Auf in die Welt!

Constantin Huesker

Hinausgehen in die weite Welt, Erfahrungen sammeln, Leute kennenlernen und den Horizont erweitern - Constantin Huesker kann das nur empfehlen. Der 26-jährige Vredener absolviert ein BWL-Studium mit internationalem Schwerpunkt. Das Schwabenland um Reutlingen hat er dabei genauso kennengelernt wie Irlands Hauptstadt Dublin, die chinesische Großstadt Hangzhou oder das texanische Lubbock in den USA.

VREDEN

von Von Anne Winter-Weckenbrock

, 09.11.2013, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Was dem jungen Vredener entgegen kam: Die intensive Behandlung Irlands im englischsprachigen Erdkundeunterricht von Fritz Berger am Georgianum. „Er hat uns stets motiviert, zu sprechen – auch wenn nicht alles grammatikalisch richtig war, hat uns das natürlich ein bisschen die Scheu genommen“, blickt Constantin Huesker zurück. Denn auch in der Dubliner Uni kam es nicht darauf an, alles hundertprozentig richtig zu formulieren – die Professoren hatten in dem internationalen Studiengang ja so ihre Erfahrungen. „Eine tolle Studentenstadt“, schwärmt der Vredener. Angetan ist er von den vielen studentischen Clubs und Societys an der Dublin City University, die das dortige Studentenleben enorm geprägt haben. „Das war eine tolle Gelegenheit, um Leute kennenzulernen, aber auch um Verantwortung zu übernehmen, denn die Clubs werden vollkommen von Studenten geleitet“, bilanziert Huesker.

So bereiste er mit dem „Hiking Club“ nicht nur die Gegend um Dublin, sondern auch die raue Westküste bei Galway oder den grünen Ring of Kerry im Süden Irlands. „In den kleinen Dörfern gab es nach unseren Tagestouren dann ein Pint Guinness, dabei haben die Einheimischen gesungen und Gitarre und Flöte gespielt“, hat der Vredener schöne Erfahrungen gemacht. Ein Praktikum führte den Vredener dann nach China. Im Accounting Department eines Werks des Konzerns Bosch – dort werden Werkzeuge für den amerikanischen Heimwerkermarkt produziert – in Hangzhou sammelte er Praxiserfahrungen. Diese Acht-Millionen-Stadt ist eine knappe Zugstunde von Shanghai entfernt. Anders als in Shanghai oder Peking sei er dort auch etwas „verwundert“ angeschaut worden. „Viele junge Chinesen fragten dann, ob sie ein Foto mit uns machen dürften. Am Anfang fanden wir das noch ganz amüsant, zum Ende hin wurde es aber schon etwas anstrengend“, gibt Huesker zu.

Mit rund 30 chinesischen Wörtern konnte er sich am Ende irgendwie „durchschlagen“ – er und zehn weitere deutsche Praktikanten waren aber auch froh über die Hilfe von Liu Xiaoshuang, einer Englisch sprechenden Chinesin, die den Werksleiter der Boschniederlassung unterstützte. Überhaupt: Stets höflich und freundlich wurden die Deutschen empfangen und die Chinesen waren bemüht, den Praktikanten alles recht zu machen. „Insbesondere in Restaurants, dies wurde auf dem Land noch deutlicher, als in der Stadt“, so der Student. Auch wenn er das chinesische Essen schätzt: „Am Ende der fünf Monate habe ich mich wieder auf Deutschland und Europa gefreut, nicht nur auf saubere, nicht von Smog verschmutze Luft, sondern auch auf ein knuspriges Brötchen. Und auf die Möglichkeit, sich auch mal wieder mit anderen Leuten „richtig“ unterhalten zu können.“

Weil Constantin Huesker seine Banklehre als Praktikum angerechnet wurde, hatte er die Chance, im Rahmen seines Studiums noch eine weitere Uni im Ausland zu besuchen. „In the middle of nowhere“ – zu Deutsch „Mitten im Nichts“ - landete er, in Lubbock, Texas, an der Texas Tech University. Das Studium dort sei sehr verschult. Klausuren, Tests, Hausarbeiten sowie die Anwesenheit werde regelmäßig überprüft und das Selbststudium sei dort viel stärker ausgeprägt als an den Hochschulen in Dublin oder Reutlingen. „Das hat mir nicht so gefallen“, ist Huesker ehrlich. Aber: „Beeindruckend an der Uni war die schiere Größe und die vorbildliche Ausstattung“, lobt er. Klassenräume, Sportanlagen, Bücherei und Sportstadien waren dort „vom Feinsten“ - bei bis zu 30 000 Euro Studiengebühren pro Jahr seien die Unis aber finanziell auch ganz anders aufgestellt als die deutschen Hochschulen.

Auch in Texas fühlte sich der Vredener gut aufgenommen und freute sich über den mexikanischen Einfluss dort. „Gerade auch der Small-Talk ist dort viel ausgeprägter und selbstverständlicher als in Deutschland – man wird einfach überall angesprochen“, erzählt der Student. Nahezu geschockt aber hat den Vredener das fehlende Umweltbewusstsein: „Vielleicht sind wir Deutschen da an einigen Stellen auch ein bisschen zu genau. Aber ein Verständnis für den Umweltschutz fehlt in Amerika gänzlich“, hat er festgestellt. Das betreffe nicht nur die überdimensionierten Autos mit 20-Liter-Verbrauch, sondern auch der Abfall in Form von Plastikdosen, Bechern und Behältern. Recycling? Ein Fremdwort.

Nun ist Constantin Huesker wieder nach Deutschland zurückgekehrt – und leidet ein bisschen an Fernweh. Er möchte auf Basis seiner Erfahrungen allen jungen Menschen Mut machen, einen ersten Schritt zu gehen. „Auch die Tatsache, dass man vielleicht nicht in einem Drei-Sterne-Hotel schläft, sondern sich mit zehn anderen jungen Leuten ein Hostel-Zimmer teilt, führt einen zu neuen Erfahrungen und Kontakten zu jungen Menschen überall in der Welt“. Familie und Freunde sehe man da zwar nicht mehr so häufig – aber mit Facebook, Skype und Co. schaffe man es doch, den Kontakt zu halten.

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