Bis aufs Blut gereizt

Baseballschläger-Attacke

Ohne Regung hörte der 30-jährige Familienvater aus Vreden am Mittwochnachmittag die Entscheidung des Schwurgerichts Münster. Sechs Monate nach der folgenschweren Baseballschläger-Attacke auf einen seiner Schwäger wurde der Mann zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

VREDEN/MÜNSTER

von Von Martin von Braunschweig

, 13.11.2013, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bluttat markierte den traurigen Tiefpunkt einer langen Reihe von Auseinandersetzungen zwischen zwei verfeindeten Roma-Familien. Vor vielen Jahren brachte die unerwünschte Heirat eines Mannes aus der einen mit einer Frau aus der anderen Sippe alle gegeneinander auf. Der 30-jährige Angeklagte ist dabei wohl noch einer derjenigen, die am wenigsten von verkrusteten Traditionen wissen wollen. "Mir ist das alles egal", hat er einmal im Prozess gesagt. Selbst lebt er mit einer Christin zusammen und hat mit ihr vier Kinder. In seinem Vorgarten standen auch schon Porzellanzwerge.Bild der Schwester Ein Foto auf der Facebook-Seite seiner Lebensgefährtin brachte im Mai aber alles wieder hoch. Die Frau hatte ein Bild der Schwester des Angeklagten online gestellt - und damit deren Mann bis aufs Blut gereizt. "Bei uns gehört die Frau nur dem Mann allein. Nur er darf sie ansehen, niemand sonst", hatte dieser vor Gericht erklärt.Mitte Mai eskalierte die Situation schließlich völlig. Nachdem die Lebensgefährtin des Angeklagten aufgefordert worden war, das Bild wieder zu löschen, fuhren der 30-Jährige und zwei Begleiter zur Wohnung der anderen und schlugen eine Scheibe ein. Beim anschließenden "Gegenbesuch" vor der Wohnung des Familienvaters kam es schließlich zu der folgenschweren Baseballschläger-Attacke. "Der Angeklagte kann von Glück sagen, dass das Opfer die Tat überlebte", sagte der Vorsitzende Richter Michael Skawran gestern.Richter sahen keinen Spielraum mehr Mehrere Tage lag der Verletzte damals im Koma. Sein Schädel war gebrochen, sein Gehirn gefährlich angeschwollen. Heute sind die Verletzungen so gut wie folgenlos wieder verheilt. "Zum Glück", sagte Richter Skawran. "Letztendlich kam das Beiden zugute." Der Angeklagte hatte bis zuletzt gehofft, noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen. Dafür sahen die Richter aber keinen Spielraum mehr.Tötung in Kauf genommen Sie gehen sogar davon aus, dass er bei dem Schlag mit dem Baseballschläger bewusst in Kauf genommen hat, dass sein Kontrahent tödlich verletzt werden könnte. Eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags scheiterte nur daran, dass der 30-Jährige freiwillig nicht noch ein zweites oder drittes Mal zugeschlagen hat. "Die Möglichkeit", so Skawran, "hatte er durchaus." Die Polizei war zu diesem Zeitpunkt zwar schon im Anmarsch, aber letztlich noch zu weit entfernt, um die Attacke verhindern zu können.

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