Lis Robert und Marion Thewes arbeiten ehrenamtlich im Weltladen. Ulrich Kipp ist der Vorsitzende des Weltladen, Monika van Beek ist Vorsitzende des Eine-Welt-Kreises (v.l.). © Victoria Garwer
Eine Welt

25 Jahre Kampf gegen Ausbeutung und für den fairen Handel

Kinderarbeit, Ausbeutung, schlechte Arbeitsbedingungen: Wer hier Kaffee oder Schokolade genießen möchte, sorgt anderswo oft für Leid. Dagegen kämpfen zwei Vredener Vereine seit 25 Jahren.

Lis Robert war 46 Jahre alt, als sie sich zum ersten Mal mit dem fairen Handel beschäftigt hat. „Wenn man all diese schlimmen Geschichten hört, fängt man an, sich Gedanken zu machen“, sagt sie. Damals hat sie mit einer kleinen Gruppe fair gehandelten Kaffee, Tee und Honig auf dem Vredener Wochenmarkt verkauft. Heute, mit 76 Jahren, engagiert sie sich noch immer für das Thema. Sie ist ehrenamtliche Verkäuferin im Weltladen.

Damit ist Lis Robert schon länger dabei, als es die beiden Vereine überhaupt gibt. Der Weltladen Vreden und der Eine-Welt-Kreis Vreden feiern nämlich in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Die beiden Vereine haben dasselbe Thema und im Grunde dasselbe Ziel, aber unterschiedliche Aufgaben.

Der Eine-Welt-Kreis ist unter anderem für die finanzielle Unterstützung von drei Projekten in Brasilien und einem in Simbabwe zuständig. „Die Gelder kommen zusammen durch Spenden des Weltladens an den Eine-Welt-Kreis, Beträge von verschiedenen privaten Spendern oder Firmen und durch Mitgliedsbeiträge des Eine-Welt-Kreises“, erklärt Monika van Beek, Vorsitzende des Eine-Welt-Kreises.

Aktuelle Ausstellung zum Thema Kinderarbeit

Auch die Öffentlichkeitsarbeit gehört dazu. Die siebenköpfige Arbeitsgruppe plant Veranstaltungen, organisiert Ausstellungen oder Filmabende und macht Werbung für den Weltladen. „Wir wollen den Blick schärfen für die große Ungerechtigkeit“, so Monika van Beek.

Eine aktuelle Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema Kinderarbeit. Sie ist noch bis zum 22. Oktober in der Stiftskirche zu sehen. „In jeder Tafel Schokolade, jedem Schoko-Keks und jeder Praline, die nicht fair gehandelt sind, steckt Kinderarbeit“, macht Monika van Beek ganz deutlich.

Diese Tatsache – beziehungsweise ganz konkret die Arbeitsbedingungen der Bergbauern in Bolivien – hat vor fast 40 Jahren den Stein ins Rollen gebracht. Einige Schülerinnen und Schüler der Hauptschule St. Georg fanden dieses Unterrichtsthema so aufwühlend, dass sie anfingen, Kaffee aus einem Genossenschaftsprojekt in Guatemala zu verkaufen. Gleichzeitig leisteten sie bereits Aufklärungsarbeit.

Der Verkaufsstand entwickelte sich über 13 Jahre weiter und die Schüler gewannen immer mehr Mitstreiter, sodass 1996 der Weltladen eröffnet werden konnte. Seitdem werden dort fair gehandelte Schokolade, Kaffee, Figuren aus Holz und geflochtene Körbe verkauft.

Weltladen hat nicht nur den Zweck, Spenden zu sammeln

„In unserem besten Jahr haben wir 5000 Euro Gewinn gemacht, im schlechtesten waren wir im Minus“, sagt Ulrich Kipp, Vereinsvorsitzender des Weltladens. Von dem Umsatz werden zunächst die Miete und möglicherweise Investitionen in den Laden bezahlt, der Gewinn wird zu 95 Prozent gespendet.

„Aber auch wenn am Ende kein Geld überbleibt, hat der Laden seinen Zweck bereits erfüllt“, sagt Ulrich Kipp. „Denn die Verkäufe helfen den Produzenten, davon zu leben. Sie bekommen einen garantierten Preis.“

Vereine wünschen sich anderes Wirtschaftssystem

Deswegen sei das langfristige Ziel auch eigentlich die Abschaffung des Weltladens. „Dafür kämpfen wir auch im Eine-Welt-Kreis: Dass das Wirtschaftssystem sich ändert und es nur noch fair gehandelte Ware gibt“, sagt Monika van Beek. Das kann aber nur funktionieren, wenn die Konsumenten umdenken.

Vreden sei da auf einem guten Weg. Der Umsatz im Vredener Weltladen sei pro Einwohner beinahe doppelt so hoch wie in anderen Städten, sagt Ulrich Kipp. „Ohne die vielen Kunden in Vreden hätten wir die letzten 25 Jahre nicht geschafft.“ Aber auch die Ehrenamtlichen, die die Veranstaltungen organisieren oder im Laden stehen, wie Lis Robert und Marion Thewes, leisten ihren Beitrag. „Mir geht es einfach um Gerechtigkeit“, macht Marion Thewes klar.

Über die Autorin
Redakteurin
Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
Zur Autorenseite
Victoria Garwer