Stefan Emming ist selbst nicht besonders oft im Umspannwerk in Vreden. Der Betrieb läuft vollautomatisiert. © Victoria Garwer
Stromversorgung

Achtung Lebensgefahr! So sieht ein Umspannwerk von innen aus

Die Türen des Umspannwerks und des Schalthauses in Vreden bleiben normalerweise fest verschlossen. Wir durften einen Blick hinein werfen und haben erfahren, was dort eigentlich genau passiert.

Blaue Schränke, graue Schränke. Rohre, Kabel, draußen große Spulen und ein grauer Klotz. So richtig spektakulär ist der Anblick des Umspannwerks in Vreden nicht. Nichts bewegt sich, nichts macht laute Geräusche. Dabei passiert hinter den verschlossenen Türen etwas, das die Stromversorgung der ganzen Stadt sicherstellt.

Normalerweise kommt hier kaum jemand rein, denn es herrscht Lebensgefahr. Darauf weist ein Schild an der ansonsten unscheinbaren Metalltür hin. Selbst die Mitarbeiter der Versorgungsbetriebe SVS sind nur in Ausnahmefällen vor Ort, denn der Betrieb läuft vollautomatisiert.

Im Umspannwerk wird die Spannung reduziert

Aber was genau passiert in einem Umspannwerk eigentlich? „Es wandelt hohe Spannung aus Überlandleitungen oder Erdkabeln in benutzerfreundliche Spannung um“, sagt Stefan Emming, Technischer Leiter Strom bei der SVS. Aus dem Kraftwerk kommen nämlich 380.000 Volt, aus der Steckdose zu Hause in der Regel nur 230 oder 400 Volt. Es wäre jedoch nicht wirtschaftlich und technisch nicht möglich, diese niedrige Spannung direkt vom Kraftwerk aus über das ganze Land zu verteilen, weil dann die Verluste zu hoch wären, erklärt Stefan Emming.

Deswegen gibt es zahlreiche Umspannwerke an strategischen Stellen, die die Spannung schrittweise verringern. Im Werk an der Ostendarper Straße in Vreden kommen über eine Freilandleitung 110.000 Volt an. Über das Stadtgebiet verteilt werden von hier aus dann nur noch 10.000 Volt.

„Die 110.000 Volt bekommen wir von der Westnetz geliefert. Sie kommen über eine Freileitung auf einen Leistungsschalter und von da in den Ortsnetztrafo“, sagt Stefan Emming. Das ist ein grauer Kasten auf dem Außengelände. Von diesem und auch von den Spulen und Kabeln muss immer ein gewisser Abstand eingehalten werden. „Es könnte sein, dass sonst Spannung überspringt und das wäre auf jeden Fall lebensgefährlich“, sagt Daniel Elsner, Betriebsmeister Strom bei der SVS.

23 Strecken versorgen ganz Vreden mit Strom

Zwei hohe Metallstäbe stehen links und rechts neben dem Trafo. „Sie fangen einen möglichen Blitzeinschlag ab und leiten ihn kontrolliert in die Erde“, sagt Stefan Emming. Zwei weitere kleinere Trafos stehen für den Notfall bereit. Damit wäre die Stromversorgung sichergestellt, auch wenn es beim Haupttrafo eine Störung gibt.

Der Trafo macht aus den 110.000 Volt also 10.000 Volt, die dann in das angrenzende Schalthaus fließen. Dieses hat die SVS 2015 als Neubau in Betrieb genommen. Im Inneren ist es still, dabei arbeiten die meisten der sogenannten Strecken gerade daran, den Strom über das Stadtgebiet zu verteilen.

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Umspannwerk Vreden von innen

23 dieser Strecken gibt es. „Es soll ja bei einer Störung nicht überall gleichzeitig der Strom ausfallen“, sagt Daniel Elsner. Wenn es also zum Beispiel auf der Strecke ins Industriegebiet einen Ausfall gäbe, würden Köckelwick oder Lünten trotzdem weiter mit Strom versorgt werden.

Die 10.000 Volt fließen aus dem Schalthaus an der Ostendarper Straße aber natürlich nicht direkt in die Haushalte. Die Spannung muss vorher noch weiter reduziert werden. Das passiert in den Ortsstationen. Circa 500 davon betreibt die SVS in Vreden, Stadtlohn und Südlohn. Sie sehen meist aus wie kleine, verklinkerte Garagen. Darin passiert in kleinem Stil dasselbe wie im Umspannwerk. Aus den 10.000 Volt werden hier die benötigten 400 Volt.

In Vreden wird oft mehr Strom produziert als verbraucht

Aber zurück ins Schalthaus: An jedem der Schränke ist ein Display angebracht. Darauf kann Stefan Emming genau nachschauen, wie viel Leistung gerade fließt. Zur Veranschaulichung zeigt er die Daten bei einer Strecke mit dem Namen Blumenstraße. -2,7 Megawatt zeigt das Display an. Ein Negativwert. Wie kann das sein?

„Das heißt, dass gerade mehr Strom eingespeist wird, als verbraucht wird“, erklärt Stefan Emming. Und das ist in Vreden keine ungewöhnliche Situation. „Bei schönem Wetter und Wind speisen 18 oder 19 von 23 Strecken zurück“, sagt der Experte. Denn die Zahl der Photovoltaik-, Windkraft- und Biogasanlagen ist in der Region sehr hoch. 75 Prozent des Stroms, der in Vreden verbraucht wird, wird auch hier aus erneuerbaren Energien wieder produziert.

Für die SVS ist das eine technische Herausforderung. Denn dieser Strom geht den Weg quasi rückwärts. Von den Haushalten durch die Ortsstationen hin zum Umspannwerk und von da aus zum nächstgrößeren Umspannwerk. Für die Trafos macht es keinen Unterschied, ob sie aus 10.000 Volt 110.000 Volt machen oder umgekehrt. „Strom ist die Richtung egal“, sagt Stefan Emming.

Neue Leitungen ins Industriegebiet Gaxel

Aber die Kapazität der Leitungen muss ausreichen. Deswegen werden auch zurzeit neue Leitungen vom Umspannwerk ins Industriegebiet Gaxel verlegt. Das sorgt dafür, dass dort noch mehr Unternehmen eine PV-Anlage installieren können.

Stefan Emming schließt die Tür zum Schalthaus wieder sorgfältig ab. Das nächste Mal, dass diese Tür aufgeschlossen wird, wird hoffentlich noch eine Weile dauern. Denn das würde bedeuten, dass eine Störung vorliegt, die nicht aus der Ferne behoben werden kann, oder betriebsnotwendige Wartungsarbeiten anstehen.

Über die Autorin
Redakteurin
Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer