Berührende Hommage an John Cage

Künstler ehren Komponisten

Zu Ehren des amerikanische Komponisten John Cage (1912-1992) fand am Samstagabend in Vreden eine Geburtstagsfeier der ganz besonderen Art statt.

VREDEN

von von Denise Perrevort-Elkemann

, 16.09.2012, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mit der Aufführung »Atlas eclipticalis« in der Stiftskirche fand ein langer Abend zu Ehren des Komponisten John Cages einen berührenden Abschluss.

Mit der Aufführung »Atlas eclipticalis« in der Stiftskirche fand ein langer Abend zu Ehren des Komponisten John Cages einen berührenden Abschluss.

 „Wir eröffnen mit unserem Dreiklang die Reihe Vierklang zu Ehren John Cages, einem Gemeinschaftsprojekt vieler verschiedener Künstler“, erklärte Bernd Sikora den Gästen im Berkelkraftwerk, der ersten Station der phantastischen Ehrenfeier. Und diese Künstler hatten sich zur Aufgabe gemacht aus vielen kunstvollen Einzelfragmenten ein gelungenes Ganzes zu formen. Wie viel Wahrheit in Cages Ausspruch „Auch ein Bruchstück kann ein Erfolg sein“ steckt bewies jede der sechs Einzelaktionen. Im wahrsten Sinne des Wortes als ein Knaller erwies sich bereits die erste Kunstaktion Walter Witteks „Frische Luft für Vreden“: Hierbei handelte es sich um einen an der Decke befestigten Ballon, der sich nach und nach mit Luft füllte um dann an einer kunstvoll gefertigten Eisenspitze lautstark zu zerplatzen.  

 Auch die begehbaren Installationen überzeugten jeweils auf ihre eigene Weise. Marianne Stark-Westkamps „Touchscreen“ bestand aus zwei Teilen, bei denen es jeweils darum ging, Kunst zu berühren oder selbst in die Hand zu nehmen. Eine mit Latexbahn bespannte Türöffnung wurde zum spürbaren Bindeglied zweier Räume, durch die man in den angrenzenden Raum fühlen und zur Freude der Besucher sein Gegenüber ertasten konnte.In Bettina Sandhaus „Aussparung im auf den Kopf gestellten Horizont“ stand die aus 1000 Luftballons bestehende Welt Kopf und durch Nikolas Schneiders Spiel „sprechen und schreiben“ fand eine ganz besondere Form der Kommunikation zwischen den Gästen statt. Um zur Aktion „Ozean-Opera“ von Helena Hartmann und Bernd Sikora zu gelangen musste Charlotte Becks „Juke Box“ durchschritten werden, aber der Weg durch die dunkle Box lohnte sich. Denn die Mischung aus Tanz, Musik, Wortspielereien und visualisierter Sinnlichkeit brachte genau das zum Ausdruck, worum es bei dem künstlerischen Abend ging: um die Liebe zur Kunst, Liebe zur Musik, ums Berührtwerden und sich schließlich ganz dieser Sinnlichkeit hinzugeben.Im angrenzenden Park drehte sich dann alles um Cage und seine eigene Auseinandersetzung mit der Kunst des Komponierens. Michael Denhoff, der bei einem Seminar 1981 selbst John Cages Ausführungen erleben durfte, las aus dessen „Composition in Retrospect“ und die Stimmung im dunklen Park war grandios. Einzig Vogelgezwitscher und vorbeifahrende Jugendliche durchbrachen die Stille sowie den ruhigen Vortag und wurden mit Cages Aussagen wie „alles lässt sich üben, auch Ablenkung“ Teil des Geschehens.  

 Eine musikalische Ehrerbietung in der Stiftskirche krönte dann den gelungen Abend. Untermalt von der Lichtinstallation Walter Witteks gaben Dominik Traub (Flöte), Cornelia Artmeyer-Wanning (Klarinette), Gereon Voss (Schlagzeug) und Bernd Sikora (Orgel) Cages „Atlas eclipticalis“ und holten mit ihrer hervorragenden Darbietung die Sterne vom Himmel und die Musik in die Herzen.

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