Brunnengrabung legt Klostergeschichte offen

Heimat- und Altertumsverein

Seit der Aufhebung des Klosters Bethlehem in Zwillbrock 1811 und dem anschließenden Abbruch der Klostergebäude zeugt heute vor Ort noch die Kirche St. Franziskus vom barocken Glanz des einstigen Franziskaner-Minoriten-Klosters an der Grenze. Anlass genug für den Vredener Heimat- und Altertumsverein, die Geschichte weiter nachzuvollziehen - durch eine Grabung.

Vreden

18.11.2016, 18:25 Uhr / Lesedauer: 1 min

Seit zehn Jahren hat auch die Archäologie die Klostergeschichte durch Bodenuntersuchungen anschaulicher gemacht. Im Jahr 2007 wurden so im Zuge von Bauarbeiten für eine neue Pfarrhaus-Garage die Fundamentreste des ehemaligen Ostflügels des Klosters von der LWL-Denkmalpflege für Westfalen untersucht, wie Guido Leeck, Heimatvereins-Vorsitzender, mitteilt.

Wasserquelle für das Kloster

Dabei stießen die Fachleute überraschend auf die Wandung eines gemauerten Brunnens, der in das historische Gebäudefundament integriert war. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vermutete damals, dass der Brunnen schon vor dem Bau des Ostflügels von 1713 bis 1717 existierte und dann weiterhin als Wasserquelle für das Kloster genutzt wurde. Nach erfolgter Absprache mit dem LWL hat sich jüngst die Archäologie- und Sondengängergruppe des Vredener Heimat- und Altertumsvereins diesem kleinen Brunnen-Forschungsprojekt angenommen. Die Hobby-Archäologen Adi Kranz, Michael Kadler, Stephan Sokolowki, Christian Gewers, Chris Hett und Guido Leeck sind an mehreren Wochenenden an jener Stelle der Klostergeschichte sprichwörtlich auf den Grund gegangen. Mit fast jedem aus der Tiefe des bis zu 1,50 Meter im Durchmesser messenden Brunnenschachtes nach oben gezogenen Eimer holten sie in echter Detailarbeit Zeugnisse der Klostergeschichte an das Tageslicht.

Aus der Gründungszeit

"Der Brunnen hatte mehrere Nutzungsphasen", stellt Michael Kadler fest. Geht man davon aus, dass er schon vor dem Bau des Kloster-Ostflügels angelegt wurde, dürften die Funde am Grund des Brunnens noch aus der Gründungszeit des Missionsklosters ab 1652 stammen.

Brunnen als Abfallgrube

"Wann genau und warum der Brunnen dann aufgegeben wurde und nur noch als Abfallgrube diente, konnte bisher noch nicht abschließend ermittelt werden", so Guido Leeck. Doch der heraufgeholte Abfall stellt heute einen Spiegel des damaligen Klosterlebens bis circa 1750 dar - so authentisch nah ist man den damaligen Patres wohl selten.

Die gesamten Ergebnisse der Brunnengrabung wurden anschließend einigen Vorstands- und Beiratsmitgliedern des Vredener Heimat- und Altertumsvereins im Rahmen einer Herbstwanderung um das Zwillbrocker Venn im Pfarrhaus von St. Franziskus vorgestellt.

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