Angestellte sagt nach Raubüberfall aus

Prozess vor Landgericht

Der Prozess gegen einen der vermutlichen Täter des bewaffneten Raubüberfalls auf den Vredener Juwelier Robers aus dem Februar 2016 wurde am Montag am Landgericht Münster eröffnet. Die Zeugenaussagen von Inhaber Heinrich Robers und seiner Angestellten, die den Alarm ausgelöst hatte, standen dabei im Mittelpunkt.

VREDEN

von Johannes Schmittmann

, 02.01.2017, 12:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
So sah das Schaufenster nach dem Überfall aus: Die Täter raubten blitzschnell die hochwertigen Uhren aus der Auslage.

So sah das Schaufenster nach dem Überfall aus: Die Täter raubten blitzschnell die hochwertigen Uhren aus der Auslage.

„Besonders schwerer, gemeinschaftlicher, räuberischer Diebstahl“, lautet es in der Anklageschrift von Seiten der Staatsanwaltschaft. Der 32-Jährige soll am bewaffneten Überfall auf den Vredener Juwelier Robers beteiligt gewesen sein. Die Tat hatte sich am 17. Februar ereignet und spielte sich innerhalb von wenigen Minuten ab.

Drei vermummte Männer stürmten das Geschäft am Windmühlentor, zerschlugen die Vitrinen mit Äxten und raubten 132 Luxus-Uhren im Gesamtwert von über 280 000 Euro. Anschließend setzten sie Reizgas gegen die drei anwesenden Angestellten ein und bedrohten eine Verkäuferin mit einer Pistole.

Mit Spannung erwartet wurde die Zeugenaussage der sichtlich aufgelösten Angestellten des Juweliers. Die 50-jährige Fachverkäuferin berichtete unter Tränen nicht nur vom Tathergang, sondern auch von den gravierenden Folgen für sich und die anderen Beteiligten. „Ich habe durch das Fenster eine komplett dunkel gekleidete Person gesehen. Daraufhin habe ich mich hinter der Ladentheke versteckt und den Alarmknopf gedrückt.“ Ein Täter habe sie entdeckt und mit einer Pistole bedroht.

Schwere Nachwirkungen

Ihr Fluchtversuch durch den Flur zum Hintereingang war zwar erfolgreich, dennoch berichtet sie von einen tiefen Einschnitt in ihr Leben: „Die Ängste bleiben. Ich zucke zusammen, sobald jemand mit Mütze in den Laden kommt oder einen Rucksack trägt.“ In den ersten sechs Monaten habe sie Beruhigungsmittel nehmen müssen und auch heute sei „normales Arbeiten“ kaum möglich.

Obwohl Inhaber Heinrich Robers am Tag des Vorfalls mit seiner Frau verreist war, wurde er ebenfalls in den Zeugenstand berufen. Er dokumentierte die Schadenshöhe, die sich nicht nur aus den gestohlenen beziehungsweise beschädigten Uhren, sondern auch aus beschädigtem Inventar, Zwangsschließung und Reinigungskosten zusammensetzt, sodass eine Gesamtschadensumme von ungefähr 300 000 Euro zusammenkam.

Angst immer noch präsent

Außerdem gewährte auch er Einblicke in sein Innenleben und sprach von „Überlegungen, das Geschäft aufzugeben“. Es sei immerhin der vierte Überfall in den vergangenen 15 Jahren und auch bei ihm sei die Angst immer noch präsent.

Diesen Gedanken habe er allerdings verworfen und stattdessen Maßnahmen zur Prävention ergriffen: Eine Schleuse am Eingang wurde eingebaut, die Videoüberwachung verbessert und das Alarmsystem ausgebaut. Die finanziellen Einbußen seien enorm, vor allem weil die Versicherung immer noch einen hohen Betrag zurückhalte.

Für Donnerstag, 5. Januar, ist der zweite Verhandlungstermin angesetzt. Dort werden die Aussagen von den beiden anderen Mitarbeiterinnen des Juweliergeschäfts erwartet. In der nächsten Woche soll das Urteil des Schöffengerichts gefällt werden.

 

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