Angeklagter gesteht Überfall auf Juwelier

Landgericht Münster

Eigentlich hatte der Vorsitzende Richter am Landgericht Münster für den zweiten Prozesstag im Fall des Raubüberfalls auf den Vredener Juwelier Robers gleich acht Zeugen geladen. Dass am Ende des Tages nur vier davon vor Gericht aussagten, hatte einen triftigen Grund: Der 32-jährige Angeklagte überraschte gestern mit einem vorgefertigten Geständnis.

Vreden

von Johannes Schmittmann

, 05.01.2017, 18:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Landgericht in Münster

Das Landgericht in Münster

Schon bevor der Richter den Gerichtssaal betrat, merkten die Anwesenden im Zuschauerraum, dass sich auf der Anklagebank etwas tat. Wo der 32-Jährige am ersten Prozesstag noch weitgehend unbeteiligt - fast gelangweilt - das Geschehen beobachtet hatte, tauschte er sich nun gestenreich mit seiner Anwältin und der Dolmetscherin aus.

Verteidigerin lässt Bombe platzen

Schon kurz nach der Eröffnung der Verhandlung durch den Vorsitzenden, der von den zwei Schöffen flankiert wurde, ließ die Verteidigerin die Bombe platzen. Der Angeklagte wolle sich in einer vorgefertigten Einlassung abschließend zum Fall äußern. "In der Einlassung wird sowohl sein Lebenslauf thematisiert, als auch seine Beteiligung an der Tat eingeräumt. Weitere Fragen wird er nicht beantworten", erklärte sie, bevor sie selbst die Einlassung vorlas. Ausführlich wurde geschildert, wie der 32-Jährige in seinem Heimatland Litauen den akademischen Bildungsweg einschlug und nicht nur erfolgreich die Abiturprüfung ablegte, sondern außerdem das anschließende Studium der Sportwissenschaften abschloss. Der Not im Land geschuldet, habe er dort aber als Sportlehrer keinen Fuß fassen können und sei deshalb durch Europa gereist, um in verschiedenen Baufirmen zu jobben. Hauptmotivation, wie immer wieder betont wurde, sei für ihn die Krebserkrankung seines 59-jährigen Vaters gewesen. Dieser habe dringend Geld für Operationen gebraucht.

 

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Um Nachsicht gebeten

 

Ende 2015 sei er dann in Deutschland an zwielichtige Kontakte geraten, die ihn später für den Raubüberfall anheuerten. "5000 bis 10000 Euro wurden ihm versprochen. Sie versicherten ihm, dass bei dem Raub keiner zu Schaden kommen wird," führte die Anwältin weiter aus. Er habe vorher weder von dem eingesetzten Reizgas gewusst noch die genauen Namen der Mittäter gekannt. Der erste Teil der Einlassung endete mit den Worten: "Diese Taten sind dem Wesen meines Mandanten zuwider. Er bittet das Gericht um Nachsicht". Die anschließende Schilderung des Tathergangs lieferte kaum neue Erkenntnisse, außer seiner Flucht per Mitfahrgelegenheit in sein Heimatland.

Folgen des Überfalls für Angestellte

Die Überraschung über diese Aussagen war allen Beteiligten anzumerken. Der Richter unterbrach deshalb die Verhandlung, um sich zu beraten und nicht mehr benötigte Zeugen anzurufen. So drang die Nachricht vom Geständnis auch zu den Angestellten des Juweliers, die vor dem Saal auf ihre Aussage gewartet hatten. Die Last, die von ihnen abfiel, war spürbar. Ganz auf weitere Zeugen verzichten wollte der Richter dann aber doch nicht. So wurden noch jene gehört, die am Tag des Überfalls im Geschäft waren. Dabei ging es neben der Schilderung des Tathergangs vor allem um die Feststellung der Schwere der Schuld - etwa darum, ob etwa der 32-Jährige Reizgas versprüht hatte. Außerdem sollten die Auswirkungen des Überfalls, bei dem einer der drei Täter mit einer Schusswaffe drohte, auf das Leben der Angestellten offengelegt werden. Ganz unterschiedlich legten die Betroffenen dar, wie das Ereignis ihren Alltag dominierte. Psychologische Beratung, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Ängste vor Männern und sogar ein Wechsel des Arbeitsplatzes waren nur einige Punkte.

Plädoyer am 10. Januar

Da sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigerin um Zeit für die Vorbereitung ihres Plädoyers baten, verschob der Vorsitzende diese auf Dienstag, 10. Januar. Anschließend wird die Urteilsverkündung erwartet. Eine erhebliche Rolle dürften dabei auch die zwei Vorstrafen des Angeklagten spielen. "Gemeinschaftlicher Betrug" und "Formen von schwerem Diebstahl" sind in seinen Akten vermerkt.

 

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