Schere geht auseinander

Dass der VfL Bochum den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zum jetzigen Zeitpunkt in eine Kapitalgesellschaft umwandeln will, ist in erster Linie in den künftigen TV-Verträgen begründet. Zwar fließen laut Engelbracht dadurch circa 300 Millionen Euro mehr an die Profivereine, doch nicht zu gleichen Teilen. „Die Schere in der 2. Liga geht weiter auseinander“, sagte Engelbracht.

Bei der Jahreshauptversammlung im Oktober 2016 hatte die Klubführung erstmals die Überlegung einer Ausgliederung öffentlich gemacht. Um möglichst viele Mitglieder zu erreichen, bietet der Klub am 7. Juni eine weitere Veranstaltung an. Inhaltlich wird sie identisch mit der heutigen sein. Gegebenenfalls wird es sogar noch eine dritte Auflage geben.

Die Abstimmung über eine mögliche Ausgliederung erfolgt allerdings erst bei der Jahreshauptversammlung im Herbst diesen Jahres. Um die Pläne umzusetzen, braucht die Vereinsführung dann die Zustimmung von 75 Prozent der Mitglieder.

 

Dem VfL könnten für seinen Etat im Vergleich mit Vereinen, die im TV-Ranking besser dastehen, vier Millionen Euro pro Saison fehlen. „In der 2. Liga ist das ein Riesenhebel“, betonte Engelbracht und zeigte auf: „Mit einer solchen Summe könnten wir vier oder fünf Top-Verdiener halten oder holen, die Bank mit ähnlicher Qualität bestücken wie bei einem Top-Kader und mögliche Ablösesummen zahlen.“

"VfL wird Identität nicht verlieren"

Kritiker der Ausgliederung befürchten, dass ein Investor zu viel Einfluss auf Entscheidungen nehmen könnte. „Ein Gesellschafter kann ins Präsidium berufen werden, hat darauf aber kein Recht“, erklärte Engelbracht und merkte an: „Bei Entscheidungen kann er zudem nicht Zünglein an der Waage sein. Wir werden nicht die Identität und die Kontrolle verlieren!“

Die VfL-Verantwortlichen sagten zudem, dass Investoren bei anderen Vereinen wie 1860 München oder dem Hamburger SV deshalb Einfluss hätten, weil sie auch mit Darlehen ausgeholfen hätten. Das schließt Wilken Engelbracht für Bochum aus: „Wir suchen Eigenkapital. Wir werden kein Darlehen aufnehmen!“

Es geht um 20 Millionen Euro

Der VfL bringt sein sogenanntes Sachkapital in die Kapitalgesellschaft mit ein, Investor ist er selbst nicht. Als Zielgruppe haben die Blauweißen aktuell Bochumer Privatpersonen im Auge, die ein Unternehmen führen. Insgesamt soll durch die Ausgliederung auf fünf Jahre verteiltes Kapital in Höhe von 20 Millionen Euro zusammenkommen.

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Ein weiteres Ziel ist es, den VfL wirtschaftlich abzusichern und finanzielle Rücklagen zu bilden. Einer Kapitalgesellschaft ist das unbegrenzt möglich, einem gemeinnützigen Verein nur bis zu einem Anteil von maximal zehn Prozent eines erwirtschafteten Gewinns.

Trotz aller Ambitionen verschließen die Verantwortlichen nicht den Blick vor dem Worst-Case-Szenario eines Abstiegs in die 3. Liga. In diesem Fall würden mit einem Mal sage und schreibe neun Millionen Euro aus TV-Einnahmen fehlen. Als Kapitalgesellschaft könnte das möglicherweise eher abgefedert werden.

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