VfL treibt Pläne zur Ausgliederung der Profis voran

Fragen und Antworten

Am Montag ist der VfL Bochum in die Vorbereitungen auf die anstehende Spielzeit gestartet. Doch der Blick des Fußball-Zweitligisten geht noch ein Stückchen weiter in die Zukunft. Der VfL möchte seine Lizenzspielerabteilung aus dem eingetragenen Verein ausgliedern.

BOCHUM

, 20.06.2017, 11:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
VfL treibt Pläne zur Ausgliederung der Profis voran

Die düsteren Zweitliga-Zeiten sollen für den VfL Bochum zu Ende gehen. Der Verein will wieder nach oben. Um die finanzielle Lücke zu den Topteams der Liga nicht zu groß werden zu lassen, planen die Bochumer die Ausgliederung der Profiabteilung.

Durch die Gründung einer Kapitalgesellschaft (GmbH & Co. KGaA) versprechen sich die Verantwortlichen bessere wirtschaftliche Bedingungen. Vereine wie FC Augsburg, der 1. FC Köln, MSV Duisburg oder Werder Bremen haben das vom VfL gewählte Modell bereits umgesetzt. 

 

Was würde bei einer Ausgliederung passieren?

Der VfL will seinen wirtschaftlichen Betrieb (unter anderem Profibereich, Verwaltung) vom ideellen Bereich (unter anderem Mitglieder, Nachwuchs bis U 14) trennen. Dabei würde der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb ausgegliedert und eine Kapitalgesellschaft gegründet. Sie bestünde aus einer Geschäftsführungs-GmbH, in der Sportvorstand und Finanzvorstand für das operative Tagesgeschäft verantwortlich wären, und einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Nur an der KGaA können sich Gesellschafter mit Investitionen beteiligen. Das soll dem VfL eine Kapitalerhöhung bringen.

 

Warum will der VfL eine Ausgliederung?

Übergeordnetes Ziel ist die Rückkehr in die Bundesliga. Um sich einen Spielerkader leisten zu können, mit dem sich der VfL größere Chancen auf den Aufstieg erhofft, fehlt es dem mit etwa 4,5 Millionen Euro verschuldeten Verein an Geld. Dieses soll durch das Modell einer Kapitalgesellschaft erschlossen werden. Der VfL will mit den Einnahmen die Lücke ausgleichen, die durch den neuen TV-Vertrag entsteht. Zwar bekommt Bochum in Summe mehr, doch in Relation zu den Topteams der 2. Liga, die noch mehr Fernsehgeld erhalten, könnten pro Saison bis zu fünf Millionen Euro fehlen. Ziel ist, durch eine Ausgliederung insgesamt 20 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre einzunehmen.

 

Wie werden die Mitglieder über die Ausgliederungspläne informiert?

Erstmals hat der VfL bei der Mitgliederversammlung im Oktober 2016 das Thema angeschnitten. An zwei Infoabenden hat der Klub den Mitgliedern das Konzept vorgestellt und Fragen beantwortet. Am 2. Mai kamen 550 Beitragszahler, am 7. Juni etwa 400. Ein weiterer Abend mit zusätzlicher Diskussionsrunde folgt am 31. August.

 

Gibt es Kritiker einer Ausgliederung?

Ja. Initiativen wie die Gruppe „echt VfL“ sehen die Gefahr, dass ein Investor zu viel Macht erhält und Einfluss auf Entscheidungen nehmen könnte. Zudem befürchten die Kritiker, dass der VfL durch die Ausgliederung seine Identität verliert. Finanzvorstand Wilken Engelbracht versichert: „Der VfL wird weiterhin das gallische Dorf bleiben. Wir werden Identität und Kontrolle nicht verlieren. Wir suchen nur etwas Zaubertrank, denn für den VfL wären 20 Millionen viel Geld.“ Mit Blick auf die Ereignisse bei 1860 München – hier griff „Löwen“-Investor Hasan Ismaik massiv ins operative Geschäft ein – erklärt Engelbracht: „Dort hat ein Investor Einfluss nehmen können, weil er mit Darlehen ausgeholfen hatte. Wir suchen Eigenkapital, wir werden kein Darlehen aufnehmen!“

 

Wie soll die Einflussnahme eines Investors auf das Tagesgeschäft verhindert werden?

Ein Investor kann keinen Einfluss auf die GmbH nehmen, sondern nur in die KGaA investieren. Er kann zwar ins Präsidium des VfL berufen werden, hat darauf aber kein Anrecht und darf bei Entscheidungen mit seiner Stimme nicht zum Zünglein an der Waage werden.

 

Verlieren die Mitglieder ihre Macht?

Die Mitglieder wählen weiterhin das Präsidium als Vereinsführung. Das Präsidium steht über der Geschäftsführung. „Unsere Mitglieder behalten ihre Rechte“, sagt Engelbracht.

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Wann soll die Ausgliederung geschehen?

Bei der Jahreshauptversammlung im Oktober haben die Mitglieder die Entscheidung in ihren Händen. Für die Ausgliederung müssen dann 75 Prozent der anwesenden Mitglieder stimmen.

 

Wird der VfL die 75 Prozent erreichen?

Das ist schwer zu beurteilen. Die Infoveranstaltungen werden gut angenommen, auf ihnen legte vor allem Engelbracht die Pläne ausführlich dar. Er sagte selbst, dass 75 Prozent eine Herausforderung seien. „Es gibt wenige Entscheidungen, die von so großer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung unseres Vereins sind.“

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