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Chef konnte seinen Azubi nicht bezahlen und war gar nicht ausbildungsberechtigt

Betrugsverfahren

Handwerksbetrieb von der Rolle: Ohne Ausbildungsberechtigung und ohne ausreichend Geld hat eine Vredener Firma einen Ausbildungsvertrag geschlossen. Jetzt stand der Chef vor Gericht.

Vreden

, 03.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Staatsanwalt sprach von „Kuddelmuddel“, und der Richter sagte: „In der Firma ist offenbar jede Menge komisches Zeugs gelaufen.“ Inzwischen ist das Vredener Handwerksunternehmen insolvent. Am Montag saß der Inhaber auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Er soll im Sommer 2017 einen Auszubildenden eingestellt haben, obwohl sein Betrieb nicht mehr in der Handwerksrolle eingetragen war. Und obwohl er den Auszubildenden nicht wie vorgesehen bezahlen konnte.

Angestellte Meister wechselten oft

Die Beweisaufnahme offenbarte dann das zitierte Kuddelmuddel: Unterschriften auf Verträgen waren augenscheinlich nicht eigenhändig gemacht worden. Verantwortlichkeiten waren unklar. In der Firma wechselten fast im Quartalstakt die Meister. Der eine, so schilderte es der angeklagte Firmeninhaber, erschien mehrmals betrunken zur Arbeit, der andere bestand seine Meisterprüfung nicht, der nächste konnte krankheitsbedingt nicht mehr auf die Baustelle. Über diese Wechsel löschte die Handwerkskammer die Firma aus der Handwerksrolle. „Aber ich hatte einen Antrag auf Neueintragung gestellt“, erklärte der Angeklagte.

Nur 300 statt 1000 Euro Lohn bekommen

Der 21-jährige Auszubildende hatte zuvor seine Lehre in einer anderen Firma abgebrochen. Dort war es zu Diebstählen gekommen. Die Verdächtigungen, so erzählte er vor Gericht, hätten auch ihn getroffen. Das habe er sich nicht bieten lassen wollen. In der Firma des Angeklagten trat er sein drittes Ausbildungsjahr an. Von Anfang an erhielt er aber nur unregelmäßig und zu wenig Lohn. Meist nur 300 statt der ihm zustehenden rund 1000 Euro.

Knapp ein halbes Jahr später legte der Azubi seinem Chef einen Zettel auf den Tisch: „Die Kündigung bekommst du Montag.“ Das war im November 2017. „Das hatte ich aber nicht als Kündigung gemeint“, so der 21-Jährige. Sein Chef aber verstand es genau so und stellte seine Lohnzahlung ganz ein. Inzwischen ist die Firma insolvent. „Wegen der Sache mit der Handwerksrolle musste ich schon 15.000 Euro Geldbuße an den Kreis zahlen. Jetzt ist alles weg.“

Richter und Staatsanwalt strebten einen Ausgleich zugunsten des Azubis an. „Wenn Sie 500 Euro zahlen, dann können wir dieses Strafverfahren einstellen.“ Der Angeklagte sträubte sich und erhob Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Ausbildenden. Da wählte der Richter deutliche Worte: „Wir können das Verfahren auch mit intensiven Zeugenbefragungen fortsetzen. Wirklich sauber ist das hier alles nicht gelaufen. Ich glaube, wir könnten in ein Bienennest stechen.“ Da lenkte der Angeklagte ein: „Ich werde das Geld gleich überweisen.“ Das Verfahren wurde daraufhin vorläufig eingestellt.

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