Archäologen entdecken jahrhundertealten Baumbrunnen in der Vredener Innenstadt

rnBaustelle am Markt

Ein Stück Geschichte ist zurück ans Tageslicht gekommen: In der Baugrube am Marktplatz haben Archäologen einen jahrhundertealten Baumbrunnen freigelegt. Und ihn gleich wieder vergraben.

Vreden

, 10.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf den ersten Blick ist es nur ein bisschen halb verrottetes Holz. Doch was da aus dem Sand in der Vredener Innenstadt zum Vorschein gekommen ist, ist zumindest ein kleiner Sensationsfund: Der Baumbrunnen stammt dem ersten Anschein nach aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. „Genau wissen wir das natürlich erst nach der Untersuchung im Labor“, erklärt Dennis Becker von der LWL-Archäologie für Westfalen. Dort arbeitet der wissenschaftliche Volontär im Fachbereich für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie.

Archäologen entdecken jahrhundertealten Baumbrunnen in der Vredener Innenstadt

Ein Türschloss noch samt steckendem Schlüssel haben die LWL-Archäologen ebenfalls gefunden. Auch das soll aus dem 17. oder 18. Jahrhundert stammen. Genau ist das natürlich erst nach einer Analyse im Labor zu klären. © Stephan Teine

Am Mittwoch hat er die Baustelle untersucht und dabei Holzreste und Verfärbungen im Boden gefunden. „Da war mir schon klar, dass es sich um eine Fundstelle handelt“, erklärt er am Freitagvormittag. In der Zwischenzeit hat er zusammen mit Freya Paluschke – sie macht gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr beim LWL – und Joe Anna Evans – sie leistet ein Jahr Bundesfreiwilligendienst – den Brunnen zur Hälfte freigelegt.

Vier Meter unter dem Straßenniveau liegt Sand aus der Eiszeit

Der Brunnen reicht dabei bis auf den Sand hinunter, den die letzte Eiszeit im Boden zurückgelassen hat. Unmittelbar darunter liegt das Grundwasser. Markierungen am Rand der Baugrube zeigen es: Knapp vier Meter befindet sich die Brunnenunterkante unterhalb des heutigen Straßenniveaus.

Gebaut wurde er damals aus einem ausgehöhlten Eichenstamm. „Und einigen verarbeiteten Hölzern“, ergänzt Dennis Becker. Eine Seite des Brunnens wurde vor Jahrhunderten mit mehreren Latten verstärkt. Die Holzdübel sind noch deutlich zu erkennen. In der Nähe des Brunnens hat das Trio auch noch ein altes Türschloss gefunden. Der geschmiedete Schlüssel steckt sogar noch. Auch das stamme wohl aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. „Ich möchte der Laboranalyse aber nicht vorgreifen“, sagt Dennis Becker.

Brunnen bleibt im Boden und verschwindet unter Fundament

Komplett geborgen wird der Brunnen nicht. „Als Ersatz machen wir Fotos, vermessen alles und verzeichnen den Fund in Karten“, erklärt Dennis Becker. Dazu nehmen sie verschiedene Proben zur weiteren Untersuchung. Die komplette Bergung wäre zu aufwendig. Die Fundstelle werden sie nach der Erfassung des Baumbrunnens verschließen.

Jetzt lesen

In alten Stadtkernen mit teils jahrhundertealter Geschichte finden die Archäologen oft Spuren aus der Vergangenheit. „Wir befinden uns hier ja in der Nähe des Marktplatzes. Da standen früher die Brunnen“, erzählt der Archäologe.

Zuschauer sehen den Archäologen auf die Finger

„Wenn wir weiter außerhalb arbeiten, sind wir in der Regel ganz alleine an der Fundstelle“, erzählt Dennis Becker. Bei einer Fundstelle so zentral in der Innenstadt sei das natürlich anders. Seit die Ausgrabung am Donnerstagvormittag begonnen hat, würden ständig Leute am Bauzaun stehen bleiben und ihnen bei der Arbeit zusehen.

Archäologen entdecken jahrhundertealten Baumbrunnen in der Vredener Innenstadt

Gut vier Meter unter dem aktuellen Straßenniveau wurde der Baumbrunnen in der Baugrube entdeckt. Nach der Erfassung wird er demnächst unter dem neuen Fundament verschwinden. © Stephan Teine

An Fundstellen in Innenstädten müsse er sich für seine Arbeit oft auch rechtfertigen. „Manche Leute haben kein Verständnis für die archäologische Erfassung“, sagt er. Gerade die Arbeiter auf einer Baustelle oder die Bauherren würden sich dadurch behindert fühlen. Manchmal würden Fundstellen sogar zugemüllt. „Das ist beispielsweise bei der Grabung am Rathaus passiert“, erzählt Dennis Becker. Dort sei er noch vor einigen Wochen im Einsatz gewesen. An der aktuellen Fundstelle sei es aber ruhig geblieben.

Vredener wollen, dass es auf der Baustelle voran geht

Tatsächlich haben sich einige Zuschauer am Bauzaun versammelt und sehen den Archäologen aus der Entfernung zu. Interessant sei das Ganze ja schon. Dennoch ist den Vredenern die Zukunft wichtiger als die Vergangenheit: „Hauptsache, die Bauarbeiter können schnell weiterarbeiten“, sagt einer von ihnen. „Wenn man irgendwo in Vreden ein Loch gräbt, kommt ja immer etwas aus der Vergangenheit zum Vorschein“, sagt ein anderer. Winkt ab, lacht und geht weiter.

Lesen Sie jetzt