Gisela Huning hat als Schulleiterin den Aufbau der Sekundarschule in Vreden geprägt. Jetzt geht die 68-Jährige in den Ruhestand. © Stefan Grothues
Sekundarschule

Abschied als Schulleiterin: Gisela Huning war 47 Jahre Lehrerin in Vreden

Sie haben den Aufbau der Sekundarschule Vreden geprägt. Jetzt gehen Schulleiterin Gisela Huning und ihre Stellvertreterin Annette Brunner in den Ruhestand. Nachfolger sind in Sicht.

Ihre Gitarre hängt noch an der Wand. Aber sonst sieht es schon nach Aufbruch aus. Gisela Huning räumt das Schulleiterinnen-Büro der Sekundarschule.

Ende Januar ist die Schulleiterin wie auch ihre Stellvertreterin Annette Brunner in den Ruhestand verabschiedet worden – coronagerecht ohne große Feier.

Schulleiterin Gisela Huning (l.) und ihrer Stellvertreterin Annette Brunner sind von der Sekundarschule in den Ruhestand verabschiedet worden.
Schulleiterin Gisela Huning (l.) und ihre Stellvertreterin Annette Brunner sind von der Sekundarschule in den Ruhestand verabschiedet worden. © Sekundarschule © Sekundarschule

Dass es keinen großen Abschied gab, bedauert Gisela Huning nicht. „Für mich war schon vor Corona klar, dass ich keine Feier mit Sonntagsreden will“, sagt die 68-Jährige. Außerdem geht sie ja auch nicht ganz. Als Englischlehrerin bleibt sie in diesem Schuljahr „ihren“ Zehntklässlern erhalten.

„Verlassen Sie uns nie“

„Die sind ja durch Corona richtig gekniffen, viel mehr als ich“, sagt Gisela Huning. „Die wissen ja nicht, woran sie sind. Was wird aus der Abschlussfahrt? Was ist mit der Abschlussfeier?“ Sie selbst dachte ja auch, sie hätte in ihrer über 40-jährigen Lehrerlaufbahn alles gesehen. Die Pandemie hat dann noch mal das ganze Schulleben auf den Kopf gestellt.

Ihr Abitur hat Gisela Huning 1970 am Gymnasium Georgianum abgelegt. An ihren ersten Schultag als Referendarin in Vreden erinnert sie sich noch ganz genau. Das war 1973 nach dem Studium an der Pädagogischen Hochschule in Münster. Hermann-Josef Eblenkamp, Rektor der St.-Georg-Hauptschule, begrüßte sie mit den Worten: „Versprechen Sie mir, dass Sie uns nie wieder verlassen!“ Englischlehrer waren damals rar gesät.

„Hauptschulen wurden stiefmütterlich behandelt“

Die Junglehrerin hat nichts versprochen. Aber sie blieb. Die Schule allerdings blieb nicht. In den 1970er Jahren gingen zwei Drittel der Vredener Schüler zur Hauptschule. „Die Mischung der Schüler hat gestimmt.“ Doch die große Zeit der Hauptschulen sollte nicht mehr lange währen. Huning: „Landesweit waren die Hauptschulen ein ungeliebtes Kind, das stiefmütterlich behandelt wurde.“ Das böse Wort von „Resterampe“ machte die Runde. Gisela Huning macht das heute noch wütend.

Nachdem ihre eigenen drei Kinder größer waren, engagierte sich Gisela Huning seit den 1990er-Jahren in der Schulleitung. Als Konrektorin setzte sie gemeinsam mit Eblenkamps Nachfolger, Ewald Kernebeck, Akzente. „Es hat Spaß gemacht, Dinge auf den Weg zu bringen, eigene Projekte und Ideen voranzubringen“, sagt Gisela Huning: vom ersten Schulprogramm bis zur Bläserklasse. „Diese Idee führen wir heute noch erfolgreich fort.“

Schul-Neustart 2013

Der Hauptschule hat es nicht geholfen. Sie wurde auch in Vreden zu einem Auslaufmodell. 2010 fusionierten die beiden Hauptschulen Walbertschule und St.-Georgschule. 2013 wurde die Sekundarschule gegründet und die Hauptschule wie auch die Realschule wurden auslaufend gestellt.

Die Trauer über das Ende der Hauptschule wandelte Gisela Huning in kämpferische Tatkraft um. Mit 147 Schülern startete vor siebeneinhalb Jahren unter ihrer Leitung die Sekundarschule. Zur Verabschiedung jetzt attestierte das Kollegium ihr und ihrer Stellvertreterin Annette Brunner: „In den letzten Jahren seiner Berufstätigkeit widmete das Schulleitungsteam den Großteil seiner Lebensenergie dem Aufbau der Sekundarschule Vreden. Damit haben sie ein Lebenswerk geschaffen, das hoffentlich noch viele Jahrzehnte bestehen wird.“

60 Prozent der Vredener Viertklässler wechseln zur Sekundarschule

Das klingt schon fast nach einer der von Gisela Huning gefürchteten Sonntagsreden. Welche Bilanz zieht sie selber? Worauf ist sie stolz? Darauf, dass die Sekundarschule mit heute 800 Schülerinnen und Schülern eine feste Größe in der Stadt ist. 60 Prozent der Vredener Viertklässler wechseln auf die Schule, die sich nach den Worten der scheidenden Schulleiterin durch ein ganz besonders soziales Klima auszeichnet.

„Ich schätze es sehr, wie die Kinder zusammenarbeiten, ihre Bereitschaft, sich gegenseitig zu stützen, wie sie gemeinsam ohne Notenfixierung lernen. Das brauchtʼs in der Schule“, sagt Gisela Huning, die mit ihrem Kollegium mit der Sekundarschule pädagogisches Neuland betrat.

Vielfalt macht Schulleben reicher

Stolz ist sie nun darauf, dass es gelungen ist, über einen Lehrplan und individuelle Lehrzeiten den Schülern drei Niveaustufen in einer Klasse anzubieten. „Das ist für Schüler, für Eltern und für die Lehrer ganz transparent. Die Schüler lernen selbstständig zu planen und sich Strukturen zu schaffen.“ Sie scheint selbst noch ein wenig davon überrascht zu sein, wenn sie bilanziert: „Und das funktioniert richtig gut. Vielfalt der Kinder in unserer Schule hat nur Vorteile. Das ist meine tiefe Überzeugung.“

Kai Großkopf wird neuer Konrektor der Sekundarschule Vreden.
Kai Großkopf wird neuer Konrektor der Sekundarschule Vreden. © Mareike Meiring © Mareike Meiring

Und jetzt der doppelte Aderlass an der Schulspitze. Schulleiterin und Stellvertreterin gehen gleichzeitig. „Das ist kein Problem“, sagt Gisela Huning. „Der Schritt kommt ja nicht überraschend. Das Kollegium ist längst darauf eingestellt.“ Für den Schulleiterposten gebe es zwei Bewerber, verrät Gisela Huning. Das Verfahren zur Besetzung der Stelle hat sich coronabedingt etwas verzögert. In Kürze soll aber das entscheidende Kolloquium stattfinden.

Kai Großkopf ist neuer Konrektor

Die Stellvertreterstelle ist bereits besetzt: Kai Großkopf, bislang Lehrer an der Kreuzschule Heek, wechselt als Konrektor nach Vreden. Gisela Huning freut sich darüber, dass die Sekundarschule mit ihm einen „echten Digitalisierungsexperten“ gewinnt. Was wünscht Gisela Huning dem neuen Schulleitungsteam? „Dass möglichst bald die Mensa und die Sporthalle fertiggestellt werden.“

Das ist nicht mehr ihr Thema. Gisela Huning genießt es, bis zum Sommer „nur“ noch Englischlehrerin zu sein – „ohne dass ich 1000 Dinge um die Ohren habe“. Wenn der Ruhestand richtig beginnt, dann freut sie sich auf mehr Sport, auf Spaziergänge mit dem Hund – und aufs Gitarrespielen.

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Stefan Grothues