Angeklagter widerruft sein Geständnis

Verfahren um Kindesmissbrauch

Statt eine Aussage zu machen, wozu ihn die Richter zu Prozessbeginn aufgefordert hatten, hat der Angeklagte im Verfahren um Kindesmissbrauch sein ursprüngliches Teilgeständnis bei der Polizei widerrufen. Auch will der 51-Jährige aus Vreden die Glaubwürdigkeit eines der beiden mutmaßlichen Opfer per Gutachten überprüfen lassen.

VREDEN

von Klaus Möllers

, 21.02.2017, 18:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit den Anträgen überraschte der wegen sexuellen Missbrauchs zweier Kinder in über 270 Fällen Angeklagte am Dienstag die weiteren Verfahrensbeteiligten. Schwieg er doch auch am dritten Verhandlungstag am Landgericht und ließ eine Verteidigerin Erklärungen abgeben.

Die Staatsanwaltschaft, so erklärte die Anwältin, habe es versäumt, bei der polizeilichen Vernehmung kurz nach der Verhaftung des Mannes im August „für die Bereitstellung eines Pflichtverteidigers zu sorgen“. Ihm sei lediglich gesagt worden, dass er nicht zu einer Aussage verpflichtet sei und einen Anwalt hinzuziehen könne. Wegen „der Erheblichkeit der Vorwürfe“, so die Anwältin, hätte ein Verteidiger vor Ort sein müssen.

Zudem ließ der gebürtige Vredener seine Auffassungsgabe als eingeschränkt darstellen. Denn ein – vom Gericht in Auftrag gegebenes – medizinisches Gutachten habe ergeben, dass im Kopf des Angeklagten „eine hirnorganische Veränderung“ infrage komme und er deshalb die Fragen der Ermittler womöglich nicht richtig begriffen haben. „Die Vernehmung insgesamt ist nicht verwertbar“, folgerte die Verteidigerin.

Gewaltausbrüche

Von mehreren „Gewaltausbrüchen“ ihres Ex-Mannes unter Alkohol sprach die Mutter der Mädchen als Zeugin. Als die ältere Tochter zuletzt einen Schlag gegen den Kopf bekommen habe, sei sie mit den Kindern bei ihrem Ex ausgezogen.

Dennoch: Die ersten Schilderungen der Älteren, sie sei von dem Stiefvater missbraucht worden, „habe ich am Anfang nicht geglaubt“, sagte die 37-Jährige. Weil die Tochter manchmal nicht die Wahrheit gesagt habe. Oft seien „andere Schuld gewesen“, wenn es ihr nicht gut gegangen sei. Heute glaube sie ihr.

Die Übergriffe – bis hin zur Vergewaltigung der jüngeren Tochter – sollen sich zwischen 2008 und Sommer 2016 im Haus des Vredeners ereignet haben. Dass vor allem die ältere Tochter seit einigen Jahren unter Depressionen und Rückzugstendenzen leidet, wie ihre Mutter erklärte, ließ der Angeklagte über die Anwältin anders deuten: Offenbar leide das Mädchen unter einer „psychischen Erkrankung“ und sei im Verhalten auffällig. Als Zeugin habe sie Widersprüche im Vergleich zur polizeilichen Vernehmung gezeigt. Dass die Depressionen allerdings auch Folge der möglichen angeklagten Taten sein könnten, ließ er im Antrag auf ein Gutachten nicht erwähnen.

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