Bei „Adriano“ geht es familiär zu und ein einfaches Gericht sorgt für echten Genuss

rnRestaurant-Check

Die „Pizzeria Adriano“ in der Vredener Innenstadt bietet Vielfalt – ohne, dass die Speisekarte überfrachtet ist. Italienische Standardgerichte kommen bodenständig daher in der Pizzeria.

Vreden

, 09.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Seit zehneinhalb Jahren gibt es die „Pizzeria Adriano“ am Klühnmarkt in der Vredener Innenstadt. Wir haben uns an einem Dienstagabend Ende Oktober Zeit genommen für einen Restaurantcheck bei „Adriano“, wie das Lokal in Vreden verkürzt genannt wird. Wir hatten vorsichtshalber einen Tisch für zwei Personen reserviert, können uns aber um 19.30 Uhr noch einen Tisch aussuchen.

Bei „Adriano“ geht es familiär zu und ein einfaches Gericht sorgt für echten Genuss

Die Pizzeria ist in mediterranem Ambiente eingerichtet, ist eine Mischung von Ristorante und Trattoria. © Markus Gehring

Die freundliche Bedienung – wie wir später erfahren ist es Dorentina Hadraj, die Tochter des Chefs – zeigt in den Gastraum, und wir wählen einen Vierertisch in der Mitte neben einem schon besetzten Tisch. Dorentina Hadraj notiert unsere Getränkewünsche und macht sich wieder in Richtung Theke auf den Weg. Bei Adriano ist die Karte schon auf dem Tisch und wird nicht extra angereicht.

Die Speisekarte ist ein Flyer

Wir studieren ausgiebig den beidseitig bedruckten, dreiteiligen Flyer. Desserts stehen nicht auf der Karte. Das ermutigt uns, drei Vorspeisen zu wählen für den Restaurantcheck, bei dem wir ja sonst drei Gänge wählen, um vieles testen zu können. Wir entscheiden uns für Mozzarella e Pomodoro, Bruschetta und Zuppa Minestrone. Wasser und alkoholfreies Bier sind schnell serviert, und das Warten auf die Vorspeisen beginnt.

SO FUNKTIONIERT DER RESTAURANT-CHECK

Wir gehen ohne Ankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale, zahlende Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Lokale so, wie wir über sie mit Freunden und Bekannten sprechen würden – mit ihren Schwächen und Stärken.

Zeit, das Ambiente zu checken. Mediterran und freundlich ist die Einrichtung, eine Mischung zwischen Restaurant und Trattoria. Dunkle Stühle stehen an etwas helleren Holztischen, die Wände sind in mediterranen Farben und Weiß gehalten und werden von Leuchtern, kleinen Regalen mit Weinflaschen und Fotos von riesigen Pizzen geschmückt. Das Foto macht ja schon Lust auf eine Pizza, aber ich habe mich für Nudeln als Hauptgericht entschieden. Aber dazu später mehr.

Bei „Adriano“ geht es familiär zu und ein einfaches Gericht sorgt für echten Genuss

Die Bruschetta-Scheiben waren lecker belegt und trieften nicht vor Öl. Die Vorspeise reicht eigentlich für zwei. © Anne Winter-Weckenbrock

Als die drei Vorspeisen serviert werden, verstehe ich, dass Dorentina Hadraj gefragt hat, ob die Hauptspeise etwas kleiner ausfallen sollte. Die Bruschetta hätte ich nicht so üppig erwartet. Gleich vier größere, dünne und leicht geröstete Brotscheiben, verziert mit etwas Rucola, werden serviert. Der Belag ist eine gute Mischung aus Tomaten und roten Zwiebeln, es wurde nicht zu viel Öl verwendet. Schon mal ein leckerer Starter, den mein Mann und ich uns teilen.

Bei „Adriano“ geht es familiär zu und ein einfaches Gericht sorgt für echten Genuss

Tomaten, Mozzarella, Balsamico und Ruccola – auch fürs Auge angerichtet. © Anne Winter-Weckenbrock

Mozzarella e Pomodoro macht immer schon optisch etwas her. Aber auch geschmacklich überzeugt eines seiner Lieblingsvorspeisen meinen Mann. Er hat nicht mal mit Salz oder Pfeffer nachgewürzt, und das will etwas heißen.

Bei „Adriano“ geht es familiär zu und ein einfaches Gericht sorgt für echten Genuss

Die Zuppa Minestrone: mit viel Gemüse, so wie es sein soll. © Anne Winter-Weckenbrock

Die Minestrone war optisch eher kein Highlight, aber vom Geschmack her typisch zurückhaltend gewürzt. Maiskörner hatte ich jetzt nicht erwartet, aber zusammen mit Möhren, Zucchini, Champignons, Tomaten und Karotten ist die auch heiße Suppe in Ordnung.

Bei „Adriano“ geht es familiär zu und ein einfaches Gericht sorgt für echten Genuss

Die Offenbarung des Abends: Das ofenwarme Pizzabrot, das zu Mozzarella und Tomaten gereicht wurde. © Anne Winter-Weckenbrock

Was uns richtig begeistert hat: Das warmes Pizzabrot, das zum Mozzarella e Pomodoro gereicht wurde. Es füllt einen Pizzateller, ist in Streifen geschnitten und leicht mit Oregano bestreut.

Ein Genuss, man könne sich daran satt essen. Wie Dorentina Hadraj uns später verrät, wird der Teig leicht mit Knoblauchöl bestrichen. Das macht sicher noch die besondere Note aus.

Zum Hauptgericht würde ich gerne einen Weißwein trinken. Die Frage „süß oder trocken“ beantworte ich entschieden mit „trocken“. Im Preis macht das eh keinen Unterschied: die offenen Weine kosten pro Viertel fünf Euro. Vom Geschmack her ist meine Wahl Frascati leicht, aber irgendwie uninteressant. Aber ich kann nicht behaupten, dass er nicht schmeckt zu den Spaghetti.

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Spaghetti mit Gambas: Tomatensauce mit Cocktailtomaten und Gambas. Ein schlichtes Gericht mit Gambas als feine Zutat. © Anne Winter-Weckenbrock

Meine Wahl fürs Hauptgericht ist auf Spaghetti mit Gambas gefallen. Die Spaghetti haben eine gute Konsistenz, etwas weicher als al dente, sind in Tomatensauce gedreht und Gambas finde ich reichlich auf dem Teller. Es ist ein einfaches Gericht mit einer teuren Zutat, und genauso schmeckt es. Auch hier wurde nicht zu viel Fett verwendet, Cocktailtomaten sind in der Sauce enthalten und ein leichter Hauch Knoblauch rundet das leckere Gericht ab.

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Pizza Hawaii: Der Pizzateig ist nicht zu dick und knusprig. © Anne Winter-Weckenbrock

Mein Mann hat Pizza Hawaii gewählt. Die Pizza ist nicht übergroß und war nicht zu kurz im Ofen. So muss es sein. Der Teig ist nicht zu dick und knusprig, was gut bei uns ankommt. Für meinen Geschmack ist zuviel Ananas auf der Pizza, aber wer’s mag: Auch dieser Teller geht leer zurück. Ein frisches Veltins zum Nachtisch – das war es.

Das Fazit

Die „Pizzeria Adriano“ ist eine Pizzeria und kein Restaurant, in dem wir feinste italieneische Küche erwartet hätten. Das Lokal ist auf jede Appetitstufe, auf jeden Geldbeutel und auf viele Geschmacksrichtungen eingestellt.

Beim Genießen des Hauptgerichts wurde es voller am Dienstagabend im „Adriano“: Eine Gruppe Vredener besetzte offensichtlich einen Stammtisch. Dorentina Hadraj serviert den Stammgästen routiniert Getränke.

Bei „Adriano“ geht es familiär zu und ein einfaches Gericht sorgt für echten Genuss

Am Klühnmarkt 10 in der Vredener Innenstadt ist die Pizzeria Adriano seit zehneinhalb Jahren zu finden. © Markus Gehring

Die Gäste dürfen sich auch mal ohne ein Gericht zu verzehren unterhalten und nur Getränke genießen in der Pizzeria. Etwas später kommt noch ein Stammtisch, erzählt die Servicekraft.

Auch ein Pluspunkt, der vorher aufgefallen ist: Die Pizzeria Adriano hat, darauf lassen die vertrauten Gespräche und Verabschiedungen deuten, viele Stammgäste, und das ist ja auch ein gutes Zeichen.

Seit 36 Jahren wird Hader Hadraj Adriano genannt

Später im Telefonat erzählt uns Hader Hadraj, wie er zu seinem Spitznamen Adriano kommt. Seine Eltern sind 1967 aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen.

Hader Hadraj ist in Gescher aufgewachsen und hatte viele italienische Freunde und Kollegen, weil er auch bei italienischen Lokalen tätig war. Und weil die Italliener Probleme haben, das „H“ am Anfang auszusprechen, wurde aus Hader schnell „Ader“ – und dann eben italienisch Adriano.

Seit zehneinhalb Jahren ist Hader Hadraj in Vreden und fühlt sich sehr wohl. Der 56-Jährige kocht selbst, aber auch seine Frau oder sein Schwiegersohn.

Seine Töchter arbeiten im Betrieb, weitere Familienmitglieder auch. „Ohne Familie geht das heute fast gar nicht in der Gastronomie“, betont er.

Die Preise

Wir haben 47,50 Euro bezahlt für fünf Gerichte, die uns geschmeckt haben, und vier Getränke – das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in Ordnung. Bei den Vorspeisen waren Mozzarella e Pomodoro mit 8,50 Euro und Bruschetta mit 6 Euro in bekannten Preisregionen, die Minestrone passte für den Preis von 4 Euro.

Die Pizza Hawaii war mit 6,50 Euro angemessen im Preis, die Spaghetti mit Gambas für 9,50 Euro ebenso. Wein (ein Viertel für 5 Euro), alkoholfreies Weizenbier (0,5 für 3,90 Euro), Pils (0,3 für 2,50 Euro) und Wasser (0,25 für 2 Euro) waren im völlig normalen Bereich.

Das Angebot

Neun Vorspeisen, davon drei Suppen, 22 verschiedene Pizzen, 15 Nudelgerichte, sieben Salate, fünf Fleischgerichte und ein Fischgericht bieten Vielfalt. Auf der Tages-Tafel stehen zwei weitere Gerichte, die mit 10,50 Euro teuerste Pizza Rucola mit Gambas, dazu noch Spaghetti mit Meeresfrüchten und Hähnchenbrust und Pilze. Von der Pizza Margherita für 4,50 Euro bis zum „Steak Adriano“ für 20,50 Euro reicht die Preisskala.

Kinderfreundlichkeit

Eine eigene Kinderkarte gibt es in der Pizzeria nicht. Aber, so sagt Hader Hadraj, für Kinder können natürlich kleinere Gerichte bestellen.

Das sagt das Netz

Viereinhalb von fünf Punkten ist das Ergebnis von neun Bewertungen auf Tripadvisor. „Sehr lecker und super Service. Ist für alle nur zu empfehlen Nicht nur Pizza sondern auch Pasta und Steak“, schwärmte ein Nutzernoch im September 2019.

Auch der Kommentar „Pizza Rucola Gambas ist einfach unschlagbar“ auf Google spendet Lob, ebenso „Preis-Leistung passt, komme immer wieder gerne her.“

Aber es gibt auch harsche Kritik, die allerdings recht allein steht: „Dreckige Tische, Pizza ohne Charakter, Bedienung eher Branchenfremd, schnell hin und schnell raus ist die Devise. Toiletten sauber.“

Barrierefreiheit

Das Lokal und auch die Außenplätze auf dem Klühnmarkt im Sommer sind barrierefrei zu erreichen.

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