Benzin und Diesel kosten in Vreden mehr als in der Umgebung – ein Erklärungsversuch

rnKraftstoffpreise

Warum kostet Kraftstoff in Vreden mehr als wenige Kilometer weiter? Eine richtig griffige Erklärung liefert niemand. Die Tankstellen-Pächter kennen das Problem, können aber nur wenig tun.

Vreden

, 15.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sprit kostet in Vreden immer am meisten.“ Diese Autofahrerweisheit hält sich seit Jahren. Teils wütend, teils resigniert reagieren Autofahrer darauf. Doch gibt es einen Grund für die Preisunterschiede? Wir haben nachgefragt.

Den Vergleich beschränken wir auf die beiden Tankstellen-Marken, die sowohl in Vreden als auch in Ahaus und Stadtlohn vertreten sind: Avia und Westfalen. Stichprobe am Dienstagnachmittag: Laut den Angaben auf den beiden Homepages von Avia und Westfalen kostet der Liter Super-Benzin um 16.15 Uhr in Ahaus 1,37 Euro, in Stadtlohn sind es 1,44 Euro, in Vreden 1,46 Euro. Beim Diesel sieht es ähnlich aus: Ahaus 1,32 Euro, Stadtlohn, 1,34 Euro, Vreden 1,35 Euro.

Preisunterschiede machen sich schnell bemerkbar

Eine Lappalie? Naja: Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von acht Litern Super-Benzin auf 100 Kilometer kommt es so schon zu einem Preisunterschied von 72 Cent – für die dieselbe Strecke, mit demselben Treibstoff im selben Auto. Aufs Jahr gerechnet, summiert sich das schnell: 2018 war jeder Pkw in Deutschland im Schnitt rund 14.000 Kilometer pro Jahr unterwegs. Preisunterschied nur wegen der unterschiedlichen Tankstellenpreise: knapp 100 Euro.

Benzin und Diesel kosten in Vreden mehr als in der Umgebung – ein Erklärungsversuch

Getankt wird immer – auch in Vreden. Der Preis für den Kraftstoff ändert sich allerdings bis zu zehn Mal am Tag. © picture alliance/dpa

Reinhard Buss von der Westfalen-Tankstelle an der Bahnhofstraße in Vreden kennt den Vorwurf. „Autofahrer kommen regelmäßig und wollen eine Diskussion über die unterschiedlichen Spritpreise anfangen“, sagt er und lächelt. Seit fast 22 Jahren betreibt der Pächter die Tankstelle.

Erklären kann er die Preise allerdings nicht: „Die werden von der Konzernzentrale vorgegeben“, sagt er. Oft genug schaue er aus seinem Bürofenster und wundere sich selbst, dass sich der Preis schon wieder verändert hat. „Davon bekommen wir gar nichts mit“, sagt er. Acht- bis zehnmal pro Tag verändere sich der Preis.

Preis wird mehrfach täglich von den Zentralen geändert

„Bis vor ein paar Jahren wurden wir noch angerufen und mussten die Preise per Hand ändern“, sagt er. Das sei inzwischen automatisiert worden. Der Disponent in der Zentrale passe die Preise an den aktuellen Markt an. Von den höheren Preisen profitiert er allerdings nicht: „Meine Marge ist immer dieselbe“, sagt er. Deswegen würde ihm im Zweifel ein niedrigerer Preis sogar helfen: „Dann könnte ich mehr Liter verkaufen.“

Noch einmal die Probe – dieses Mal am Mittwochvormittag:

Super-Benzin: Vreden: 1,47 Euro, Ahaus: 1,40 Euro, Stadtlohn: 1,42 Euro

Diesel: Vreden: 1,37 Euro, Ahaus: 1,32 Euro, Stadtlohn: 1,36 Euro

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Der Markt endet für die Vredener Tankstellen übrigens ziemlich genau an der Stadtgrenze. „Was in den Nachbarstädten passiert, spielt für die Preise in Vreden eigentlich keine Rolle“, erklärt er. Auch wenn nur wenige Kilometer zwischen den Tankstellen liegen. Auch das sei schon seit Jahrzehnten so. Die Kunden allerdings kämen auch von außerhalb. „Im Moment vor allem aus den Niederlanden“, sagt er. Dort sei der Treibstoff aktuell ja teurer geworden. „Auch das war ja früher anders herum“, sagt Reinhard Buss.

Bekannte tanken zum Teil nicht in Vreden

Und natürlich habe er auch Bekannte in Vreden, die nie dort tanken würden. „Was soll ich sagen? Der Unterschied beispielsweise für einen Handwerksbetrieb ist ja schon sehr deutlich“, erklärt er.

Hildegard Werth, Pressesprecherin der Westfalen AG, erklärt, dass es in Vreden eine schärfere Wettbewerbssituation als in anderen Städten gebe. Dass sich die Preise im Vergleich zu den Nachbarstädten allerdings so deutlich unterscheiden, mag sie nicht glauben. „Das sind im Zweifel nur kurzfristige Spitzen“, erklärt sie. Durch die starke Bewegung im Markt ändere sich der Preis ständig. „Deswegen ist der Vergleich auch so schwierig“, sagt sie.

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Auch die Westfalen AG gebe die Preise allerdings nicht vor, sondern folge dabei nur den großen Gesellschaften wie Shell oder BP. Das momentane Hoch bei den Treibstoffpreisen erklärt sie als erste Reaktion der Mineralölkonzerne auf die CO2-Quote für Kraftstoffe. Zu weiteren Einzelheiten der Preisgestaltung sagt sie nichts.

Vergleich für Autofahrer wegen Preisschwankungen kaum möglich

Ähnliche Argumente hat Norbert Lansing, Pächter der Avia-Tankstelle an der Wüllener Straße. Auch er spricht nur von einer Momentaufnahme: „So oft wie sich der Kraftstoffpreis ändert, ist für den Autofahrer der Vergleich ja kaum möglich“, sagt er.

Schon die kurze Fahrt von Ahaus bis Vreden könne die Preise ja schon wieder komplett ändern. Im Gespräch mit Kunden versuche er deswegen, die Preisdiskussion zu vermeiden.

Benzin und Diesel kosten in Vreden mehr als in der Umgebung – ein Erklärungsversuch

Ist der Tank leer, hilft auch kein Ärger über Spritpreise. Online können Autofahrer die Preise an verschiedenen Tankstellen allerdings gut vergleichen. © picture alliance / dpa

Allerdings räumt Norbert Lansing ein, dass das „Drei-Städte-Eck“ Ahaus-Stadtlohn-Vreden beim bundesweiten Vergleich der Kraftstoffpreise weit vorne liege. „Das ist aber schon seit Jahrzehnten so“, sagt er.

Auch er kann sich noch gut an Zeiten erinnern, als die Daten noch nicht aus der Firmenzentrale kamen. „Damals sind wir noch mit dem Auto durch die Gegend gefahren, um an die Preise der anderen Tankstellen zu kommen“, sagt er. Das geschehe ja heute alles durch die Firmenzentrale.

Tankstellen melden Preise regelmäßig an Regulierungsstelle

Seit 2013 würden alle Tankstellen ihre Preise bei der Regulierungsstelle für Kraftstoffpreise im Kartellamt melden. So sollen Preisabsprachen verhindert werden. Gleichzeitig bekommen Verbraucher so die Möglichkeit, sich schon vorab online über die Kraftstoffpreise an unterschiedlichen Tankstellen zu informieren.

Eine ganze Reihe von Online-Diensten bietet diese Informationen an. „Beispielsweise die Clever-Tanken-App“, sagt Norbert Lansing. Die empfehle er seinen Kunden, wenn es um eine Preisdiskussion geht. Die Informationen dort sind allerdings immer ohne Gewähr. „Entscheidend ist am Ende der Preis, der an der Zapfsäule steht“, erklärt Reinhard Buss.

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