90000 Körner für jeden Hektar

Landwirtschafts-Serie

Acht Metallscheiben ziehen schmale Furchen. Sie halten den Abstand von 75 Zentimetern zueinander genau ein. Mit der gleichen Exaktheit platziert die große Maschine im Rhythmus von 12 Zentimetern ein orangefarbenes Korn in die Rille: Maissaat.

VREDEN

, 18.04.2015, 00:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Weiterfahren vollendet das Fahrzeug den Arbeitsgang, drückt das Korn ins Erdreich und verschließt die Furche wieder. Landwirt Markus Eßeling schaut vom Wirtschaftsweg aus zu, wie Matthias Tenhumberg die GPS-gelenkte Einheit aus Traktor und Maislegegerät Bahn für Bahn über den Acker des Doemeraner Landwirtes ziehen lässt. Eßeling selbst hat mit der Bestellung der eigenen Felder nur in organisatorischer Hinsicht etwas zu tun: „Wir arbeiten mit zwei Lohnunternehmen aus Vreden zusammen.“ Spezialisten für die Aufgaben, die jetzt anstehen.

Bevor sie den Mais „legen“, ist der Boden für die Aufnahme des Saatgutes vorbereitet worden. Das Gärsubstrat der Biogasanlage und die aufstehende Zwischenfrucht werden untergepflügt. Das Pflügen erledigt ebenfalls ein Lohnunternehmen: Für diesen saß Frank Gevers auf dem Traktor und kümmerte sich um die Saisonaufgabe, die ihm Spaß macht und einen Ausgleich zu seinem eigentlichen Job darstellt.

Technische Perfektion

Moderne Technik allerorten – bei der Maisaussaat hat sie einen Grad an Perfektion erreicht, den nur die Steuerung über GPS möglich macht. Das System weiß genau wo die Maschine bereits Saatgut abgelegt hat . Das spart Saatgutkosten und ist für die Entwicklung der einzelnen Pflanze besser. 90 000 Körner kommen auf einen Hektar. Mais baut Markus Eßeling auf insgesamt 37 Hektar an. „Das entspricht 69 Prozent unserer Ackerflächen“, sagt er. Dieser Wert stellt keinen Zufall dar. Denn um die Vorgaben des sogenannten Greenings zu erfüllen, darf höchstens 75 Prozent mit einer Frucht, in unserem Fall Mais, angebaut werden .

Ein gutes halbes Jahr hat der Mais Zeit, um zu wachsen. Zur Unterstützung kommt gleich beim Legen auch ein Phosphor-Stickstoff-Dünger mit hinzu, um ein gutes Jugendwachstum der Maispflanze sicher zu stellen. Damit es ungestört verläuft, wird noch ein Herbizid gegen aufkommendes Unkraut eingesetzt, wenn die Pflanze etwa zehn Zentimeter hoch ist. Eßeling: „Es wird mit Blick auf die Umwelt nicht mehr ausgebracht als unbedingt nötig.“ Bei Bedarf lieber zwei Mal, dafür aber mit geringerer Dosierung.

Große Bedeutung

Welche Bedeutung besitzt der Mais für den landwirtschaftlichen Betrieb von Markus Eßeling? Der junge Landwirt zögert keine Sekunde mit der Antwort: „Eine große!“ Allerdings spielt er als Viehfutter für ihn konkret nur eine Nebenrolle. Die Ernte dient vielmehr als Rohstoff für die Biogasanlage des Hofes – der Mais geht in die Energieerzeugung.

Markus Eßeling sagt: „Der Mais ist eine effektive Pflanze und kann in fast allen Bereichen eingesetzt werden, sei es als Rinder- oder Schweinefutter oder als Futter zur Energieerzeugung.“ Aber er ist eine Pflanze, die mit ihrem Erscheinungsbild und in ihrer Verbreitung nicht mehr uneingeschränkt willkommen ist. Die Öffentlichkeit diskutiert inzwischen über das, was mit dem Schlagwort „Vermaisung“ bezeichnet wird – ein monotones Landschaftsbild, das zudem noch die ökologische Vielfalt verringert.

Greening mittragen

Eßeling ist sich diese Problematik durchaus bewusst. Deswegen trägt er das Greening auch aus Überzeugung in weiten Teilen mit – nicht nur um der Prämie willen, sondern weil es helfe, Grünland zu erhalten und den Anbau verschiedener Kulturen zu fördern. „Bei uns hier ist es ohnehin üblich, dass wir auch Senf oder Grünroggen als Zwischenfrucht anbauen. Sie dienen als Humus für den Boden und binden Nährstoffe, die der nächsten Pflanze wieder zur Verfügung stehen.“ Um die Fruchtartenvielfalt der Ackerflächen zu gewährleisten, wachsen bei Markus Eßeling neben dem Mais auch Wintergerste und Wintertritikale.

Zwar stellen seine Äcker für den Landwirt in erster Linie Nutzflächen dar, die er bewirtschaftet. Schade findet er es aber dennoch, dass die bürokratischen Hürden für Blühstreifen inzwischen so hoch liegen: „Wir haben zwei Jahre lang mitgemacht auf freiwilliger Basis, ohne Bürokratie, ohne Anträge und Angaben bis auf den letzten Quadratmeter. Das hat viel gebracht für das Landschaftsbild, aber auch als Lebensraum für Bienen, Insekten und mehr, und das soll ja mit dem Greening erreicht werden.“

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