Briefe zum Büffeln

Handschriftliche Dokumente

In Zeiten von E-Mails, Whatsapp & Co. bleibt der gute alte Brief immer mehr auf der Strecke. Vor 200 Jahren mussten Schüler das Briefeschreiben hingegen noch richtig pauken. Schon das Thema Anrede war eine Disziplin für sich: Mit einem "Sehr geehrter Herr" war es da längst nicht getan. Das geht aus einem alten Buch hervor, das im Besitz von Wilhelm Elling ist. Der 86-Jährige sagt: "Das ist so dermaßen unmodern, dass es schon bemerkenswert ist."

VREDEN

, 24.04.2017, 18:47 Uhr / Lesedauer: 1 min

Das Buch sieht aus, wie fast 200 Jahre alte Bücher eben aussehen: vergilbt, verknickt, eingerissen und fleckig. "Übungs-Buch für Elementar Schulen" lautet der Titel. Und weiter: "Zum Lesenlernen geschriebener deutscher und lateinischer Schrift." Herausgegeben hat es ein Bochumer Lehrer namens J.P.H. Kämper. Wilhelm Elling, von 1965 bis 1994 Vorsitzender des Vredener Heimatvereins und von 1977 bis 1994 Leiter des Kreismuseums Borken, erwarb diese 1831 erschienene dritte Auflage des Werkes vor 24 Jahren für 100 D-Mark aus dem Nachlass des niederländischen Heimatschriftstellers Hendrik Oding.

202 Seiten

Auf 202 Seiten sind darin verschiedene handschriftliche Dokumente zu finden: Bitt- und Dankesschreiben, Trostbriefe, Arbeitszeugnisse, Testamente, aber auch Verträge und Gerichtsbescheide. Damit hätten Kinder früher lesen und schreiben gelernt, so Elling. Auch an Vredener Landschulen wurde Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem Kämperschen Übungsbuch gearbeitet. Das geht aus alten Inventarlisten hervor, die Elling zum Teil in seinem Buch "Die Geschichte der Vredener Landschulen im 19. Jahrhundert" (1999) abgedruckt hat.

Anschreiben

"Früher musste man das Briefeschreiben regelrecht lernen", sagt Elling. Ganz wichtig sei dabei das Thema Anschreiben gewesen. Wo es heute unter Bekannten selten über ein "Hallo" oder "Hi" hinausgeht, schrieb man früher Formulierungen wie "Teuerster Freund". Der Bürgermeister wurde mit "Hochzuehrender Bürgermeister" angeschrieben. Und dann erst der König: "Allerdurchlauchtigster Großmächtigster König, Allergnädigster König und Herr!" steht über einem Brief auf Seite 47 des Übungsbuchs. Das amüsiert mit Blick auf die Gegenwart auch Wilhelm Elling. "Heute hängen ja alle den ganzen Tag am Handy und nutzen eine App, mit der man direkt alle gleichzeitig erreichen kann."

Wilhelm Elling und seine Frau haben jede Seite des Buchs abfotografiert, entwickeln und neu binden lassen. Das Original geht demnächst als Geschenk an das Schulmuseum Ahaus.

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