Neuzugänge beim VfL Bochum? "Experten erinnern uns täglich"

rnSchindzielorz im Interview

Sebastian Schindzielorz, Manager des VfL Bochum, blickt im Interview auf ein Fußballjahr voller Enttäuschungen zurück. Zurzeit steckt sein Klub im Abstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga.

Bochum

, 31.12.2019, 07:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Im exklusiven Interview spricht Sebastian Schindzielorz über schlechte Ergebnisse, die Fans und mögliche Wintertransfers.

Herr Schindzielorz, steht die Niederlage gegen Regensburg sinnbildlich für ein enttäuschendes Fußballjahr aus Bochumer Sicht?

Wir haben in diesem Jahr eindeutig zu wenig Punkte geholt. Das war schon in der Rückrunde der vergangenen Saison der Fall. Leider hat sich das nach dem Sommer fortgesetzt. Seit dem Pokalspiel gegen Bayern München Ende Oktober war die Tendenz eigentlich positiv. Deshalb ist es extrem ärgerlich und absolut enttäuschend, dass wir das Jahr mit einer Niederlage beendet haben.

Warum war vor allem der Saisonstart so schlecht? Den ersten Sieg gab es erst am neunten Spieltag.

Uns sind im Sommer viele Stammspieler der letzten Jahre weggebrochen, teils unfreiwillig, teilweise aber auch, weil wir auf eine Veränderung gedrängt haben. Das neue Team hatte zu Saisonbeginn noch keine Stabilität. Da war sehr schnell Druck auf dem Kessel. Der Trainerwechsel von Robin Dutt zu Thomas Reis hat zudem vieles neu geordnet.

Der VfL überwintert jetzt nur knapp über dem Strich. Was heißt das für die Rückrunde?

Wir müssen höllisch aufpassen. Die Liga ist extrem ausgeglichen, es kommt auf Kleinigkeiten an. Entscheidend ist, dass wir im neuen Jahr konstanter werden, Siege einfahren und den Zusammenhalt weiter stärken.

Sie sprechen es an. Teamgeist und Siegeswille können in dieser Liga ein echter Faktor sein. Ist das beim VfL wirklich der Fall?

Mir wird öffentlich zu oft über die Mentalität diskutiert, nicht nur beim VfL. Häufig werden andere Fehler mit angeblich fehlender Einstellung verwechselt. Nehmen wir unser Spiel gegen Hannover und die zweite Halbzeit. Da sind wir unter Druck geraten und waren nicht mehr so stark wie in den ersten 45 Minuten. Aber nicht, weil uns die Mentalität gefehlt hat, sondern weil der Gegner stärker wurde, weil er taktisch umgestellt hat. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Mannschaft die notwendige Mentalität hat. Und auch die Qualität.

Gewagte These, oder? Allein Ende Oktober gab es zwei interne Ansprachen. Bei diesen Sitzungen soll auch es um Verhaltensweisen und mehr Professionalität gegangen sein. Steht das nicht im Widerspruch zueinander?

Nein, denn Thomas Reis, unser neuer Cheftrainer, war zu diesem Zeitpunkt einige Wochen bei uns und hat gemerkt, wo er eingreifen muss. Er hat Abläufe verfeinert und einige Regeln verändert. Auch ich habe zur Mannschaft gesprochen und ihr erklärt, in welcher Situation wir uns befinden. Darum ging es.

Aber warum war das überhaupt notwendig? War die Mannschaftsführung vorher zu lasch?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Es gibt Mannschaften und Situationen, da ist eine längere Leine in Ordnung. Manchmal müssen die Zügel aber etwas angezogen werden. Jeder Trainer hat da seine eigenen Vorstellungen, und die unterscheiden sich manchmal. Thomas Reis strukturiert einen Trainingstag zum Beispiel anders als Robin Dutt.

Intern wurde auch das Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans thematisiert. Was wird getan, um die Bindung zu stärken?

Positive Ergebnisse sind immer hilfreich. Ansonsten ist zum Beispiel unser Fanbeauftragter viel häufiger in der Kabine, spricht mit Spielern und erklärt Reaktionen der Fans. Außerdem haben wir klar vereinbart, nach jedem Spiel in die Kurve zu gehen, um uns für die Unterstützung zu bedanken. Das muss eine Selbstverständlichkeit sein.

Um sportlich und charakterlich die richtigen Spieler zu finden, ist Scouting unerlässlich. Darüber wurde im Umfeld zuletzt immer wieder diskutiert. Ist der VfL in diesem Bereich optimal und noch zeitgemäß aufgestellt?

Scouting ist ein sehr komplexes Thema. Wir nutzen viele Daten, eine Art virtuelle Transferbörse zum Austausch mit anderen Klubs und moderne Software, mit der wir Zugriff auf Videos von Spielern aus aller Welt haben. Das hilft uns enorm, spart Zeit und Reisekosten. Wichtig ist natürlich auch ein gutes Netzwerk. Trotzdem wollen wir die Scouting-Abteilung personell stärken.

Worauf warten Sie dann?

Ein gutes Konzept, die richtigen Leute und die Finanzen: Das sind die drei Kernkomponenten, um die es geht. Dieser Prozess läuft seit geraumer Zeit, auch in Abstimmung mit dem Präsidium. Im ersten Schritt brauchen wir die wirtschaftlichen Mittel dafür. Abhängig sind wir vor allem von den Fernsehgeldern.

Aber ist das nicht ein Teufelskreis? Mal angenommen, der VfL landet am Saisonende relativ weit unten in der Tabelle. Dann ist kein Geld für das Scouting da? Das ist doch eine Investition in die Zukunft.

Natürlich ist das eine Investition, aber keine, die mit ein paar tausend Euro erledigt wäre. Wir reden hier von anderen Summen. Uns ist auch klar: Wenn wir einen guten Spieler entdecken, der sich schneller entwickelt als der Klub, gibt es meist eine Chance, ihn für eine gute Ablöse wieder zu verkaufen. Es ist ein Hebel, um zusätzliche Gelder zu generieren. Deshalb streben wir ja auch eine Weiterentwicklung des Scoutings an.

Wenn wir schon bei Transfers sind: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie im Winter noch einmal aktiv werden?

Das ist schwierig zu beziffern. Ich formuliere es mal so: Wenn es wirtschaftlich machbar ist und ein interessanter Spieler zu haben ist, dann können wir uns eine Verpflichtung vorstellen. Das sieht Thomas Reis ganz genauso. Aber es ist auch möglich, dass wir ohne Veränderungen in die Rückrunde gehen.

Das klingt noch ziemlich unkonkret. Sie müssen doch wissen, auf welchen Positionen Bedarf besteht.

Wir werden ja nahezu täglich von den Experten daran erinnert. In den Medien lese ich viele Appelle. Offensichtlich ist, dass wir zu viele Gegentore kassiert haben. Aber es wäre falsch, das allein der Abwehr anzulasten. Entscheidend ist die Balance des gesamten Teams.

Und wie schaut es mit Abgängen aus?

Wir führen permanent Gespräche mit unseren Spielern. Wenn wir es für jemanden nur wenige Einsatzchancen gibt, werden wir eine Lösung finden. Für die Gruppendynamik ist es sicher gut, wenn der Kader nicht zu groß ist.

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