28-Jähriger tritt Polizisten ins Gesicht – vor Gericht eskaliert die Situation dann völlig

rnVredener vor Gericht

Mit 1,6 Promille erschien am Dienstag ein 28-jähriger Vredener vor Gericht. Weil er bereits vorbestraft war und vor der Verhandlung erneut ausrastete, droht nun endgültig das Gefängnis.

Vreden

, 10.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Für einen Angeklagten ist es nie ein gutes Zeichen, wenn Mitarbeiter der Justiz und Polizisten von einem „alten Bekannten“ sprechen. Der 28-jährige Vredener, der am Dienstag eigentlich vor Gericht stehen sollte, hatte in der Vergangenheit aber auch wirklich alles dafür getan, um sich ins Gedächtnis zu brennen. Körperverletzungen, Diebstahl, Drogenmissbrauch. Zuletzt stand er Anfang Oktober 2018 vor Gericht, weil er seinen fünfjährigen Neffen getreten haben soll (wir berichteten). Das nächste Kapitel der schier endlosen Geschichte schrieb er am Dienstagmittag.

Um 12 Uhr sollte in Saal IV des Amtsgerichtes Ahaus der Prozess gegen den Vredener wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte, Beleidigung und Bedrohung beginnen. Kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember 2018, randalierte der Angeklagte nach Angaben mehrerer Zeugen in einer Vredener Gaststätte. Als die Polizei eintraf, kam es zu einer handfesten Auseinandersetzung, bei der der 28-Jährige um sich geschlagen, gebissen und getreten haben soll. Ein Polizist gab an, von einem Tritt im Gesicht getroffen worden zu sein. Doch zum Prozessbeginn sollte es am Dienstag nicht kommen.

Angeklagter erscheint zu früh und nutzt Pause, um sich zu betrinken

Dabei begann der Verhandlungstag eigentlich vielversprechend. Bereits um 11 Uhr meldete der sich der Angeklagte – offenbar auch zur Überraschung seines Verteidigers – ordnungsgemäß beim Empfang des Amtsgerichts an. Dort erfuhr er jedoch, dass er eine Stunde zu früh dran sei und sich noch etwas die Beine vertreten könne. Die unverhoffte Zwischenzeit nutze der 28-Jährige für intensiven Alkoholkonsum.

Denn kurz vor Beginn der Verhandlung torkelte der Vredener unter den Augen der geladenen Zeugen und mehrerer Justizvollzugsbeamten über den Sümmermannplatz. Für die Beamten Indiz genug, ihre Kollegen von der Polizei für einen Atemalkoholtest hinzuzuziehen. „Wenn er stark alkoholisiert sein sollte, wird die Verhandlung heute nicht stattfinden“, erklärte schon da ein Mitarbeiter des Gerichts.

Als die Polizei eintrifft, eskaliert die Situation völlig

Der Angeklagte passierte dennoch zunächst die Sicherheitsschranke und wurde dann von den Justizvollzugsbeamten in Empfang genommen. Als die Polizei dazustieß, eskalierte die Situation. Die Szene erinnerte an den Vorfall 2018: Der 28-Jährige schlug erneut wild um sich und konnte nur mit großer Anstrengung von den Beamten in Schach gehalten werden. Die unflätigen Beleidigungen in Richtung der Beamten drangen bis unter das Dach des Gerichtsgebäudes. Mit angelegten Handschellen führte der Vredener widerwillig den Atemalkoholtest durch: 1,6 Promille. Damit war klar, dass es an diesem Tag zu keiner Verhandlung kommen sollte.

„Wenn er in diesem Zustand hier auftaucht, ist es so, als wäre er gar nicht aufgetaucht“, erklärte der Richter. Deshalb verordnete er Hauptverhandlungshaft. Das bedeutet, dass der Angeklagte bis zum neu angesetzten Verhandlungstermin ins Gefängnis muss. „Damit stellen wir vor allem sicher, dass er nächstes Mal nüchtern erscheint“, so der Richter. Weil es sich dabei um eine Notlösung handelt, wird der Termin schnellstmöglich nachgeholt. Benedikt Vieth, Direktor des Amtsgerichtes Ahaus, bestätigte auf Nachfrage, dass der Vorfall im Flur des Gerichtsgebäudes weitere juristische Konsequenzen nach sich ziehen könnte.

Nachdem der Vredener in der Vergangenheit mehrfach mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen war, droht nun wohl endgültig eine Haftstrafe. „Ich habe ihm bereits mitgeteilt, dass er dieses Mal wahrscheinlich einfahren wird. Es hat ihn sicherlich getroffen, aber er hat es ruhig zur Kenntnis genommen“, erklärte sein Verteidiger.

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