Christoph Winkelhorst lässt Büschkers Stuben und Clemens am Wochenende geschlossen

rnNeues Gastronomiekonzept

Es ist eine kleine Revolution in Ammeloe: Büschkers Stuben und das Clemens bleiben samstags und sonntags zu. Christoph Winkelhorsts Erklärung klingt logisch, aber überrascht.

Vreden

, 09.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die beiden Restaurants Clemens und Büschkers Stuben im Hotel Restaurant am Kring bleiben ab sofort samstags und sonntags geschlossen. Zum Jahreswechsel hat sich Inhaber Christoph Winkelhorst zu diesem Schritt entschlossen.

Zwei Gerüchten schiebt er dabei gleich vehement einen großen Riegel vor. „Das tue ich weder aus wirtschaftlichen noch aus gesundheitlichen Gründen“, sagt der Hotelier. Diese Erklärungen habe er nun schon mehrfach aus dem Dorf oder von Gästen gehört. Doch da sei nichts dran. Das Ärgerliche: „Die reden nicht mit mir. Das hört man immer nur um drei Ecken“, sagt er.

Einfache aber überraschende Erklärung

Christoph Winkelhorst hat eine einfache, aber nicht weniger überraschende Erklärung für seinen Schritt: Es geht ihm um die Zufriedenheit seines Personals. Und seine eigene Familie.

Doch der Reihe nach: Durch die Stoßzeiten an den Wochenenden sei es in den beiden Restaurants immer wieder zu Engpässen gekommen. „Die meisten Menschen wollen ja samstagabends pünktlich um 19 Uhr essen“, sagt er. Diese Spitzen im Betrieb seien aber nur noch schwer mit dem Stammpersonal aufzufangen.

Mehr Zeit für die Familien

Acht Festangestellte hat er und eine größere Anzahl von Aushilfen. „Doch die Mitarbeiter wollen ja am liebesten auch am Wochenende frei haben“, erklärt er. Um soziale Kontakte zu pflegen oder sich um die Familie zu kümmern. Gründe, die der Hotelier und Gastronom nur allzu gut verstehen kann: Auch er selbst wolle ja Zeit für seine Familie haben. „Ich bin in der Gastronomie geboren, habe es nie anders kennengelernt“, sagt er. Gleichzeitig sei ihm mit der Zeit aber auch klar geworden, „dass man nur einmal lebt“. Und auch das gelte natürlich für seine Mitarbeiter.

Am Ende war es für ihn ein klarer wenn auch radikaler Schnitt: Die Restaurants bleiben am Wochenende geschlossen, dafür hat er rundum zufriedene Mitarbeiter. „So können wir uns ja auch als attraktiver Arbeitgeber positionieren“, erklärt er. Denn auch das ist ihm wichtig: Das, was er anbietet, soll eine gute Qualität haben.

Die sei aber nur mit guten Mitarbeitern und deren Entlastung zu erreichen. Denn um neue Mitarbeiter einzustellen, sei sein Betrieb zu klein. Um alles selbst zu machen, sei er indes zu groß. „Nicht einfach“, gibt er zu. Doch selbst wenn er wollte, sei die Suche nach neuen Mitarbeitern extrem schwierig. „Wir kommen mit der Zahl unserer Mitarbeiter eigentlich gut zurecht. Es darf nur keine Ausfälle geben oder etwas dazwischen kommen“, sagt er. Dann beginne das ganze System zu kippeln.

Viel Arbeit unter der Woche falle nun weg

Gleichzeitig würde durch die Wochenenden auch unter der Woche viel Arbeit entstehen. „Sei es durch Bürokratie, Menübesprechung, Gästekontakt oder Hotellerie – für die Wochenenden müssen wir ja unter der Woche alles vorbereiten“, sagt Christoph Winkelhorst. Auch dieser Mehraufwand soll in Zukunft wegfallen.

Statt an den Wochenenden setzt Christoph Winkelhorst zukünftig montags bis freitags auf täglichen Mittagstisch: „Über Tag sind wir sowieso da“, erklärt er. Schon wegen des Hotelbetriebs. Da sei es kein Problem, auch die Tür zu öffnen und Essen anzubieten. Mit Firmenkunden und weiteren Gästen hat er so eine neue Zielgruppe im Blick.

Auch am Wochenende soll in Ammeloe deswegen zukünftig aber niemand hungern. „Hier im Dorf ist es besser zusammen als gegeneinander zu arbeiten“, sagt er. Es gebe ja zwei gut funktionierende Gastronomiebetriebe. Der Gasthof zur Alten Post öffne aber erst abends und habe außerdem zwei Ruhetage werktags. „An den Wochenenden verweisen wir unsere Gäste dorthin, dafür machen wir den Mittagstisch“, erklärt er.

Hotelbetrieb bleibt von der Änderung unberührt

Der Hotelbetrieb wird von der Änderung ohnehin nicht beeinflusst. „Das sind ja zwei verschiedene Paar Schuhe“, erklärt der Hotelier. Das Hotel mit seinen 14 Doppel- und drei Einzelzimmern stehe an sieben Tagen die Woche für Gäste bereit. Damit verknüpft ist auch das Frühstück. Auch das wird täglich frisch zubereitet. Übrigens auch für Gäste, die nicht im Hotel schlafen. „Dann bitten wir aber um Anmeldung einen Tag vorher“, erklärt er.

Auch für Gesellschaften gebe es Regelungen – beispielsweise samstagsvormittags. Oder für Kommunionfeiern, die oft in den Sälen des Hotels stattfinden, lasse sich eine Lösung finden. „Die liegen ja meist sowieso an Feiertagen“, erklärt Christioph Winkelhorst. Und auch vor Weihnachten soll die neue Regelung nicht greifen: „Den halben November und den kompletten Dezember öffnen wir auch an den Wochenenden“, sagt er.

Positive Resonanz aus der Stammkundschaft

Aus der Stammkundschaft hat er in den ersten Tagen des neuen Jahres bisher nur positive Resonanzen bekommen. „Die zeigen viel Verständnis für den Schritt“, sagt er. Sie würden ihr Essen im Zweifel einfach vom Samstag- auf den Freitagabend verlegen. Just in dem Moment klingelt sein Telefon: Ein regelmäßiger Gast möchte einen Tisch bestellen und wundert sich über das, was er da im Dorf gehört hat. „Nein, es ist wirklich so. Am Wochenende sind die Restaurants zu“, sagt Christoph Winkelhorst. „Gut, mache ich“, sagt er und legt auf.

Das À-la-carte-Geschäft läuft in Büschkers Stuben zukünftig also montags bis freitags ganz normal. Die gehobene Küche im Clemens öffnet sich zwar ebenfalls montags bis freitags, allerdings nur auf Vorbestellung. „Das könnten wir sonst gar nicht anbieten“, sagt Christoph Winkelhorst.

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