42-Jähriger wollte seinen sechsjährigen Sohn ohne Wissen der Mutter mit nach Israel nehmen

rnEntziehung Minderjähriger

Weil seine Mutter krank war, wollte ein 42-jähriger Palästinenser seinen sechsjährigen Sohn mit nach Israel nehmen. Die Kindesmutter wusste davon nichts, und so endete die Reise vor Gericht.

Vreden

, 17.04.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Kurzurlaub in der Heimat mit seinem sechsjährigen Sohn sollte es werden. Doch die Reise endete schon am Flughafen in Düsseldorf bei der Sicherheitskontrolle. Denn dem 42-jährigen Palästinenser war von einem Gericht verboten worden, sein Kind mit ins Ausland zu nehmen. Wegen Entziehung Minderjähriger stand der Mann jetzt vor dem Amtsgericht in Ahaus.

Der Angeklagte und die Mutter des Kindes leben in Vreden, sind geschieden und haben das gemeinsame Sorgerecht. „Die beiden praktizieren den Umgang großzügig, sogar großzügiger als vom Gericht festgelegt. Er sieht seinen Sohn jedes Wochenende“, erklärte der Verteidiger. Deswegen sei sein Mandat auch der Meinung gewesen, er könnte seinen Sohn problemlos mit ins Ausland nehmen.

Enkel sollte seine kranke Großmutter besuchen

Im August 2018 hat er den Sechsjährigen bei dessen Mutter in Vreden abgeholt und ist mit ihm zum Flughafen gefahren. Seine Mutter in Israel sei krank geworden, übersetzte ein Dolmetscher die Aussage des 42-Jährigen. Er wollte, dass sein Sohn sie besuchen kann. Und: „Die Mutter meines Sohnes wusste, dass ich ihn für fünf Tage mitnehme.“

Der Verteidiger argumentierte außerdem, dass die richterliche Verfügung zum Zeitpunkt der Reise beinahe abgelaufen war. „Es wäre ja fast hirnverbrannt gewesen, mutwillig dagegen zu verstoßen“, meinte er. Damit spielte er auch auf eine Vollmacht an, die dem Gericht vorlag. Damit soll die Kindesmutter eine Auslandsreise entgegen des richterlichen Beschlusses erlaubt haben.

Richter bezweifelt Echtheit der Vollmacht

Doch der Richter hatte erhebliche Zweifel an der Echtheit des Dokumentes. Zum einen sei die Vollmacht erst rund eine Woche vor dem Verhandlungstermin und damit fast acht Monate nach der geplanten Reise beim Gericht angekommen. Zum anderen hat die Ex-Frau des Angeklagten bei der Polizei eine völlig andere Aussage gemacht. „Sie hat angegeben, dass sie nichts von den Reiseplänen wusste, und dass sie dem auch nie zugestimmt hätte“, berief sich der Richter auf das Protokoll. „Da stimmt doch was nicht.“

„Also ich habe hier ein anderes Dokument mit der Unterschrift des Ex-Frau. Da sieht man deutlich...“, begann der Verteidiger, den im Raum stehenden Vorwurf der gefälschten Unterschrift zu entkräften. Der Richter unterbrach sofort: „Ach kommen Sie. So eine Unterschrift ist schnell gemacht.“ Er appellierte an den Angeklagten, den Einspruch gegen den Strafbefehl mit der Vollmacht lieber wieder zurückzunehmen.

Verfahren vorläufig eingestellt

Der Verteidiger jedoch hatte eine andere Lösung im Sinn: eine vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage. „Aber nur wenn er geständig ist“, entgegnete der Richter etwas widerwillig.

Nach einer kurzen Besprechung erklärte der Anwalt für seinen Mandanten: „Er ist geständig. Er hat den Kurzurlaub organisiert, ohne die Kindesmutter über die Einzelheiten in Kenntnis zu setzen. Er hatte aber nicht vor, das Kind zu entziehen. Es gab ein Rückflugticket.“

Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren vorläufig eingestellt. Der 42-Jährige muss nun insgesamt 1800 Euro in 300-Euro-Raten an ein gemeinnütziges Projekt zahlen. „Wenn das Geld vollständig und pünktlich ankommt, wird das Verfahren endgültig eingestellt“, erklärte der Richter. Wenn nicht, beginnt das Verfahren von vorne und am Ende steht ein Urteil.

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