Villis-Interview: VfL-Boss über den Start, die Ultras und Investoren

rnExklusives Gespräch

Der VfL Bochum könnte noch in diesem Jahr externe Geldgeber vorstellen. Im Exklusiv-Interview spricht Klubchef Hans-Peter Villis von "konkreten Verhandlungen".

Bochum

, 23.09.2019, 08:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach sieben Spieltagen ist der VfL Bochum immer noch sieglos und Tabellenvorletzter. An diesem Mittwoch bittet die Vereinsführung zur Mitgliederversammlung. Im Interview verrät Hans-Peter Villis, Vorsitzender des Präsidums, wie er die Lage beim Zweitligisten einschätzt.

Herr Villis, im Sommer sagten Sie in einem Fernseh-Interview, zehn Jahre in der Zweiten Liga seien genug, der VfL wolle oben angreifen. Bereuen Sie diesen Satz derzeit?

Hans-Peter Villis: Wir haben Ansprüche und Ambitionen, und die darf man vor einem Saisonstart auch offensiv formulieren. Natürlich ist die sportliche Situation jetzt eine andere. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass wir den Tabellenkeller schon bald wieder verlassen werden.

Was sind Ihrer Meinung nach die Ursachen für den schlechten Saisonstart?

Ganz offen gesagt: Das erste Spiel in Regensburg war schon sehr enttäuschend. Und seitdem ist Druck auf dem Kessel. In den Spielen danach gab es teilweise zu viele einfache Fehler. Wir haben Steigerungspotenzial, das ist Fakt. Die Lage ist unverkennbar angespannt. Wir werden alles dafür unternehmen, um sie zu entschärfen.

Fehlt der Mannschaft Qualität?

Nein, es ist eher eine Frage der Erfahrung. Wir wollten den Umbruch und jungen Spielern eine Chance geben. Wir wussten, dass dadurch mehr Fehler passieren können. Wichtig ist auch zu sagen, dass die Mannschaft absolut intakt ist. Das ist die Voraussetzung, um wieder erfolgreich zu sein.

Trainer Robin Dutt musste den Verein schon nach vier Spieltagen verlassen. Was hat am Ende zum Bruch geführt?

Wir alle, ob Geschäftsführung oder Präsidium, waren von seinen Aussagen in der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Wiesbaden vollkommen überrascht. Es gab keinerlei Anzeichen dafür, sondern einen regelmäßigen Austausch, sogar in der Woche vor dieser Partie. Wir hatten jederzeit die Geduld und die Überzeugung, dass Robin Dutt der richtige Mann für uns ist. Wir haben ihn nicht infrage gestellt.

Trotzdem kam es dann zur Freistellung. Warum?

Die Gründe haben wir bereits kommuniziert: Zum einen ist es schwierig für die Mannschaft, wenn der Trainer öffentlich Selbstzweifel äußert. Zum anderen stand er für ein Gespräch mit dem gesamten Präsidium nicht mehr zur Verfügung. Wir haben samstags, direkt nach dem Spiel gegen Wiesbaden, und des Weiteren sonntags in verschiedenen Runden zusammengesessen und miteinander gesprochen, auch mit dem Trainer. Am Sonntagabend habe ich Robin Dutt dann angerufen und gesagt, dass wir ihn am Montagmorgen noch einmal zu einem Gespräch mit dem kompletten Gremium erwarten. Dieses Gespräch hat er abgelehnt.

Als Nachfolger haben Sie Thomas Reis präsentiert. Manager Sebastian Schindzielorz sagte, dass er der einzige Trainer war, mit dem Gespräche geführt wurden.

Es ist ein vielschichtiges Profil erstellt worden, unabhängig von den Kandidaten. Das Gerücht, wir hätten uns ausschließlich mit Thomas Reis beschäftigt, ist falsch. Richtig ist: Thomas Reis hat unsere Anforderungen Punkt für Punkt erfüllt. Neben den sportlichen Kriterien waren auch die Social Skills entscheidend. Er ist ein Teamplayer, kann mit jüngeren und älteren Spielern umgehen. Außerdem ist er jemand, der respektiert wird. Wir kennen ihn ja schon länger, aber er ist in Wolfsburg noch einmal sehr gereift.

Jetzt steht die Mitgliederversammlung bevor. Die Ultras üben in einem Schreiben massive Kritik, vor allem an Ihrer Arbeit. Rechnen Sie am Mittwoch also mit vielen Diskussionen?

Den Duktus einiger Fangruppierungen kennen wir bereits. Ich habe mich im vergangenen Jahr für die Fehler der Vergangenheit entschuldigt. Es bringt den VfL nicht weiter, die alten Geschichten wieder neu aufzurollen.

An welcher Stelle sehen Sie denn berechtigte Kritik? Und wobei schütteln Sie mit dem Kopf?

Die Versammlung im vergangenen Jahr hat gezeigt, dass es nicht nur Mitglieder gibt, die agitieren wollen. Es waren sehr gute Wortbeiträge dabei. Und wenn es sportlich nicht rund läuft, sind Nachfragen zu erwarten. Aber ich möchte auch betonen, dass wir gerade wirtschaftlich auf eine Erfolgsbilanz zurückblicken. Wir haben den Verein in den vergangenen Jahren konsolidiert und arbeiten schon seit einiger Zeit an einem Wachstumsplan. Es gibt keinen Stillstand in unserem Verein.

Aber wieso schlägt sich das noch nicht in den sportlichen Ergebnissen nieder?

Als langfristiges Ziel haben wir ausgerufen, uns sportlich und wirtschaftlich unter den besten 25 Klubs in ganz Deutschland zu etablieren. Wir müssen uns dabei gegen Klubs durchsetzen, denen finanziell selbst in unserer Liga das Doppelte oder Dreifache zur Verfügung steht. Da wären wir übrigens wieder bei der Einstiegsfrage. Als wir vor zwei Jahren öffentlich vom Aufstieg gesprochen haben, ist uns das um die Ohren geflogen. Unser langfristiges Ziel ist manchen Fans wiederum zu weich. Aber wir bleiben dabei: Das ist für uns die richtige Marschroute.

Stichwort Vereinsentwicklung: Welche Neuigkeiten werden die Mitglieder über potenzielle Investoren erfahren?

Wir befinden uns in konkreten Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern, darunter ein möglicher Ankerinvestor. Ich bitte an dieser Stelle aber um Verständnis, dass wir Details erst kommunizieren werden, wenn wir Nägel mit Köpfen gemacht haben.

Ist denn noch in diesem Jahr mit einem Ergebnis zu rechnen?

Das kann sein, aber ich kann es nicht versprechen. Ich bitte die Mitglieder an dieser Stelle noch um etwas Geduld. Sie haben uns ganz klar den Auftrag gegeben, dass wir sorgfältig prüfen sollen. Interessenten gibt es, auch aus dem Ausland. Aber es gibt strenge Regeln, und das schränkt die Auswahl natürlich etwas ein. Unser Motto lautet: Sorgfalt vor Schnelligkeit.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt