Beamtenbeleidigung kommt Vredenerin teuer zu stehen: 600 Euro Geldstrafe

rnAmtsgericht Ahaus

Es tat ihr aufrichtig leid, aber das half ihr nicht: Eine 51-Jährige hatte einen Polizeibeamten, der ihr zu Hilfe gekommen war, übel beleidigt. Die Vredenerin stimmte einer Geldstrafe zu.

Vreden

, 17.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Da kochten die Emotionen hoch im Saal 2 des Ahauser Amtsgerichts am Dienstagmorgen: Wegen der wüsten Beschimpfung, die sie gegenüber einem Polizeibeamten losgelassen hatte – laut Anklage wörtlich: „Was bist du denn für ein abgefuckter Drecksbulle“ – , gab sich die Angeklagte zunächst sehr zerknirscht. Als aber der Kollege des beleidigten Beamten als Zeuge in der Verhandlung aussagte, dass sie ihm und seinen Kollegen mit weiteren Beschimpfungen bis an den Streifenwagen gefolgt sei, verlor sie die Fassung. „Das ist gemein, das stimmt doch nicht, warum machen Sie das?“, wandte sie sich, den Tränen nahe, an den Polizeibeamten.

Da drohte der Geduldsfaden des Richters zu reißen: Der Polizeibeamte sei wie jeder andere Zeuge auch zur Wahrheit bei seiner Aussage verpflichtet, und er riskiere sicher nicht wegen einer Falschaussage seinen Job, klärte er die Angeklagte auf. Im Übrigen könne er nicht von einem „astreinen Geständnis“ der Angeklagten ausgehen.

„In Panik die Polizei gerufen“

Aber von vorn. In einer Nacht im September 2018 hatte die 51-Jährige den Polizeinotruf gewählt. Vor Gericht schilderte sie, wie es dazu kam. Sie habe einen „ganz großen Streit“ mit ihrem Mann gehabt. Ihr Mann sei alkoholisiert gewesen und habe sie einmal geschlagen. „Da habe ich in Panik die Polizei gerufen“, sagte die 51-Jährige. Ob ihr Anruf die Polizei erreicht habe, habe sie nicht gewusst, weil ihr Mann ihr das Telefon aus der Hand geschlagen habe. Dann sei er mit dem Rad weggefahren.

„Ich war total aufgelöst, es war der schwärzeste Tag in meinem Leben seit 20 Jahren“, sagte die Angeklagte. Als dann die Polizei geklingelt habe, habe sie sich aufs Sofa gesetzt und habe weinend versucht, den zwei Beamten zu erzählen, was vorgefallen war. Der eine Polizeibeamte habe ihr stehend zugehört, der andere sei zur Flurtür gegangen und habe diese geöffnet. „Das dürfen Sie nicht!“, habe sie ihm daraufhin gesagt. Dass die Polizeibeamten ihr helfen wollten, habe sie in dem Moment nicht so empfunden. Sie habe sich gefühlt, als sei sie eine Kriminelle und es gebe eine Hausdurchsuchung, schilderte sie vor Gericht.

„Sie haben hier nichts rumzuschnüffeln!“

Der Polizeibeamte habe ihr dann erklärt, dass er nachschauen dürfe und auch müsse, ob ihr Mann oder weitere Personen sich noch in der Wohnung aufhielten. Die Angeklagte sagte, sie habe dem Polizisten dann vorgehalten, dass er sie doch einfach hätte fragen sollen. Der als Zeuge geladene Polizeibeamte schilderte die Szene und erinnerte sich an einen anderen Wortlaut. Sein Kollege habe die Flurtür wieder zugemacht und der Angeklagten erklärt, dass er nachsehen müsse, auch aus Eigenschutz. Die Angeklagte habe ihn daraufhin angefahren: „Sie haben hier nichts rumzuschnüffeln, was fällt Ihnen ein? Verlassen Sie mein Haus.“

Daraufhin hätte der Kollege – dieser war erkrankt und konnte so am Dienstag nicht als Zeuge aussagen – gesagt, dass sie dann nichts mehr tun könnten und beide hätten sich zum Gehen gewandt. Dann habe sie die Beleidigung gegen seinen Kollegen losgelassen. „Da war ich selber erst mal perplex“, erinnerte sich der 40-jährige Beamte, „dass man wegen Hinweisen auf Körperverletzung und häuslicher Gewalt zur Hilfe kommt und dann so beleidigt wird.“ Auf dem Weg zum Streifenwagen sei die 51-Jährige ihnen nachgelaufen und habe weitere Beschimpfungen von sich gegeben. „Da haben wir aber schon nicht mehr drauf gehört.“

Entschuldigungsversuche gescheitert

Das wies die Angeklagte weit von sich, der Richter schenkte aber der Aussage des Polizeibeamten mehr Glauben. Auch, was das Geschehen vor der Beleidigung angehe. Die Angeklagte hatte nach eigenen Angaben erst durch die Anzeige ihre genaue Wortwahl erfahren, sie könne sich nicht daran erinnern. „Ich schäme mich total dafür.“ Mehrere Versuche, sich bei dem Polizeibeamten persönlich oder telefonisch zu entschuldigen, seien gescheitert.

Gegen einen Strafbefehl, der eine Strafe von 600 Euro in 20 Tagessätzen beinhaltete, hatte sie Einspruch eingelegt, so kam es zur Verhandlung am Dienstag. „Da kann man nichts mehr machen? Wird das nicht weniger?“, fragte sie ungläubig den Richter. Dass es bei einem Urteil eher mehr werde, stellte ihr der spürbar verärgerte Richter in Aussicht. Widerstrebend zog die 51-Jährige dann den Einspruch zurück, nicht ohne den Polizeibeamten nochmals zu fragen: „Warum tun Sie das?“

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